Zensurvorwurf: Kabarettist Serdar Somuncu erneuert Kritik am WDR. Den WDR nannte der deutsch-türkische Künstler eine „Keimzelle des Faschismus“. - Sonneborn bekräftigt Zensur-Vorwurf von Serdar Somuncu.
In der Auseinandersetzung mit dem WDR erneuert Kabarettist Serdar Somuncu gegenüber dem SPIEGEL seine Vorwürfe. Somuncu hatte einer Redakteurin des WDR vorgeworfen, Zensur zu üben und sie bei einem öffentlichen Auftritt als „Arschloch“ bezeichnet. Den WDR nannte der deutsch-türkische Künstler eine „Keimzelle des Faschismus“. Der Sender hatte daraufhin eine Klage der Mitarbeiterin gegen Somuncu unterstützt.
Der Zensurvorwurf bezieht sich auf einen Stand-up-Auftritt in der vom WDR produzierten Sendung „PussyTerror TV“ mit Carolin Kebekus. Der WDR wies jeden Zensurvorwurf zurück und erklärte gegenüber dem SPIEGEL, der Kabarettist habe sich nicht an Absprachen gehalten.
Somuncu erwiderte auf Anfrage des SPIEGEL: "Ich bin lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass nicht jeder meiner Stand-Ups in voller Länge gesendet werden kann. Betrifft der Eingriff des Redakteurs wie in diesem Fall aber nahezu drei Viertel der Inhalte meiner Aussage, so sehe ich darin eine gravierende Verfälschung originärer Inhalte aus Gründen, die weder dramaturgisch noch technisch zu rechtfertigen sind."
Weiter sagte er: „Der WDR, der behauptet, es gäbe keine Zensur, könnte seinem reinen Gewissen Ausdruck verleihen, indem er den genannten Ausschnitt sowohl im Original als auch in der geänderten TV-Fassung öffentlich zugänglich macht. Im Übrigen ist auch unter Künstlerkollegen hinlänglich bekannt, dass es sich bei der genannten Anstalt und ihrer Redaktionen um Wiederholungstäter handelt."
Sonneborn bekräftigt Zensur-Vorwurf von Serdar Somuncu
Im Streit zwischen dem WDR und dem Kabarettisten Serdar Somuncu pflichtet der Parteivorsitzende der Satirepartei "Die Partei", Martin Sonneborn, seinem Kollegen bei: "Zensur wird natürlich in vielen Medien in allerlei Formen betrieben. Wenn es nicht so wäre, würden wir auch die intelligenteren Gesellschaftskritiker wie Lisa Politt und Georg Schramm öfter sehen", sagte Sonneborn der "Rheinischen Post" (Onlineausgabe).
Für sich selber habe er deshalb schon Konsequenzen gezogen: "Nachdem meine Wortbeiträge in einer Markus-Lanz-Sendung im Schnitt mal fast bis auf Begrüßung und Verabschiedung reduziert wurden, habe ich mich entschlossen, nur noch in Live-Sendungen zu gehen."



