Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert warnt davor, dass mit dem neuen Internet-Standard IPv6 leicht die Profile von Nutzern ermitteln werden könnten. Der neue Standard ermöglicht es, dass jeder Internetnutzer eine eigene, feste IP-Adresse erhält und damit identifizierbar wäre.
Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert warnt davor, dass mit dem neuen Internet-Standard IPv6 leicht die Profile von Nutzern ermitteln werden könnten. „Das Risiko steigt“, sagte Weichert im Interview der Frankfurter Rundschau (Mittwochausgabe). Der neue Standard, der vom heutigen Mittwoch (06. Juni) an gilt, ermöglicht es, dass jeder Internetnutzer eine eigene, feste IP-Adresse erhält und damit identifizierbar wäre. Bislang werden diese Nummern dynamisch vergeben, weil nicht ausreichend Adressen für alle Nutzer vorhanden sind. Dadurch weiß nur der Internetanbieter, welcher Nutzer sich zu einem bestimmten Zeitpunkt unter einer bestimmten IP-Adresse im Netz bewegt.
Weichert dringt nun darauf, auch künftig die Nummern dynamisch zu vergeben, um die Anonymität im Netz zu bewahren. „Wir wollen die geltenden Standards von IPv4, die eine Identifizierung erschweren, deshalb fortschreiben“, sagte der 56-Jährige dem Blatt. Die Industrie ist allerdings sehr an festen IP-Adressen interessiert, um die anfallenden Informationen für Werbezwecke zu nutzen und mehr über die Nutzungsgewohnheiten ihrer Kunden zu erfahren. „Es droht eine Auseinandersetzung zwischen den Verwertungsinteressen der Industrie an den zusätzlichen digitalen Spuren, die mit IPv6 möglich sind, und den Interessen von Datenschützern, Verbrauchern und hoffentlich der Politik“, sagte Weichert.



