Die Commerzbank hat mehreren Anwaltskanzleien zufolge auch 2011 noch griechische Staatsanleihen an Privatanleger verkauft. Gleichzeitig baute das Institut den eigenen Bestand an Hellas-Papieren ab. Tatbestand der Falschberatung erfüllt?
Die Commerzbank hat mehreren Anwaltskanzleien zufolge auch 2011 noch griechische Staatsanleihen an Privatanleger verkauft. Gleichzeitig baute das Institut den eigenen Bestand an Hellas-Papieren ab. Nun soll geprüft werden, ob das den Tatbestand der Falschberatung erfüllt. Schließlich waren die Probleme Griechenlands bekannt.
„Die Papiere waren für Privatanleger nicht mehr geeignet“, sagt der Hamburger Anlegerschutzanwalt Peter Hahn der FR. Einem seiner Mandanten seien im April 2011 griechische Papiere verkauft worden, die 2012 auslaufen. „Der Kunde wusste nicht, dass es zu einem Totalverlust kommen kann“, sagt Hahn, er sei falsch beraten worden.
Die Bank selbst hatte den Ausverkauf ihrer eigenen Hellas-Anleihen zum diesem Zeitpunkt bereits gestartet. Das Engagement wurde im Jahresverlauf von 3,8 auf 1,1 Milliarden Euro reduziert. „Das ist ein widersprüchliches Verhalten“, so Hahn. Per Ende März hält das Institut nach dem Schuldenschnitt keine Griechenlandanleihen mehr. Ebenfalls im April 2011 empfahlen Commerzbank-Berater einem anderen Kunden, Hellas-Papiere zu kaufen. Das geht aus einem Beratungsprotokoll hervor, das der FR vorliegt.
Wie viele Kunden betroffen sind, können Anwälte noch nicht absehen. Schließlich sprechen Anleger zunächst mit ihrer Bank und überlegen danach lange und sehr genau, ob sie klagen. Die meisten warten erst auf Klagen anderer Betroffener. Anwälte berichten, dass nach ersten Erfolgen viele Betroffene nachziehen.
„Unsere Ombudsleute haben eine Handvoll Fälle vorliegen“, heißt es beim Deutschen Bankenverband. Vor zwei Wochen lag noch kein Fall vor. Gegen welche Häuser sich die Beschwerden richten, verrät der Verband nicht. Der Kieler Anwalt Helge Petersen betreut nach eigenen Angaben 20 Mandanten in dieser Angelegenheit.



