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Erlebt der Euro noch das Jahr 2018?

Lieber Investor,

gegenüber dem US-Dollar hat der Euro in den ersten beiden Monaten des Jahres wieder an Stärke gewonnen. Auf den ersten Blick will es so scheinen, als sei der Schwächeanfall, der Ende letzten Jahres mit der Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten einsetzte, überwunden.

Vordergründig hellt sich das Bild also wieder auf. Doch der Schein trügt, denn hinter den Kulissen werden die Probleme der europäischen Gemeinschaftswährung immer deutlicher. Der Markt scheint zunehmend nervös zu werden. Nach dem Krisenjahr 2012, in dem der Euro beinahe zerbrochen wäre, scheint der Gemeinschaftswährung auch in diesem Jahr eine ernste Belastungsprobe bevorzustehen.

Die Belastung ist wirtschaftlicher und politischer Art und beunruhigt sind nicht allein die großen institutionellen Anleger. Auch viele Sparer haben inzwischen reagiert und ihre Reaktionen tragen mit dazu bei, die Spannungen innerhalb des Euro-Systems zu vergrößern.

Verständlich ist die wachsende Nervosität der Politik. In den Niederlanden steht in zwei Wochen, in Frankreich in zwei Monaten und in Deutschland im Herbst jeweils eine wichtige Wahl an. Es ist nicht so sehr der Ausgang der einzelnen Wahlen, der Europas Politikern die Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Vielmehr ist es das Gesamtbild, das sich aus den einzelnen Abstimmungen ergeben kann.

Griechisches Sommertheater voraus

Zwischen die Präsidentenwahl in Frankreich und die Bundestagswahl im September könnte sich leicht eine Neuauflage der griechischen Haushaltstragödie schieben. Athen wird seine europäischen Partner vermutlich im Sommer wieder um neue Finanzhilfen bitten müssen.

Aus deutscher Sicht kommt diese Bitte vermutlich zur absoluten Unzeit, erst recht, wenn sich im Frühjahr in Frankreich und den Niederlanden die europaskeptischen Gruppierungen mit hohen Stimmenzuwächsen in politischen Vordergrund spielen sollten. Dürfen in 2017 auch die Italiener wieder einmal zur Wahlurne schreiten, kommt zusätzlich Druck auf, denn Italien gilt schon länger als eines der Problemländer der Eurozone.

Der bange Blick auf Italien ist berechtigt und doch in seiner Einseitigkeit nicht ganz richtig, denn auch Frankreich kommt momentan längst nicht mehr jene wirtschaftliche Stärke zu, die man sich von einem Kernland der Eurozone eigentlich wünschen sollte. Auch Belgien entwickelt sich mehr und mehr zu einem besorgniserregenden Fall.

Die Märkte reagieren bereits wieder auf die veränderte Situation. Im Vergleich zu den 10-jährigen Bundesanleihen müssen Frankreich und Italien höhere Zinsen bezahlen als noch vor zwei oder drei Monaten. Der Spread weitet sich wieder aus. Ähnliches gilt für portugiesische Anleihen, die Zinsdifferenz zu spanischen Staatsanleihen hingegen hat sich nur wenig geweitet.

Alarmsignal Target2-Salden

Eine sich wieder ausweitende Zinsdifferenz deutet klar auf die Spannungen im Euro-System. Sie ist aber noch nicht einmal der Faktor, der zur größten Sorge Anlass gibt. Das sind die Target2-Salden der Bundesbank. Sie sind in den letzten Monaten auf ein Rekordniveau angestiegen und haben sogar den bisherigen Höchstwert aus dem Jahr 2012 hinter sich gelassen.

Die Target2-Salden beschreiben die Guthaben bzw. die Verbindlichkeiten der einzelnen Notenbanken der Eurozone untereinander. Sie steigen an, wenn die eine Notenbank der anderen eine Art Überziehungskredit gewährt, um die zwischen beiden Länder abgewickelten Warenströme zu finanzieren.

Da Deutschland mehr Waren in die Partnerländer exportiert als von dort eingeführt werden, steigen die Target2-Salden der Bundesbank wieder. Sie steigen auch deshalb, weil viele Anleger in den Krisenländern ihr Geld lieber deutschen Banken anvertrauen als den Instituten im eigenen Land.

Der Target2-Saldo der Bundesbank ist im Januar auf das neue Rekordniveau von 795,6 Milliarden Euro gestiegen. Im Dezember 2016 hatte er noch bei „nur“ 754,3 Milliarden Euro gelegen. Gefährlich sind diese hohen Summen aus zwei Gründen. Zum einen deuten sie auf starke wirtschaftliche Ungleichgewichte und zum anderen stellen sie Kredite gegen die jeweiligen Notenbanken der Länder dar, nicht gegen die Staaten selbst.

Ein Auseinanderbrechen der Eurozone wird teuer

Sollte die Eurozone auseinanderfallen, wird es für alle Beteiligten teuer. Ob die Bundesbank in diesem Fall das den Partnernotenbanken geliehene Geld wiedersehen wird, ist fraglich. Angesichts der finanziellen und wirtschaftlichen Schwäche dieser Länder muss damit gerechnet werden, dass diese Forderungen uneinbringlich werden.

In diesem Fall hat Deutschland nicht nur die enormen Lasten der verschiedenen Rettungsprogramme aus der Vergangenheit zu schultern. Auch die Einkäufe, die das europäische Ausland bei uns getätigt hat, mutieren in diesem Fall schlagartig zu Geschenken. Ausgeglichen werden sie vermutlich nie, denn in Europa existiert anders als in den USA zwischen den nationalen Zentralbanken kein Mechanismus, um die gegenseitigen Verbindlichkeiten wieder auszugleichen.

Auch die Partnerländer haben wenig Grund sich zu freuen. Zu glauben, die Welt komme schnell wieder in Ordnung, wenn man den Euro los ist und seine alte nationale Währung wieder zurückbekommt, ist ein Irrglaube. Die Zinsen werden schon vor dem endgültigen Auseinanderfallen der Eurozone extrem steigen. Sie werden dann wieder das sein, was der Zins eigentlich immer zu sein hat: ein feiner Indikator für das mit einer Anleihe verbundene Risiko.

Die eigene Wirtschaft mit einer Reihe von Währungsabwertungen zu fördern, ist ebenfalls ein zweischneidiges Schwert. Auf dem Weltmarkt sind die Produkte der Krisenländer dann tatsächlich preiswerter. Das ist gewiss ein Vorteil. Ihm steht jedoch der Nachteil gegenüber, dass die in der Vergangenheit gemachten Schulden weiterhin in Euro notieren und auch in Euro zurückgezahlt werden müssen. Um das zu erreichen, sprich diese Summe zu erwirtschaften, muss man sich anschließend umso mehr strecken.

Wenn man nun noch bedenkt, dass im Weißen Haus in Washington ein Mann sitzt, der den Euro gerne zerstören möchte, weil er sich für seine heimische Wirtschaft davon Vorteile verspricht, dann wird schnell klar, dass die gemeinsame Währung in diesem Jahr vor gewaltigen Herausforderungen steht. Werden sie nicht erfolgreich bewältigt, droht eine Menge Ungemach.

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