
Einreise USA: Möglicher Terrorist liefert Fingerabdrücke auf Hightechsensor
Zehn Fingerabdrücke, ein Foto,Visa, Papiere checken und ein kleines Interview: Was will der Reisendein den USA? Wie lange, wohin, warum? Flughafen Miami am Nachmittag.
Und während man noch unbekümmert mit dem Grenzorgan plaudert, greiftdieser wie selbstverständlich die Hand des Einreisebegehrenden undpresst sie auf einen High-Tech-Sensor – dort wo schonMillionen aus aller Welt vorher ebenfalls ihre dreckigen Greiferchendraufgeschmiert haben. In Zeiten von Schweinegrippe und Seuchen einfachoptimal. Der US - Eindringling erhält auf diese Weise gleich dengenetischen Fingerabdruck des Mikrokosmos aller seiner Vorgänger.
Wenn man sich beim Grenzverhörnicht verplappert hat und ansonsten keine verdächtigen Handlungenbeging (Telefonieren streng verboten! Fotografieren verboten! NichtsEssbares einführen oder in der Hand halten und Rauchen natürlich auchverboten!) nähert sich der Höhepunkt der Einreiseprozedur: Das Fotofürs CIA - Album. Dabei stellen sich viele Einreisewillige derart dumman, dass der Vorgang endlos wiederholt werden muss. Keine Brillen,keine Kopfbedeckungen. Augenbinden müssen abgenommen werden. Augenmüssen geöffnet sein! Manche lachen, einige schauen betroffen bisernst. Andere blicken schon ganz verdächtig ins Objektiv. Da würde esmich nun gar nicht wundern, wenn sie später auf einer Fahndungslisteauftauchten.
Eines ist gewiss unbegrenzt in denUSA: Das Warten bei der Einreise. Manch einer hat auch schon einenhalben Tag hier verbracht, andere sind schon ohnmächtig kollabiert,verrät mir eine freundliche Assistentin, die mich an den Ausharrendenvorbeischleust. Glück gehabt. Bei mir hat’s nur zwei Stunden gedauert...

Miami South-Beach, Art Deco Bauten
Mit einem klapprigen Taxi geht’sin Richtung South Beach, Miami. Mittelklassehotel, Collins Avenue, ArtDeco Architektur. Außen sehen diese pinselsanierten Relikte der 20igerganz putzig aus. Grau und öde dagegen Flur und Kammer. Im Zimmerrattert die Air Condition und kühlt den Pferch auf klirrende –20 Grad.Die Tür knallt derart laut ins Schloss, dass mindestens die halbe Etageaus dem Bett fällt.
Ich stürze zum Fenster, schlage den Vorhang zur Seite. Bei dieserGelegenheit fällt mir der gesamte Stofffetzen samt Aufhängung auf denKopf. Rausgerissen aus der Wand. Gott sei Dank überstand ich dieseLüftungsaktion unverletzt. Putzbrocken aus der Wand verursachten jedochkleine Einschlagkrater im Fußboden. Für den Bruchteil einer Sekundeschießt mir durch den Kopf, welche Schadenersatzforderungen nun aufmich zu kommen. Tausende Dollar? Oder Millionen? Vielleicht eine Falle,um beim arglos Reisenden abzukassieren?
Hier wurde wohl seit Menschengedenken kein Fenster geöffnet! Nur unterAnwendung roher Gewallt und mit ohrenbetäubendem Quietschen gelingt es,das Fenster nach oben zu schieben und etwas Luft in die Miefzelle zulassen.
Überraschung auch im Sanitärbereich. Der Abort ist so nah an die Wandgebaut, dass man kaum das Bein zwischen Beton und Brille kriegt. Wiesoll hier ein Übergewichtiger mit prallen Wurstbeinen abführen?
Über dem Waschbecken springt dem Hygienebedürftigen ein sperriges Regalentgegen, welches den Blick auf die Wasserhähne versperrt. Dreht manaber blind den falschen Hahn auf, verbrüht siedend heißes Wasser dieHände.
Auch die Nasszelle ist nicht ohne Überraschungen. Hier tropft es ausallen Löchern, auch von der Wand. Nur aus der Dusche kommt kein Wasser.
Immerhin lasse ich in diesem Übergangsheim für Reisende 150 Dollar proNacht. Doch die Qualitätserwartungen sollten in den USA nicht zu hochgesteckt sein. Ob im Hotel, im Restaurant oder in den Geschäften: Allesprovisorisch, schmuddelig, 3. Welt – Niveau. Perfektion sucht man inden USA vergebens. Hier geht es einzig um den schnellen Dollar.

Der Inbegriff amerikanischer Trinkkultur: Der Styroporbecher
Zeit für einen Kaffee. Ich suche eine Gaststätte, die ausnahmsweise malnicht uralte, stundenlang warmgehaltene braune Plörre inStyroporbechern verklappt. Ich verlange einen KLEINEN Americano.
„1 TALL cofffee“ – weist die Kassiererin den Brühsklaven an.Erschrocken korrigiere ich: „1 SMALL coffee!“ – worauf dieGeldeintreiberin auf eine Neuerung der Steigerungsform im US – Englischhinweist: „Tall is small!“ belehrt mich der Kassenwart. „Groß“ ist also„klein“ in dieser Kaffeebude.
Und was ist dann Large und XXL –Größen, die hier auch noch käuflich erworben können? Vielleicht ist esja gleich der ganze eklige Pott, der da auf einer versifftenWarmhalteplatte auf Koffeinsüchtige wartet? Ich jedenfalls empfangeeinen halben Liter Kaffee, der gegen zwei Dollar Scheine den Besitzerwechselt.
„Klein“ oder „einfach“ – Begriffedie in den USA schon längst ausgemerzt sind. Im Land von Foot, Inch undFahrenheit geht es einzig darum, die Konsumzecke reinzulegen und soviel Geld wie möglich abzugreifen. So fängt der Inbegriff deramerikanischen Trinkkultur, der Styroporbecher, meist in der Größe Lan.
In den Geschäften heißt es „2 for1“ oder „buy one, get one free“ oder „3 for 2“. – da muss man schon inMathe ne eins haben, um das alles durchzurechnen. Auf dem Taxi stehtfein säuberlich: Die erste Elftel (!) Meile 1,70 $, jede weitere ElftelMeile 20Cents. Super. Und was kostet eine ganze Meile? Oder gar einKilometer?

Ganz Amerika, eine einzige Dollar - Absauganlage. Am Ende hat man immermehr gekauft, gefressen, getrunken als man am Anfang wirklich wollte –und unterm Strich natürlich auch mehr Geld ausgegeben.



