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Gold: Scheue Rehe auf der Flucht

Gold und Silber mit herben Verlusten. Grund: Spekulationen um die Drosselung der Anleihekäufe durch die EZB und US-Zinsanhebung. - Ob Notenbanken jedoch wirklich die Geldschleusen schließen ist mehr als fraglich.

 

Von Sven Weisenhaus

Goldbullen wurden letzte Woche auf dem völlig falschen Fuß erwischt. Denn wie bereits in Börse-Intern erwähnt, erlitten auch die beiden Edelmetalle Gold und Silber im Zuge der Spekulationen um die Drosselung der Anleihekäufe durch die EZB herbe Verluste. Der Goldpreis rutschte allein im Oktober über 5% ab.

 

Absteigendes Dreieck kündigte Kurseinbruch bereits frühzeitig an

Diese Entwicklung hatte sich zuvor bereits charttechnisch angedeutet. Schon in der Börse-Intern vom 17. August war zu lesen, dass die Auswärtsdynamik im Goldpreis nachgelassen hatte und der Kurs auf dem erreichten Niveau seitwärts konsolidierte. Dazu der Chart aus der damaligen Analyse:

 

Gold - Chartanalyse

 

Seitdem setzte sich die Seitwärtsbewegung (gelbes Rechteck) fort. Schon seit dem Brexit-Votum und damit mehr als drei Monate pendelte der Goldpreis oberhalb von 1.300 USD seitwärts. Allerdings formierte sich im weiteren Verlauf (siehe folgender Chart) durch gleichbleibende Tiefs (grüne horizontale Linie) und tiefere Hochs (rote Abwärtslinie) ein absteigendes Dreieck. Und diese Formation kündigt in der Charttechnik regelmäßig eine dynamische Abwärtsbewegung an, die wir seit Dienstag auch tatsächlich beobachten können.

 

Gold - Chartanalyse

 

Im „Target-Trend-Spezial“ hatten wir unsere Leser rechtzeitig auf das Risiko fallender Kurse hingewiesen und für den Fall von Notierungen unterhalb der horizontalen Unterstützung (grüne Linie) zu einer Short-Position geraten, die nun bereits ordentlich im Gewinn liegt. Anhand der Target-Trend-Methode hatten wir zudem im „Target-Trend-Spezial“ ein erstes Kursziel von 1.265 USD ausgemacht, weil dort eine Rechteckgrenze liegt. Und dieses Kursziel wurde mit der ersten Abwärtsbewegung exakt angesteuert.

 

Scheue Rehe auf der Flucht

Auch aus fundamentaler Sicht bestand ein hohes Risiko schneller Goldverkäufe. Mehrfach wurden Sie hier an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die gestiegene Goldnachfrage zu 99,5% aus „Papiergold“ (Exchange Traded Funds = ETF) bestand.

 

So erfolgte zum Beispiel schon in der Börse-Intern vom 13. Mai der Hinweis, dass Geld wie ein scheues Reh ist und „sich verbrieftes Gold eben leichter und schneller kaufen und verkaufen lässt als physisches Gold“. Und genauso ist es nun gekommen.

 

Die Spekulation um die Reduzierung der Anleihekäufe der EZB drückten den Goldpreis unter einen markante Unterstützung (siehe Chart oben), wodurch es zu charttechnisch motivierten und taktischen Verkäufen sowie das Auslösen von Stop-Orders kam.

 

Geldpolitik steht nicht im Zeichen des Goldes

Nun stellt sich natürlich die Frage, wie weit der Goldpreisabsturz noch gehen könnte. Denn ein Ende der extrem expansiven Geldpolitik der EZB würde die Attraktivität des Goldpreises gegenüber alternativen Anlegeformen natürlich sinken lassen. Und während es sich bei der EZB noch immer nur um Spekulationen handelt, wurde das allmähliche Ende der expansiven Geldpolitik in den USA bereits eingeleitet. Aktuell geht die Mehrheit der Marktteilnehmer davon aus, dass die Fed noch im Dezember dieses Jahres eine weitere Zinsanhebung durchführen wird. Dies setzt den Goldpreis zusätzlich unter Druck.

 

Neuer Abwärtstrend im aktuellen Umfeld unwahrscheinlich

Daraus muss sich nun jedoch nicht zwangsläufig ein neuer nachhaltiger Abwärtstrend entwickeln. Denn einen stärkeren Preisverfall könnten einige Anleger und Investoren wieder als neue Chance sehen, um die kürzlich verkauften Positionen günstiger zurückzukaufen. Und Anleger, die den jüngsten Anstieg im Goldpreis verpasst haben, könnten die Chance wittern, doch noch zu günstigen Kursen einzusteigen.

Außerdem werden die Notenbanken nur sehr langsam ihre Geldschleusen schließen. Daher befindet sich noch für einen längeren Zeitraum eine Unmenge an Liquidität im Markt, die breitflächig und diversifiziert investiert werden muss. Und im Umfeld von niedrigen oder gar negativen Renditen ist Gold ein gern genommenes Investmentobjekt.

 

Fazit

Der aktuelle Kurssturz im Goldpreis war längst abzusehen. Insbesondere die Charttechnik hatte darauf hingedeutet. Und da die Nachfrage zuvor zu einem Großteil aus volatilen Anlageformen (ETFs) bestand, war aus fundamentaler Sicht der Anstieg auf Sand gebaut. Es brauchte nun lediglich noch eines Impulses, damit es zu massenhaften Verkäufen kommt. Dies war nun der Bloomberg-Bericht über mögliche verringerte Anleihekäufe der EZB (siehe Börse-Intern).

 

Damit hat der plötzliche Preisverfall aufgrund einer bloßen Spekulation nun eindrucksvoll belegt, wie anfällig der Goldpreis für Rückschläge tatsächlich war. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass sich der Goldpreis schnell wieder stabilisiert. Sollte jedoch aus den Spekulationen um das Anleiheprogramm der EZB Tatsachen werden und sich die Weltkonjunktur weiterhin solide entwickeln, würde einen weiteren Preisverfall im Gold nicht mehr allzu viel im Wege stehen.

www.stockstreet.de

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