V-Männer aus der Salafisten-Szene belasten Hassprediger Abu Walaa schwer – Aufruf zum bewaffneten Kampf in Kasseler Moschee – Komplizen zeigen während Dschihad-Seminaren Videos von Hinrichtungen durch den IS
Wichtige Hinweise für die Festnahme eines fünfköpfigen Terrornetzwerks um den Hildesheimer Hassprediger Abu Walaa lieferten zwei V-Leute aus der Salafisten-Szene. Nach Focus-Informationen aus Justizkreisen berichtete ein Spitzel des Landeskriminalamts (LKA) Hessen mit dem Kürzel „VP02“, dass der 32-jährige Abu Walaa in der Medina-Moschee in Kassel während eines Seminars am 6. Mai vor 100 Zuhörern zum bewaffneten Kampf für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gegen die Ungläubigen (Kuffar) aufgerufen habe.
Ferner schilderte ein Informant des LKA NRW (Deckname: „VP01“), dass die Gruppe dschihadistische Seminare in einer Dortmunder Wohnung abhielt. Dort soll der inzwischen inhaftierte Hilfsprediger Abu Abdurrahman, 36, jungen Muslimen die radikalen IS-Lehren eingebläut haben. Während des Unterrichts spielte der Eiferer auch Hinrichtungsvideos der „Gotteskrieger“ vor. Die Gräueltaten, hetzte er, seien die Rache für das Leiden der Muslime im Krieg in Syrien gegen die Ungläubigen. Ein Komplize aus Duisburg überzeugte die Neulinge im Hinterzimmer seines Reisebüros, nur IS-Anhänger in Syrien seien wahre Gläubige. Alle anderen seien zu vernichten.
Nach Aussage des IS-Rückkehrers Anil O. folgte auf diese erste Rekrutierungsstufe der Besuch beim mutmaßlichen Kopf des Netzwerks in der DIK-Moschee in Hildesheim. Dort habe ihm Imam Abu Walaa Anfang Juli 2015 klar gemacht, so O., dass er seine Tour zum IS organisieren und für ihn bürgen werde. Abu Walaa, der in YouTube-Videos mit radikalen Thesen als „Imam ohne Gesicht“ auftritt, habe versichert, er sei vom IS beauftragt worden, Rechtsgutachten (Fatwas) für die Terrorbrigaden zu erstellen und neue Rekruten nach Syrien zu schleusen. Finanziert wurde der Dschihad-Trip des Kronzeugen im August 2015 durch den Verkauf ergaunerter Handys, Laptops und Tablets.



