Frank Thelen, bekannt aus „Höhle der Löwen“, sprach dieser Tage davon, dass die KI erst in sechs Monaten so einschlagen würde wie ein Meteorit. Doch bereits heute werden wir an der Nase herumgeführt. Eine Episode aus dem Büroalltag.
Von Meinrad Müller
Es beginnt beim Chef.
Die Firma sucht einen neuen Angestellten. Weil der Chef aber keine Zeit und keine Lust hat, schreibt er den Text für das Stellenangebot nicht selbst. Er füttert seine KI mit einigen Stichpunkten, die ihm gerade in den Sinn kommen. Die KI baut daraus einen ganz tollen Text. Da steht dann viel heiße Luft von großer Leistung und toller Zukunft. Es ist eine Phantasie aus dem Computer. Eine Maschine tut so, als wäre die Firma der beste Arbeitsplatz der Welt. Dieses Inserat wird dann veröffentlicht.
Auf der anderen Seite sitzt ein Jobsucher.
Er sieht das Stellenangebot im Internet. Statt das alles mühsam zu lesen, scannt er die Anzeige, gibt diese in die KI ein und gibt den Befehl: Schreibe eine noch tollere Bewerbung. Seine künstliche Intelligenz liest den Text ein. Sie sucht nach den wichtigsten Wörtern. Dann schreibt das Programm ganz von alleine die Bewerbung. Dieser Brief glänzt vor Begeisterung. Da steht dann, wie sehr sich der Mann genau auf diese Arbeit freut. Der Bewerber schickt den Brief ab. Er hat selbst kein einziges Wort selbst formuliert.
Nun landen hunderte solcher Bewerbungen beim Chef.
Der hat natürlich erst recht keine Zeit für diesen Berg aus Papier. Also nutzt er wieder eine KI, diese soll nun die 100 Bewerber sortieren und den Besten herausfinden. Die KI des Chefs liest nun die Briefe, welche die KI des Bewerbers geschrieben hat. Weil die eine Maschine genau weiß, was die andere Maschine hören will, gibt das System sofort grünes Licht. Es zeigt eine perfekte Note an.
Es ist, als würden beide Seiten vor dem Treffen zu einem Maskenbildner gehen.
Sie schminken sich ein perfektes, schönes Gesicht auf. Doch im echten Alltag kommt schnell der große Regen. Die ganze falsche Schminke läuft von den Wangen. Das schöne Bild ist weg. Beide stehen plötzlich im Unterhemd da und starren sich fassungslos an. Sie merken, dass alles nur Show war.
Das dicke Ende kommt aber erst beim Kunden.
Der neu eingestellte Mitarbeiter hat in Wahrheit keine Ahnung von der Arbeit. Sein ganzes Wissen wurde ja nur mit KI erfunden. Er trifft im Laden auf einen realen Kunden aus Fleisch und Blut. Der Kunde merkt sofort, dass der Mitarbeiter nichts kann. Er wird stinksauer und will die Firma im Internet schlecht bewerten. Weil der Kunde aber faul ist, lässt er die Wut-Bewertung von einer KI schreiben.
Was wie ein schlechter Scherz klingt, ist im Büroalltag längst die Realität.
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p




