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Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Europas Zerfall scheint gewisser denn je - das zumindest hat die Kanzlerin geschafft. - Ist die offizielle Behauptung, dass immer weniger „Flüchtlinge“ nach Deutschland kommen, frei erfunden?

 

Von Axel Retz

Ein Jahr „Wir schaffen das“ liegt nun hinter uns. Die Bilanz hat mich keineswegs desillusioniert. Nicht weil sie so positiv ausgefallen wäre, sondern weil ich keinerlei Illusionen hatte.

 

Illusionen hatten allerdings die meisten Zuwanderer, die nun in grenzwertig zu nennenden Unterkünften hocken, ohne dass sie eine Perspektive sähen. Der Migrationsdruck hingegen scheint größer zu sein als offiziell zugegeben. Was sich auch nicht ändern wird, solange NATO, USA und EU ihre Politik nicht ändern. Europas Zerfall scheint gewisser denn je - das zumindest hat die Kanzlerin geschafft.


Das heute als Überschrift dienende Bonmot des Dichters Otto Julius Bierbaum, besser bekannt unter seinem Pseudonym „Simpliciccimus“, ist vielleicht aktueller denn je. Beispielsweise beim Lesen einer Tageszeitung oder dem Genuss der Nachrichtensendungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.


Vor gut einer Woche berichtete B5 aktuell, der Nachrichtensender des Bayerischen Rundfunks über die russischen Medien. Und man braucht nicht einmal viel Humor zu haben, um über diese Art der Berichterstattung herzlich lachen zu können:


„Das Weltbild“, hieß es dort, „das die Russen von den Medien vermittelt bekommen, unterscheidet sich eklatant von der Wirklichkeit.“ Köstlich, oder?


Ja, da darf man sich wirklich einmal auf die Schenkel klopfen. Die Türkei kritisiert in Europa vornehmlich die deutschen Medien als „regierungsgelenkt“ oder „regierungsgesteuert“. Nach dem massiven Vorgehen Ankaras gegen kritische Medien im eigenen Land hat diese Kritik zwar wirklich einen ganz besonderen Charme, bleibt aber dennoch richtig. Und genau diese unsere Medien erheben die gleichen Vorwürfe gegen Russland!


Vergleiche ich deutsche Zeitungen mit denen aus Österreich, der Schweiz, Großbritannien, Frankreich oder Ungarn, liegt Herr Erdogan mit seiner Kritik deutscher Medien (nicht nur die Türkei betreffend) nicht ganz daneben. Recht genau vor 49 Jahren wurde in der Bundesrepublik das Farbfernsehen eingeführt. Die Kunst, schwarz-weiß-Nachrichten auch in bunt zu transportieren, hat es erst viel später zu Ruhm und Ehre gebracht, ist aber heute endlich dort angekommen, wo sie schon viel früher einmal war: bei der Propaganda!


„Alle Genialität der Aufmachung der Propaganda wird zu keinem Erfolg führen, wenn nicht ein fundamentaler Grundsatz immer gleich scharf berücksichtigt wird. Sie hat sich auf wenig zu beschränken und dieses ewig zu wiederholen. Die Beharrlichkeit ist hier wie bei so vielem auf der Welt die erste und wichtigste Voraussetzung zum Erfolg.“ Schrieb Adolph Hitler in „Mein Kampf“.


Und deswegen wird Russland auch, wirklich ganz gleich, um was es geht, als abgrundtief böse dargestellt. Besonders per de dabei: Während die NATO bis zum Ende des Kalten Krieges tatsächlich weitgehend als Verteidigungsbündnis fungierte, führte und führt sie heute Krieg um Krieg - u. a. auch und gerade in den Ländern, aus denen heute die meisten Migranten nach Europa strömen: Afghanistan, Irak, Syrien. Als „Schuldiger“ für die aus Syrien fliehenden Menschen wird uns aber Russland präsentiert, das sich als einzige fremde Macht völkerrechtlich legal an dem Konflikt beteiligt. Immerhin:


Der in den Medien mehr oder weniger als „Trumpeltier“ bezeichnete republikanische Präsidentschaftskandidat hat zugesagt, dass es unter ihm als Präsident künftig keine US-amerikanischen Versuche eines „regime change“ in anderen Ländern mehr geben werde - womit er natürlich auch ein klares Statement zur bisherigen bzw. aktuellen Politik traf.


Wer erwartet hatte, dass sich unsere Medien nach Silvester auf ihre einfachsten Grundlagen zurückbesonnen hätten, sieht sich heute leider enttäuscht. Das Kartell des Verschweigens ist vermutlich heute sogar stärker als damals.


Aus meiner vor meinem Urlaub gestarteten Umfrage unter Ihnen habe ich erfahren, dass es durchaus Gemeinden und Städte gibt, in denen sich die Anzahl der Neuankömmlinge kaum verändert zu haben scheint. Der Schwerpunkt der Antworten, insbesondere Berlin, Frankfurt, Wiesbaden und zahlreiche bayerische Städte/Gemeinden betreffend, unterstreicht allerdings genau meine Wahrnehmung: Die Aussage, dass immer weniger „Flüchtlinge“ nach Deutschland kommen, scheint nach dieser nicht repräsentativen Leserbefragung schlichtweg frei erfunden zu sein. Und dass es in der Tat einen massiven Zuwachs von Migranten aus den südlich der Sahara liegenden Ländern gibt, belegen nicht nur meine Leserkontakte, sondern auch Berichte aus Italien. Warum, man muss es sich fragen, kommt das Thema eigentlich in unseren Medien nicht mehr vor?


In den Niederlanden, Polen, Österreich, Tschechien, Ungarn, der Schweiz, der Slowakei, Bulgarien und Finnland ist die „Umverteilungs“-Politik der Bundeskanzlerin ebenso gescheitert wie in Schweden, Dänemark, Frankreich und natürlich Großbritannien. Italien und Griechenland? Da muss man wohl gar nicht drüber nachdenken.


Auf besonders harten Widerstand der von ihr im Alleingang beschlossenen „Willkommens“- und „Wir schaffen das“-Kultur stößt Frau Merkel in den sgn. Visegrád-Staaten (Polen, Tschechien, Ungarn und Slowakei). Die dort vorherrschende Gleichsetzung aller Muslime mit den Themenkreisen Terror und Vergewaltigung ist zwar einfältig, aber solange die EU keinerlei Kontrolle darüber hat (und auch nicht wirklich haben zu wollen scheint), wer denn überhaupt mit welchen Absichten einreist, sind die dort sichtbaren Reflexe durchaus menschlich. Und sie erinnern stark an die Position Donald Trumps.

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