Neue Trump Doktrin: Steht die Saudi-US-Connection und der Petrodollar womöglich vor dem Bruch? Anstatt Russland zu bekämpfen, werden die künftigen Gegner ISIS, Saudi-Arabien, Iran oder China heißen.
Von Sascha Opel
Als wir in Anfang Januar prognostizierten, dass die neue Trump-Doktrin ein „Kampf der Kulturen“ werden wird, gab es einige Kritik. So als ob wir uns das zusammengereimt hätten. Nein, wir haben einfach genau zugehört.
Ich persönlich habe mir sehr viele Wahlkampfreden von Trump (und auch Clinton) in voller Länge angesehen und dabei diejenigen Aussagen notiert, die sich immer wiederholten. Zudem habe ich mir alle Aussagen seiner engsten Berater gegönnt. Daraus war bereits klar herauszuhören, dass Trump eine komplett andere außenpolitische Agenda verfolgt. Der „Feind“, soviel war klar, werde künftig nicht mehr in Russland, sondern eher in China und bei den Islamisten von ISIS zu finden sein.
Das einstweilige Einreiseverbot für Muslime aus sieben Ländern kommt für uns daher keineswegs überraschend. Wer ISIS - wie Trump - vernichten will, der muss in seiner Logik dafür sorgen, dass aus denjenigen Ländern, aus denen ISIS die meisten Leute rekrutiert, keiner entkom- men, oder in die USA einreisen kann.
Nach Trumps Logik fliehen aus Syrien nun vornehmlich die von Assad und den Russen in Aleppo geschlagenen Islamisten. Und eben keine harmlosen „normalen Flüchtlinge“ mehr. Sprich: Man muss in dieser Logik dafür sorgen, dass der Feind im Feindesland bleibt und nicht ins eigene Land einreist.
Es ist offensichtlich, wie die neuen Blockbildungen in diesem Kampf der Kulturen wohl verlaufen. Wir wiederholen aus unserer Ausgabe 09/2017, weil dies elementar auch für künftige Investitionen sein wird:
Nur die USA, Russland und China sind militärisch unbesiegbar. Hier kann kein Land das andere ausbooten und bezwingen. Die künftige Weltmacht regiert die Eurasische Platte um die neue „Silkroad“ (Seidenstraße). Dort vereinen sich mit China, Indien, Pakistan, Iran, Russland Afghanistan und den ehemaligen Sowjetstaaten der Südflanke einige der Bevölkerungsreichsten Länder der Welt und werden enormes Wachstum freisetzen.
Und auf diese entscheidende Region haben die USA derzeit - auch dank der desaströsen Bush/Obama-Kriege in Afghanistan und im Irak - wenig Zugriff. Im Gegenteil:
Durch die aggressive Politik gegen Russland (insbesondere auch durch den durch die CIA mit 5 Milliarden USD finanzierten Putsch in Kiew und dem durch die Aufzucht des IS angezettelten Krieges in Irak und Syrien), in der man sich einen Zugang zur Seidenstraße erhoffte, hat man Russland in die Arme Chinas getrieben.
Ein Bündnis Russland-China ist jedoch das Schreckgespenst aller US-Think-Tanks (beinahe noch schlimmer wie die Vereinigung Russlands mit Deutschland, was nachweislich seit mehr als 100 Jahren oberstes Ziel der US-Außenpolitik war), da dann zwei der militärisch unbezwingbaren Gegner sich vereinen würden.
Daher wird Trump in den kommenden vier Jahren versuchen, Russland auf seine Seite zu ziehen. Dies ist eine 180-Grad-Wendung, deren langfristige Intention derzeit kaum jemand erkennt. Dazu wird er Russland stark entgegen kommen müssen (z.B. Anerkennung, dass die Krim zu Russland gehört und/oder das die Ukraine nicht in den amerikanischen Einflussbereich fällt). Dafür wird er viel Kritik einstecken müssen, denn die meisten, die noch in den alten Denkmustern feststecken, werden die neue Doktrin erst später erkennen.
Die neue Doktrin wird eine Art „Kampf der Kulturen“. Da Russland kulturell dem Westen deutlich näher steht (im Gegensatz zum kommunistischen China christlich und einigermaßen demokratisch, sowie schon immer gerne nach Westen ausgerichtet), Trump nur mit Russland als Partner, nicht aber als Gegner, Zugriff auf die Eurasische Platte, der neuen Mega-Wachstumsregion um die „new Silkroad“, erhält, wird man in den US-Thinktanks wohl den Plan von Zbigniew Brzezinski, dem einflussreichen Strategen der Bush– und Obama-Administration, nämlich Russland zu isolieren und dadurch den Weltmachtstatus der USA zu sichern, aller Voraussicht nach verworfen haben.
An diese Stelle tritt der „Kampf der Kulturen“, den Brzezinski unbedingt verhindern wollte, da er und die meisten US-Thinktanks seit Aufhebung des Goldstandards, der durch den Potrodollar (USD-Öl- Standard) ersetzt wurde, im islamistischen, aber Ölreichen Saudi-Arabien einen der wichtigsten Verbündeten im Kampf um die globale Vorherrschaft der USA sah.
Unsere gewagteste Prognose ist daher: Diese Saudi-US-Connection und der Petrodollar steht womöglich vor dem Bruch, da sich diese mit der neuen Doktrin, dem Kampf der Kulturen, schwer vertragen wird. Diese " Kulturen" sind:
1) China / kommunistischer Staatskapitalismus
2) Islamische Länder / auf Shariarecht basierende Wirtschaftsordnung
3) Westliche geprägte Marktwirtschaft
Dazu gesellen sich derzeit noch autokratisch regierte Länder wie Russland oder die Türkei, die auf die eine oder andere Seite zu kippen drohen, oder bald umgarnt werden.
Sollten wir in dieser Einschätzung der Neuausrichtung der US-Strategie Recht behalten, wird die Welt nicht friedlicher. Anstatt Russland zu bekämpfen, werden die künftigen Gegner eben ISIS, Saudi-Arabien, Iran oder China heißen. Der US-Rüstungsindustrie dürfte es herzlich egal sein, gegen wen künftig die Waffen gerichtet sind.
Nochmals: Elementar wird bei dieser Umsetzung sein, Russland auf die Westseite zu ziehen, denn in einem verfestigten Bündnis Russlands mit China wären die USA sonst unter den drei „Unbesiegbaren“ isoliert. Heben Sie diese Ausgabe ruhig auf und vergleichen Sie alle Außenpolitischen Aktionen und Bewegungen der neuen Trump-Administration der nächsten Monate mit diesen Prognosen.



