Bruder des Terrorverdächtigen von Chemnitz droht mit Rache, will als Flüchtling kommen. In Deutschland hätten einige Imame in Berliner Moscheen für eine kurze Zeit versucht, "ihn einer Gehirnwäsche zu unterziehen." Dies sei ihnen jedoch nicht gelungen.
In einem Video-Interview der Deutschen Welle (DW) spricht Alaa al-Bakr nach dem Freitod seines Bruders Dschaber al-Bakr eine vieldeutige Drohung aus: "Meine Reaktion als Araber ist Rache." Auf die Nachfrage, was er damit meint, wird Alaa al-Bakr gegenüber dem DW-Reporter Jaafar Abdul Karim deutlicher: "Du verstehst schon. Ich habe nichts weiter dazu zu sagen. Ich werde als Flüchtling kommen."
Im ersten Videointerview seit sein Bruder am Mittwoch erhängt in seiner Gefängniszelle im Gefängnis in Leipzig gefunden wurde, betonte Alaa al-Bakr, dass er von der Unschuld seines jüngeren Bruders überzeugt sei. "Ich habe ihn doch erzogen. Ich weiß wie er ist. Er ist kein Terrorist", erklärte er.
Dschaber habe ihm von Bemühungen berichtet, ihn zu radikalisieren. In Deutschland hätten einige Imame in Berliner Moscheen für eine kurze Zeit versucht, "ihn einer Gehirnwäsche zu unterziehen", sagte Alaa al-Bakr. Dies sei ihnen jedoch nicht gelungen. "Hätten sie es geschafft, wäre er nach Syrien geflogen und nicht mehr zurückgekommen", so Alaa al-Bakr.
Fahrkarten von Albakr führten Ermittler zu seiner Berlin-Reise
Bahnfahrkarten, die Ermittler in den Sachen von Jaber Albakr gefunden haben, waren entscheidend, um seiner Berlin-Reise auf die Spur zu kommen, bei der er im September wahrscheinlich den geplanten Anschlagsort ausgekundschaftet hat. Das berichtet die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (F.A.S.) mit Bezug auf Sicherheitskreise.
Der Syrer wollte nach Ansicht der Ermittler in der vergangenen Woche einen Sprengstoffanschlag auf einen Berliner Flughafen verüben. Die Ermittler gehen davon aus, dass er während seiner Berlin-Reise in der zweiten Septemberhälfte den Flughafen Berlin-Schönefeld oder den Flughafen Berlin-Tegel ausgekundschaftet hat. Die Sicherheitsbehörden vermuten, dass Albakr im Auftrag des IS handelte.
Ein Sprecher der Generalbundesanwaltschaft sagte der F.A.S., es gebe bisher allerdings keine „ausreichenden gerichtsverwertbaren Bezüge zum IS“. Ende August war Albakr von der Türkei kommend auf dem Flughafen Leipzig gelandet. Nach Aussagen der Ermittler gegenüber der F.A.S. hatte er damals seinen Anschlagsplan „in der Tasche“.
Die Bundesanwaltschaft geht unterdessen weiter von einem dringenden Tatverdacht gegen den 33 Jahre Syrer Khalil A. aus. Sie wirft ihm Beihilfe zur Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vor. Khalil A. war Mieter der Wohnung in Chemnitz, in der Albakr eineinhalb Kilogramm hochwirksamen Sprengstoffs lagerte. Er sitzt seit dem vergangenen Wochenende in Untersuchungshaft.



