Warum formuliert der Mann, der genau weiß, was er sagt, auf einer internen Parteiveranstaltung so zweideutig, dass man seine Äußerung später politisch gegen die AFD ausschlachten kann?
Via Propagandaschau
Man muss schon sehr naiv sein, um nicht zu sehen, wie die mächtig nach oben strebende AFD von den etablierten Machtstrukturen mit allen Mitteln bekämpft wird. Die über Jahrzehnte gewachsene Macht des alten Regimes beruht vor allem auf Parteigängern in den Staatssendern, staatstragender Desinformation und Propaganda, sowie einem Geheimdienstapparat, der wie die Staatssender von Parteigängern der Nomenklatura durchsetzt ist.
Björn Höcke formuliert bewusst missverständlich: „Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“
Diese Geheimdienste wurden jüngst gezwungen, ihre U-Boote aus der NPD abzuziehen, um die Farce eines Verbotsverfahrens nicht auch noch dadurch zu belasten, dass die halbe Führungsriege der rechtsextremen Partei vom Staat gelenkt wird. Kann man so naiv sein, anzunehmen, diese U-Boote würden nun alle eine Kneipe auf Mallorca betreiben?
Wohl kaum! Auch die Vorstellung, dass die herrschende Klasse und ihre Parteigänger in Medien und Geheimdiensten tatenlos zuschauen würde, wie Luckes AFD die Parteienlandschaft von unten aufrollt, ist geradezu kindlich naiv. Tatsächlich muss man davon ausgehen, dass schon die Spaltung der Partei und das Ausbooten des smarten und zutiefst bürgerlichen Gründers – das ganz im Interesse der herrschenden Strukturen war – auch von diesen Mächten und ihren Netzwerken vorangetrieben wurde. Man wollte die anfangs vorwiegend liberal-konservative Konkurrenz so weit es geht an den rechten Rand drücken, um sie für die Mitte unwählbar zu machen.
Das Manöver ist gelungen, nur der Schuss ging nach hinten los, denn die AFD hat seitdem durchaus Fahrt aufgenommen, obwohl sie von Staats- und Konzernmedien massiv als Gottseibeiuns und AdolfNazi 2.0 diffamiert wird. Es sollte also niemanden überraschen, dass die eingeschlagene Taktik, mit der man die AFD an den Rand drängen will, von genau jenen Kreisen weiter vorangetrieben wird. Und da kommt nicht erst seit heute Björn Höcke ins Spiel.
Seine gezielte Provokation, zweideutig und bewusst missverständlich mit Blick auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin von einem „Denkmal der Schande“ zu sprechen, lässt kaum einen Zweifel, dass Höcke entweder ein echter Nazi ist, denn nur so jemand würde das Holocaust-Mahnmal (Architekturkritik lassen wir mal außen vor) als Schande bezeichnen oder dass Höcke ein U-Boot eines „Verfassungsschutzes“ ist, das ganz bewusst missverständlich formuliert, um die Partei tiefer in den braunen Schlamm zu manövrieren und damit für die bürgerliche Mitte unmöglich zu machen.
Dass Höcke ein verkappter echter Nazi ist und das Holocaust-Mahnmal insgeheim tatsächlich als Schande ansieht ist eher unwahrscheinlich und er hat dies in einer später nachgeschobenen Erklärung zurückgewiesen. Warum aber formuliert der Mann, der genau weiß, was er sagt, dann auf einer internen Parteiveranstaltung (bei der AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative“ in Dresden) so zweideutig, dass man seine Äußerung später politisch gegen die AFD ausschlachten kann? Dafür kann es nur eine sinnvolle Erklärung geben und die heißt: Höcke ist ein U-Boot des VS und arbeitet gegen die eigene Partei.
Den Aufschlag, den Höcke mit seiner Formulierung servierte, verwandelten ARD und ZDF so, wie man es von den Staatssendern erwarten würde, mit einem Ass. Sowohl in der 19.00 Uhr heute-Sendung des ZDF als auch in der ARD tagesschau wurde Höckes nachgeschobene Erklärung, dass er eben nicht das Denkmal meinte, als er von Schande sprach, sondern den Holocaust, ganz gezielt verschwiegen. Beiden Redaktionen lag die Klarstellung vor und man hat sie gezielt unterdrückt, um den Zuschauern mehr oder weniger subtil einzureden, Höcke hätte das Denkmal in Berlin als Schande bezeichnet.
Das ist staatstragendes Tennis von Regierungsmedien und Geheimdiensten und eine historische Lehrstunde in gelenkter Demokratie, wie man sie offensichtlicher kaum dargeboten bekommen kann.



