Die Situation um den Attentäter von Berlin wird immer dubioser. Es gab Kontakte mit dem LKA NRW. Ein V-Mann soll ihn mindestens ein Mal nach Berlin gefahren haben. Die Angelegenheit scheint sich zu einem Skandal ungeheuren Ausmaßes zu entwickeln.
Offenbar gab es engere Kontakte zwischen Amri und einem islamistischen V-Mann des Landeskriminalamtes (LKA) in Nordrhein-Westfalen. Wie der SPIEGEL berichtet, soll der V-Mann den späteren Attentäter mindestens einmal nach Berlin gefahren haben.
Am Donnerstag berichteten Vertreter von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) nach SPIEGEL-Informationen in einer Telefonkonferenz Mitgliedern des Innenausschusses von diesem neuen Detail im Fall Amri. Bekannt war bereits, dass Amri bei dem LKA-Informanten mit Anschlagsplänen geprahlt und sich nach Schnellfeuergewehren erkundigt hatte.
Die nordrhein-westfälische Landesregierung sah sich nun Aufgrund einer Anfrage der CDU-Landtagsfraktion genötigt zu erklären, dass Amri selbst kein Zuträger war. "Er war kein V-Mann", sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Düsseldorf am Samstag. Ein CDU-Fraktionssprecher bestätigte, dass die Frage danach "ein Punkt unseres Fragenkatalogs an das Innenministerium" sei.
BDK-Chef: Wir brauchen Untersuchungsausschüsse in NRW und im Bund
André Schulz, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), hält mit Blick auf neue Berichte im Fall Amri auch in NRW die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses für notwendig. Schulz sagte der "Heilbronner Stimme" (Montagausgabe): "Für die lückenlose Aufklärung benötigen wir Zeit für die Ermittlungen, für einige Antworten bedarf es aber parlamentarische Untersuchungsausschüsse auf Bundesebene und in NRW."
Schulz fügte hinzu: "Im Fall Amri gibt es viele Fragezeichen. Wir müssen Antworten auf die offenen Fragen bekommen, damit wir feststellen können, ob wir Fehler gemacht haben und die schreckliche Tat zu verhindern gewesen wäre. Nur so können wir lernen, um zukünftige Anschläge möglichst zu verhindern. Antworten sind wir auch den Angehörigen der Opfer schuldig."
Drogendealer
Anis Amri hat laut eines Berichts der "Welt am Sonntag" regelmäßig Ecstasy und Kokain konsumiert. Seinen Lebensunterhalt habe er weitgehend als Drogendealer finanziert, berichtet die Zeitung mit Verweis auf den Sachstandsbericht zum Terroranschlag an der Berliner Gedächtniskirche, mit dem sich das geheim tagende Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestags am Montag befassen werde. Schon in seiner Heimat Tunesien war der Berliner Attentäter wegen Drogendelikten aufgefallen. Auch in Berlin soll er Drogen verkauft haben.



