Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will die Teilnahme beim Confed Cup in Russland dazu nutzen, „politische Missstände“ anzusprechen.
Von Wolfgang Hübner
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und seine Funktionäre, so ist in der „Fußball Bild“ zu lesen, wollen die Teilnahme der früheren deutschen Fußballnationalmannschaft, jetzt „Die Mannschaft“, beim Confed Cup vom 17. Juni bis 2. Juli 2017 in Russland dazu nutzen, einen neuen Ostfeldzug der speziell bundesdeutschen, also moralimperialistischen Variante zu veranstalten.
„Die Mannschaft“-Manager Oliver Bierhoff will bei der Generalprobe für die in der Russischen Föderation stattfindenden Fußballweltmeisterschaft 2018 „politische Missstände“ beim Gastgeber ansprechen: „Der DFB und die Mannschaft müssen zeigen, für welche Werte sie stehen… Wir stehen für Offenheit, Vielfalt, Fair Play, Toleranz. Wir haben eine Stimme, die wir auch erheben werden. Wir werden nicht mit Scheuklappen nach Russland fahren.“
Man könnte ironisch sagen: Da werden sich die von Putin so schrecklich unterdrückten Russen aber auf Belehrung über „Offenheit“ (offene Grenzen für islamische „Gefährder“), „Vielfalt“ (Silvester in deutschen Städten), „Fair Play“ (DFB-Skandale) und „Toleranz“ (Antifa-Hetzmeute) freuen.
Und wir in der Heimat werden die täglichen Frontberichte über die aufklärerischen Großtaten der Merkel-Botschafter Boateng, Özil und des DFB-Präsidenten Grindel begierig verschlingen. Merkel-Deutschland, das im Westen bald ohne echte Verbündete dasteht, kann im Sommer auf einen späten Triumph im Osten hoffen. Bedauerlich nur, dass mitten in die Turnierdauer des Confed Cups ein Datum fällt, das die Mission des DFB zu beeinträchtigen droht.
Denn am 22. Juni 2017 jährt sich zum 76. Mal der Beginn des hitlerdeutschen Angriffskrieges gegen die damalige Sowjetunion. Geplant war bekanntlich nicht nur der Sieg über die kommunistische Diktatur, sondern auch die Unterjochung der russisch-slawischen „Untermenschen“ sowie die Kolonisierung des östlichen Riesenreiches.
Es ist aber nicht zu erwarten, dass sich ausgerechnet Spieler daran erinnern werden, die zum Teil die deutsche Nationalhymne nicht mitsingen oder das nur alibihaft murmelnd allein wegen ihrer Rücksicht auf maximale Selbstvermarktung tun. Und auch Manager Bierhoff und Trainer Löw dürften nach der Frage, was es sich mit dem „Unternehmen Barbarossa“ so auf sich hatte, erst einmal auf ihren teuren Smartphones googeln.
Doch in Russland ist dieser Jahrestag nicht vergessen. Wenn also der DFB-Tross die Russen darüber aufklärt, wie schön es ist, dass der deutsche Fußball auch schwul, schwarz und allzeit fair ist, dann dürften die eigentlich sehr deutschfreundlichen Gastgeber auf die Idee kommen, die Weltmeister mit der Gnade der später Geburt in Kenntnis über einige unschöne Fakten der gemeinsamen Geschichte zu setzen.
Sollte das sogar mit einer gewissen Penetranz geschehen, könnte das negative Auswirkungen auf Manuel Neuers Paraden und die Torschüsse von Toni Kroos haben. Vorsicht also: Auch der neue deutsche Ostfeldzug, das „Unternehmen Barbalöw“, ist nicht ganz ohne Risiko!



