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Wenn die Krise kommt, wird es schnell gehen

Lieber Investor,

die Wirtschaft läuft stabil und die Zinsen wird die US-Notenbank frühestens auf ihrer Sitzung im Juni das nächste Mal anheben. Mit Gedanken wie diesen gehen die Anleger morgen in den neuen Monat. Er dürfte an den Börsen wieder das gewohnte Auf und Ab der Kurse bringen, doch mit gravierenden Veränderungen rechnen im Moment nur die Wenigsten.

Die Märkte hat eine Gelassenheit erfasst, die sich leicht als trügerisch herausstellen könnte. Kritisch könnten mal wieder die Iden des März werden und das gleich in doppelter Hinsicht. Am 14. und 15. März kommen die Mitglieder der US-Notenbank zu ihrer nächsten Sitzung zusammen.

Auf dem Programm steht traditionell auch die Zinsfrage. Doch bei der sieht der Markt derzeit keine Notwendigkeit vor Juni nervös zu werden. Sprich eine Zinserhöhung wird es nach Ansicht der Mehrheit der Anleger im März nicht geben, und wenn sie dennoch kommen sollte, werden alle mal wieder auf dem völlig falschen Fuß erwischt.

Zeitgleich wählen auch die Niederländer ein neues Parlament. Zwar sind am 15. März nur 17 Millionen Menschen in Europa aufgerufen zur Wahlurne zu schreiten, doch das Ergebnis wird für die gesamte EU Auswirkungen haben.

Es droht ein Beben der Extraklasse

Die Brexit-Angst des letzten Jahres könnte zurückkehren, denn gewinnt der Rechtspopulist Geert Wilders nicht nur die Wahl, wie allgemein erwartet wird, sondern gelingt es ihm sogar, die Regierungsverantwortung an sich zu reißen, droht schon bald die Abstimmung über einen Nexit, also den Austritt der Niederlande aus der EU.

Auch wenn die kleineren Niederlande wirtschaftlich nicht das Gewicht des größeren Großbritanniens haben, hätte der Schritt dennoch eine enorme Signalwirkung, schließlich sind die Niederlande nicht irgendein später zur EU hinzugestoßener Staat, sondern eines der sechs Gründungsmitglieder.

Der Ausgang der Wahl ist nur schwer zu prognostizieren. Zum einen haben die Niederländer ein Wahlsystem ohne Eintrittsbarriere. Es gibt nicht wie bei uns eine 5-Prozent-Hürde, sondern jede Partei, die genügend Stimmen auf sich vereint, zieht zumindest mit einem Abgeordneten in das Parlament in Den Haag ein.

Auch das Abstimmungsverhalten der Niederländer bei der Wahl selbst ist nur schwer vorherzusagen. Schon oft gab es hier in der Vergangenheit kurz vor den Wahltagen gravierende Verschiebungen und nicht immer hat der, den die Demoskopen im Vorfeld vorn gesehen haben, am Ende auch die Wahl gewonnen.

Was, wenn das eine zum anderen kommt?

Gerade nach den beiden wichtigen politischen Entscheidungen des letzten Jahres, als die Umfragen sowohl bei der Brexit-Abstimmung im Juni 2016 als auch bei der US-Präsidentenwahl im November zweimal das falsche Lager vorne gesehen haben, sollten wir als Anleger den Umfrageergebnissen mit einer gewissen Vorsicht und Zurückhaltung begegnen.

Nicht auszudenken, wenn das eine Schockerlebnis zum anderen kommt und zuerst die Niederländer so abstimmen, dass eine tragfähige Regierung nur schwer zu bilden sein wird, und anschließend die US-Notenbank zur Feier des Tages auch noch die Zinsen anhebt.

Auf eine solche Nachrichtenlage ist der Markt nicht vorbereitet. Es dürfte in diesem Fall nicht nur das obligatorische Blutbad an den Börsen geben. Gravierender als die anfänglichen Kursverluste wäre wohl der generelle Stimmungswandel in den Wochen danach. Er könnte Trendwenden einleiten, sowohl am Renten- als auch an den Aktien- und Devisenmärkten.

Der Euro sollte sofort massiv unter Druck geraten und das Vertrauen in die FED auf eine ernsthafte Probe gestellt werden. Warum hat man uns nicht stärker gewarnt, würden sich viel Investoren fragen und dabei übersehen, dass sie in den Wochen zuvor die ebenfalls vorhandenen Warnhinweise schlichtweg ausgeblendet haben.

Mit etwas Glück bleibt nur ein blaues Auge

Diese hat es durchaus gegeben. So hat zum Beispiel im Februar unmittelbar nach dem Ende der Ferienzeit zum chinesischen Neujahr die Peoples Bank of China überraschend die Zinsen für kurzfristige Kredite um 0,1 Prozentpunkte heraufgesetzt. Steigende Zinsen im Reich der Mitte sind jedoch Gift für den Immobilienboom, auf dem in China noch immer ein großer Teil des Wirtschaftswachstums ruht.

Auch die wachsenden Spannungen zwischen der Regierung Trump und dem Ausland sind ein Grund, die Kurse weltweit auf Talfahrt zu schicken. Wenn Handelspartner, alte Verbündete und potentielle Gegner gleichermaßen mit Angriffen rechnen müssen, entsteht gewiss nicht jene politisch stabile Lage, welche sich die Börsianer eigentlich wünschen, um den Kursen in Ruhe beim Steigen zuzusehen.

Vielleicht kommt es aber Mitte März nicht so schlimm wie soeben beschrieben. Das Drama könnte sich in ähnlicher Weise auch vier oder sechs Wochen später ereignen, wenn Marie Le Pen Ende April oder Anfang Mai die Wahlen zum französischen Präsidenten gewinnt und die FED in den Wochen danach die Zinsen anhebt.

Im einen wie im anderen Fall ist damit zu rechnen, dass die Märkte recht scharf auf die veränderte Lage reagieren werden. Das heißt für jeden einzelnen Investor, dass die ihm zur Verfügung stehende Reaktionszeit ausgesprochen gering bemessen ist. Wer um diese Bedingung weiß, der bereitet sich nicht nur gedanklich rechtzeitig auf alle Eventualitäten vor.

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