Roland Berger: Deutschland sollte aus dem Euro austreten. „Ich glaube, dass man diese Krise nicht durch weiteres ‚Durchwursteln‘, sondern nur durch radikale Schritte lösen kann“
Der Unternehmensberater Roland Berger sieht Europa in einem „katastrophalen Zustand“. Ursache dafür sei „vor allem der Euro“, sagte Berger im Interview mit dem Handelsblatt. „Ich glaube, dass man diese Krise nicht durch weiteres ‚Durchwursteln‘, sondern nur durch radikale Schritte lösen kann“, betonte er, sonst falle Europa immer weiter auseinander.
„Wir sollten nicht so sehr darüber nachdenken, ob Griechenland zu retten ist, sondern ob es nicht viel logischer wäre, wenn Deutschland den Euro-Raum verließe, um die EU als Ganzes zu erhalten“, riet Berger in dem Interview. Deutschland bringe mit seiner Wirtschafts- und Finanzkraft die Union in ein Ungleichgewicht, „mit neun Prozent Zahlungsbilanzüberschuss vom Bruttoinlandsprodukt.“ Und weil die Geldpolitik der EZB für 75 Prozent der Euro-Zone, vor allem eben die Südländer, richtig se i, aber nicht für Deutschland. „Das treibt Europa auseinander“, sagte Berger.
Da „wir Deutsche so einen radikalen Schnitt nie wagen“ würden, wie Berger vermutete, schlug er als Alternative vor: „Die andere klare Lösung zum Erhalt des Euro wäre eine konsequente Transferunion, wie sie zwischen den Bundesländern schon lange existiert.“ Deutschland wäre dann Nettozahler der Transfers an die schwachen Mitgliedsstaaten. „Italiener, Spanier, Franzosen sagen mir jedenfalls in persönlichen Gesprächen immer: Ihr Deutschen ruiniert Europa mit eurer Austeritätspolitik“, sagte Berger.



