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Deutsche Bank: Das Versagen der anderen

Die Deutsche Bank erleidet das gleiche Schicksal wie die Fußballnationalmannschaft: Zu ihr hat jeder eine Meinung, und alle wissen es besser.

 

Die jüngsten öffentlichen Äußerungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Deutschen Bank sind in der Bundesregierung auf scharfe Kritik gestoßen. Nach Informationen des Handelsblatts (Freitagausgabe) beschwerte sich die Bundesregierung umgehend. Der deutsche IWF-Exekutivdirektor Steffen Meyer habe intern im Währungsfonds den Unmut übermittelt, hieß es. Von „Riesenärger auf Seiten der Deutschen“ war in Washington die Rede. Die Äußerungen des IWF seien unprofessionell.

Zuvor war der für Finanzmärkte zuständige IWF-Experte Peter Dattels am Mittwochnachmittag bei der Präsentation des Berichts zur Finanzmarktstabilität auch explizit auf das deutsche Geldhaus eingegangen. „Die Deutsche Bank gehört zu den Banken, die weiter Anpassungen vornehmen müssen, um Investoren davon zu überzeugen, dass ihr Geschäftsmodell für die Zukunft tragfähig ist", hatte er gesagt.

Die anschließende Beschwerde der Bundesregierung zeigte offenbar Wirkung. Denn kurz danach hieß es aus dem IWF, man habe nicht ein einzelnes Institut kritisieren und damit neue Turbulenzen riskieren wollen. Diese Beschwichtigungsversuche seien auf die Kritik der Deutschen zurückzuführen, hieß es.
 

Börsen-Zeitung: "Das Versagen der anderen", Kommentar zur Deutschen Bank von Bernd Wittkowski

Die Deutsche Bank erleidet das gleiche Schicksal wie die Fußballnationalmannschaft: Zu ihr hat jeder eine Meinung, und alle wissen es besser. Wie Manuel Neuer & Co. neben Jogi Löw 82 Millionen weitere Bundestrainer haben, so hat der Vorstand des Geldkonzerns weit mehr als 82 Millionen Aufsichtsratsmitglieder, die eine genaue Vorstellung davon haben, was in der Bank schiefläuft und wie damit umzugehen ist.

 

Die Zahl ist noch viel höher, weil ja nicht nur die Bürger dieses Landes, sondern auch Krethi und Plethi jenseits der Grenzen glauben, allweil ihren Senf dazugeben zu müssen. Das Phänomen ist nicht neu. Es tritt beim Small Talk über den Gartenzaun ebenso auf wie am offiziellen Meinungsmarkt, natürlich gehäuft in herausfordernden Situationen.

 

Weil die Nationalelf erst am Samstag und Dienstag spielt, bleiben wir an dieser Stelle für heute bei der Deutschen Bank. Da sind neben vielen anderen zuletzt beispielsweise Italiens Regierungschef Matteo Renzi, Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel oder der Vice Chairman des Vermögensverwalters BlackRock und frühere Schweizer Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand auffällig geworden.

 

Renzi etwa zerbricht sich gerne den Kopf über die Stabilität der Deutschen Bank (und des ganzen hiesigen Bankensystems).

 

Gabriel, im Interesse der deutschen Wirtschaft auf rutschigem diplomatischem Parkett im Iran unterwegs, belustigt sich öffentlich darüber, "dass die Bank, die das Spekulantentum zum Geschäftsmodell gemacht hat, sich jetzt zum Opfer von Spekulanten erklärt" (was CEO John Cryan in der Tat getan hatte).

 

Und Hildebrand stellt am Mittwoch im FAZ-Interview nonchalant fest: "Europas Banken haben in einem großen Ausmaß versagt."

 

Dem Verdikt mag man eingedenk der Performance mancher Häuser nur bedingt widersprechen. Die Attitüde aber, mit der diese Leute auftreten, wirkt befremdlich. Wer hat denn alles versagt? Nicht auch der einst über ein Devisengeschäft seiner Ehefrau gestolperte Hildebrand?

 

Hätte er nicht als Notenbanker längst auf eine überzeugende Lösung des beklagten "Too big to fail"-Problems oder als Großaktionär der Deutschen Bank auf die Etablierung eines nachhaltigen Geschäftsmodells hinwirken müssen?

 

Hätte Gabriel nicht mehr Grund, sich zu fragen, ob er darüber lachen oder wütend sein soll, dass sein Iran-Besuch mit einem Eklat endete (sein höchstrangiger Gesprächspartner sagte ein Treffen kurzfristig ohne Begründung ab)?

 

Und hätte Renzi nicht genug damit zu tun, endlich die maroden italienischen Banken zu sanieren? Einfacher ist es natürlich, andere des Versagens zu zeihen.

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