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Die Geschichte des Anis Amri

Der Berliner Terrorverdächtige Anis Amri hatte eine hochkriminelle Karriere hinter sich, bevor er in Deutschland Asyl suchte. In Tunesien und Italien wurde er wegen Brandstiftung, Raub, Diebstahl Körperverletzung gesucht und verhaftet. In Deutschland durfte er frei rumlaufen.

 

 

 

Anis Amri ist offenbar auch in seinem Heimatland sowie in Italien als Straftäter verurteilt worden. Anis Amris Vater sagte dem tunesischen Radiosender Mosaique FM, sein Sohn habe in Italien vier Jahre im Gefängnis gesessen.

Der Grund: Er war beschuldigt worden, in eine Brandstiftung verwickelt zu sein. In Tunesien soll er in Abwesenheit wegen schweren Raubes zu fünf Jahren Haft verurteilt worden sein, berichtet Mosaique FM unter Berufung auf tunesische Sicherheitskreise.

 

Aus italienischem Gefängnis direkt nach Deutschland

Anis Amri, der Tatverdächtige des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt, wurde 2011 im Ort Belpasso nahe der sizilianischen Hauptstadt Catania verhaftet. Das erfuhr die "Welt" aus italienischen Regierungsquellen. In Catania wurde Amri demnach wegen Gewalttaten, Brandstiftung, Körperverletzung und Diebstahl zu vier Jahren Haft verurteilt.

Amri verbüßte seine in Haftanstalten in Catania und Palermo. Im Mai 2015 wurde er entlassen und zur Abschiebung in Abschiebehaft in die zentralitalienische Stadt Caltanissetta verlegt, aus der er wenige Wochen später entlassen wurde.

In Caltanissetta konnte er daraufhin nur ausgewiesen werden und ist nach Deutschland weitergereist. Den italienischen Behörden liegen nach Information der "Welt" Fingerabdrücke und Fotos von Amri vor. Amri war den italienischen Behörden als "gewalttätig" bekannt und wurde so auch von Mithäftlingen beschrieben.

 

Deutsche Behörden reagieren nicht

Anis Amri war schon monatelang auf dem Radar der deutschen Behörden. Wie die Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte, hat die Berliner Justiz den Tatverdächtigen von März bis September 2016 observieren lassen. Auch seine Kommunikation sei überwacht worden. Die Ermittler wollten demnach Hinweisen nachgehen, wonach Amri einen Einbruch geplant hatte.

Dabei wollte er sich angeblich Geld beschaffen, um automatische Waffen zu kaufen - "möglicherweise, um damit später mit noch zu gewinnenden Mittätern einen Anschlag zu begehen", erklärte die Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch. Der Verdacht habe sich aber nicht erhärtet.

 

Top Islamist

Anis Amri soll zu den Anhängern des Top-Islamisten Abu Walaa gehören. Laut NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" soll er zeitweise bei dem Dortmunder Boban S. gewohnt haben, der zusammen mit Abu Walaa im November festgenommen worden ist.

Den beiden wird unter anderem vorgeworfen, Kämpfer für den Islamischen Staat (IS) rekrutiert zu haben, der sich am Dienstagabend zu dem Anschlag in Berlin bekannt hat. Außerdem soll Amri aufgefallen sein, weil er sich bei einem V-Mann erkundigte, wo man Waffen kaufen könne.

 

Eigentlich hätte Anis Amri gar nicht mehr in Deutschland sein dürfen

Fest steht: Seit Monaten wurde die Telekommunikation des Tunesiers überwacht. Trotzdem verschwand Anis Amri im Dezember vom Radar. Möglicherweise, weil er in Berlin als Ahmad Z. oder Mohamed H. aus Ägypten erfasst war, wie „Spiegel online“ berichtet, und teils auch angab, aus dem Libanon zu stammen.

Eigentlich hätte Anis Amri zum Zeitpunkt seines Untertauchens gar nicht mehr in Deutschland sein dürfen. Er war im Juli 2015 über Freiburg in die Bundesrepublik eingereist, sein Asylantrag im Juni abgelehnt worden – nach Rücksprache mit den Sicherheitsbehörden.

Am 30. Juli wurde er mit Beschluss des Amtsgerichts Ravensburg in Abschiebehaft genommen, allerdings nur für einen Tag. Der Mann habe nicht rückgeführt werden können, weil er keine gültigen Ausweispapiere bei sich hatte, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) gestern. Tunesien habe bestritten, dass es sich um einen Landsmann handelt. Ironie des Schicksals: Die Ersatz-Ausweisdokumente aus Tunis seien "zufälligerweise heute überstellt" worden, so Jäger.

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