Seit der Trump-Wahl steht die Finanzwelt auf dem Kopf. Der Dow eilt von Rekord zu Rekord und ausgerechnet Bank-Aktien schießen nach oben. Gold und Silber stürzen ab. US-Bonds kollabieren, Rendite und Dollar steigen.
Die Gewinner an den Börsen sind die Finanzwerte: Deutsche Bank und Commerzbank seit der Trumpwahl mit kräftigen Aufschlägen. Warum weiß keiner so genau. Wahrscheinlich Eindeckungen von Leerverkäufen. Ganz anders sieht es dagegen bei Edelmetallen aus.
Die Wahlwoche in den USA brachte nach dem anfänglichen Angstanstieg für Gold nach dem Trump-Sieg (als Gold in der Wahlnacht um 60 USD nach oben explodierte), einen regelrechten Absturz des Preises in den Tagen danach. Die Kombination aus steigenden Renditen und festem USD, die sich nach der Wahl einstellten, ist negativ für Gold, solange die Inflation nicht anzieht und die Realzinsen somit positiv sind.
Zudem ist die Kriegsgefahr nun deutlich gesunken, da Trump mehrfach signalisierte, dass er keine Eskalation mit Russland wolle und das Syrien-Assad-Problem mit Putin zusammen lösen möchte. Auch diese gesunkene Weltkriegsgefahr spielt den Goldbären derzeit gut in die Karten.
Doch der Preis von Gold wird nicht nur durch die US-Politik gemacht. Auch hier wird der politische Effekt „kurze Beine“ haben. Langfristig spielen Inflationierung der Papiergeldwerte in aller Welt, die Nachfrage in China und Indien, sowie die Schuldenblase die entscheidende Rolle. Und darauf wird man sich bald wieder besinnen.
Derzeit läuft am Markt folgendes ab:
Die großen Player liquidierten nach der Wahl ihre Gold-Long, Dollar-Short und Aktien-(Absicherungs-)Shortpositionen. Diese hatten sie vor der Wahl als Hedge eingegangen (die Barquote bei den globalen Aktienfonds war so hoch wie nie; gleichzeitig gab es sehr hohe Put/Call-Ratios an der Terminbörse; beides deutet darauf hin, dass eine hohe Vorsicht herrschte).
Wenig hilfreich war auch, dass Hedge Fonds-Größe Druckenmiller inmitten des Goldeinbruchs verkündete, er habe seine Goldposition in der Wahlnacht verkauft, weil er jetzt bullisch für Aktien und bärisch für Bonds sei. Dies alles führte dazu, dass der Goldpreis auf Wochenbasis nach dieser Achterbahnfahrt satte 110 USD vom Mittwochshoch auf 1.127 USD kollabierte. Insgesamt betrug das Minus in USD 76 USD oder 5,9%. Silber fiel um 5,7% auf 17,36 USD (Gold/Silber-Ratio nun 70,7).
Noch heftiger erwischte es die Minenwerte. Der HUI und unser Junior Gold Miners ETF verloren heftig. Der GDXJ (Junior Gold Miners ETF) aus unserem Musterdepot, verlor 15% auf knapp über 34 USD. Eine wahrlich schwarze Woche für Goldminenaktien!
Am Freitag sah das Ganze bereits nach Verkaufspanik aus. Sie wissen, dass wir gerne kaufen, wenn Panik herrscht und in den letzten Monaten in der Euphorie etliche Gewinne mitgenommen haben.
Deshalb kommen wir jetzt langsam in die Phase, wo es wieder spannend wird.
Betrachtet man die Marktlage völlig emotionslos, dann stellt man fest:
Die US-Renditen waren schon vor der Wahl in einem neuen Aufwärtstrend. Trump hat den Ausverkauf am US-Bond-Markt lediglich verstärkt. Die Märkte werden bald realisieren, dass die „Trumponomis“, die viele nun durch massive Konjunkturprogramme sehen und die sich auch in anziehenden Rohstoffpreisen (Kupfer!) wiederspiegelt, nicht über Nacht einsetzen werden.
Eines ist ziemlich gewiss und nimmt der Markt gerade vorweg: Die US-Schuldenblase wird noch einmal richtig aufgeblasen! Sämtliche Pläne von Trump wirken inflationär: Riesige Infrastrukturprogramme, Steuererleichterungen, die „Rückholaktion“ der USD-Billionen, die Unternehmen außerhalb der USA horten, um sie mit einer niedrigen Steuer anzulocken. Einfuhrzölle aus Staaten wie China oder Mexiko machen die Produktion in den USA – neben niedrigen Steuern - möglicherweise wieder interessant. Die Folge ist jedoch, dass die Preise für Produkte, die bislang in den Niedriglohnstaaten hergestellt worden sind, steigen werden.
Wer Gold zu diesen Preisen verkauft, wird es bald bitter bereuen. Das US-Haushaltsdefizit wird massiv zunehmen. Wenn Trump seine protektionistische Wirtschaftspolitik umsetzt, werden sich China und andere Staaten wehren. Warum sollten diese noch US-Staatsanleihen halten oder gar neu kaufen? Die Marktteilnehmer preisen bereits jetzt das Infrastrukturprogramm von Trump, die Steuersenkungen und sein Haushaltsdefizit von geschätzten 6 Billionen Dollar über die kommenden vier Jahre ein.
Die wichtigste Eigenschaft von Gold ist der Schutz vor Geldentwertung. Und genau die wird Trumps Politik für den USD herbeiführen, auch wenn dieser in den nächsten Monaten wohl nochmals fester wird (die Chinesen werden die Chance nutzen, um zwischen dem Übergang zu Trump nochmals abzuwerten). Aber andere Staaten hätten auch gerne eine weichere Währung im Kampf um Absatzmärkte. Ein neuer Währungskrieg droht!
Das US-Schuldenproblem soll ganz offensichtlich die Inflation „regeln“. Es könnte daher zu einer Wiederholung der 70er Jahre (auf weit niedrigerem Zinsniveau) kommen. Inflation bei niedrigem Wachstum. Damals erlebten die Edelmetalle Sternstunden – allerdings auch von zwischenzeitlichen, heftigen Rückschlägen begleitet.
Eventuell wird die Zeit um die Trump-Wahl 2016 einst als diejenige Phase in die Geschichte eingehen, in der man sich noch einmal günstig gegen den (politisch forcierten) Verfall der Papiergeldwährungen mit Gold hätte absichern können.



