Liebe Leser,
die Topmanager der Deutschen Bank haben 2016 eine Aussage wie ein Mantra ständig wiederholt: Wir planen keine Kapitalerhöhung. Wir verdienen genügend Cash, um den Umbau zu finanzieren. Wir erinnern uns: Unter anderem wegen der hartnäckigen Gerüchte um eine notwendige Finanzspritze ging der Aktienkurs bis rund 10 Euro in die Knie. Jetzt hat der Titel seinen Wert annähernd verdoppelt. Prompt will der Vorstand 8 Mrd. Euro am Kapitalmarkt einsammeln, wie der Vorstand nun bekannt gab. Komisch: Haben Sie plötzlich auch so einen seltsamen Geschmack im Mund?
Man hofft auf insgesamt 10 Mrd. Euro
Die Deutsche Bank will insgesamt 687,5 Mio. neue Aktien auf den Markt werfen und damit 8 Mrd. Euro erlösen. Sollten Sie gerade keinen Taschenrechner zur Hand haben: Das Unternehmen kalkuliert folglich mit einem durchschnittlichen Verkaufserlös von 11,64 Euro je Aktie. Wenn Sie diese Zahl mit dem Kurspreis zum Abschluss der letzten Handelswoche vergleichen, wissen Sie, was der Fachjargon mit „Verwässerung“ des Aktienpreises meint.
Zusätzlich will man mit einem teilweisen Börsengang der Vermögensverwaltung Deutsche Asset Management weitere 2 Mrd. Euro erlösen. Die gesamte Organisation soll verschlankt werden und demnächst nur noch drei Bereiche enthalten. Größte interne Gewinner sind das Auslandsgeschäft und auch die Privatkundensparte. Denn die Postbank, die man seit rund zwei Jahren wie Sauerbier auf dem Markt angeboten hat, soll nun doch im Konzern verbleiben oder „integriert“ werden. Heißt nichts anderes, als dass die gesamte Struktur beider Bankhäuser vermutlich verschmolzen wird, um Kosten zu sparen.
Was das bringen soll
Dazu müssen aber nochmals zwei Milliarden Euro vorab in die Hand genommen werden, die über die Kapitalerhöhung finanziert werden sollen. Die positiven Nachrichten: Die harte Kernkapitalquote soll auf beachtliche 14,1 % steigen (vormals waren rund 12,5 % angepeilt) und zudem die jährlichen operativen Kosten deutlich sinken. 2016 lag die Zahl inklusive Postbank noch bei 24,1 Mrd. Euro. 2018 will man 22 Mrd. Euro erreichen, 2021 schließlich 21 Mrd. Euro. Zudem stellte das Unternehmen ab sofort wieder eine Dividende in Aussicht. Ob diese Gewinnausschüttung reichen wird, um Ihre möglichen Kursverluste auszugleichen? Das werden Sie in den kommenden Tagen und Wochen sehen.



