Rund neunzig Prozent der norwegischen Elektrizität stammen aus Wasserkraftwerken. Dennoch werden zusätzliche Holzöfen Pflicht.
Von Meinrad Müller
Der Strom ist heimisch und meist zuverlässig. Trotzdem verlässt sich Norwegen nicht blind darauf. Und gerade deshalb denkt trotzdem an einen möglichen Blackout.
Seit 2017 schreibt die norwegische Bauordnung vor, dass neue Wohnhäuser für eine zweite Heizquelle vorbereitet sein müssen, die ohne Strom funktioniert. Diese Regel gilt seit 2017 und ist Teil der Bauvorschrift TEK17. Sie ist also keine spontane Reaktion auf aktuelle Krisen, sondern eine bewusste Entscheidung aus Erfahrung.
Auch in Norwegen fällt der Strom gelegentlich aus.
Stürme, Eisregen und beschädigte Leitungen gehören zum Alltag, vor allem außerhalb der Städte. Im Winter kann ein Haus ohne Heizung sehr schnell auskühlen. Genau das will der Staat verhindern. Ein Neubau ohne Heizungsreserve gilt deshalb als unvollständig. Der Gedanke ist nicht theoretisch, sondern praktisch. Häuser sollen nicht nur im Normalbetrieb funktionieren, sondern auch dann, wenn es ernst wird.
Die zweite Heizquelle lautet: Holzofen
Niemand ist verpflichtet, sofort einen Ofen einzubauen. Aber der Schornstein muss vorhanden sein. Er muss so geplant sein, dass später ohne großen Aufwand ein Holzofen angeschlossen werden kann. Holz wurde nicht zufällig gewählt. Es ist verfügbar, lagerfähig und unabhängig vom Stromnetz. Vor allem aber funktioniert es auch dann noch, wenn nichts anderes mehr läuft. Feuer braucht keine Leitung und keine Steuerung. Es brennt einfach, ein Streichholz genügt.
Wer später einen Holzofen einbauen möchte, kann das tun, ohne Umbauten und ohne neue Genehmigung, denn der Schornstein wurde bereits beim Bau installiert. Norwegen baut Häuser nicht nur für schöne Tage. Es baut sie für lange Winter. Vorsorge gilt als Pflicht gegenüber den Bewohnern.
Warum das in Deutschland irritiert
In Deutschland wird das Thema Holz fast ausschließlich über Feinstaub und Grenzwerte geführt. Sie verdecken oft den Blick auf etwas anderes. Nämlich auf die Frage, wie ein Haus warm bleibt, wenn der Strom weg ist. Ein Land, das fast seinen gesamten Strom aus Wasserkraft gewinnt, plant trotzdem den Ausfall ein. Es setzt nicht alles auf eine Karte, es sorgt vor.
Holz vor der Hütte ist Pflicht. Und vielleicht genau deshalb reiben sich deutsche Leser die Augen, nicht wegen Feinstaub.
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