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GR Ökonomen fordern Billionen von Deutschland

Milliarden reichen nicht mehr. Jetzt gehts um Billionen: Griechische Ökonomen fordern Deutschland vor EU-Gipfel zu billionenschweren Zugeständnissen auf. Garantien für Euro-Rettungsschirm müssten verzehnfacht werden und Deutschland Peripherie-Staaten über ein Jahrzehnt finanziell stützen.

 

Griechische Ökonomen der Initiative „Greek Economists for Reform“ fordern Deutschland vor dem anstehenden EU-Gipfel zu billionenschweren Zugeständnissen auf, um den Euro zu retten. „Die deutsche Öffentlichkeit steht schon sehr bald vor einer großen Entscheidung: Führt sie endlich die Euro-Zone an – oder zieht sie den Stecker“, sagte der griechische Ökonom Costas Azariadis, Wirtschaftsprofessor an der Washington University und einer der Gründungsmitglieder der Plattform, der Zeitung „Die Welt“ (Donnerstagsausgabe).

 

Der schwache Euro verschaffe der deutschen Exportwirtschaft große Wettbewerbsvorteile, so Azariadis. „Als Gegenleistung muss Deutschland sich verpflichten, die Finanzmärkte zu befriedigen, indem es den Südstaaten der Euro-Zone etwa über ein Jahrzehnt finanziell hilft.“ Diese Rettungsmaßnahmen würden mehrere Billionen Euro kosten – mehr als die deutsche Wiedervereinigung, sagt der Ökonom. Deutschland müsse abwägen, ob diese Ausgaben im Vergleich zu den durch den Euro entstehenden Exporterfolgen angemessen seien.

 

Nicholas Economides, Wirtschafsprofessor an der New York University, fordert Deutschland ebenfalls dazu auf, endlich große Zugeständnisse zu machen. „Die Garantien für den Euro-Rettungsschirm müssen verzehnfacht werden, um Italien und Spanien auffangen zu können“, sagte der Wirtschaftsprofessor der „Welt“. Außerdem müsse Deutschland die Einführung von Euro-Bonds bis zu einer Schuldenquote von 60 Prozent erlauben. Sowohl Economides als auch Azariadis fordern darüber hinaus eine Lockerung des griechischen Sparprogramms. „Es ist mittlerweise mehrfach bewiesen, dass die Einschnitte zu ambitioniert waren“, sagt Economides. Außerdem sollte die Troika Griechenland erlauben, seine Zinszahlungen für drei bis fünf Jahre auszusetzen.

 

Der Frankfurter Ökonom Michael Haliassos warnte ebenfalls vor weiteren Sparrunden: „Weitere Lohn- und Gehaltskürzungen sind nicht nur politisch desaströs, sondern auch unnötig, denn Griechenland hat die Verluste an relativer Wettbewerbsfähigkeit seit 1999 inzwischen beinahe ausgeglichen“, sagte Haliassos der „Welt“. Sollte Deutschland nicht zu Zugeständnissen bereit sein, könnte Deutschland den Stecker ziehen, indem es einen  kleineren Währungsraum gründet, sagt Azariadis. Allerdings werde der Schaden gewaltig sein. „Die Aufwertung der neuen Währung wird der deutschen Exportwirtschaft großen Schaden zufügen und viele Jobs vernichten.“

 

Alle drei Ökonomen sind sich einig, dass oberstes Ziel der neuen griechischen Regierung die Bekämpfung von Korruption und Steuerhinterziehung sein muss. „Die Ausgaben kann die Regierung in den Griff bekommen, indem sie frei werdende Stellen im öffentlichen Sektor nicht wiederbesetzt“, sagte Economides. Außerdem sollte Griechenland darum bitten, mehr Mittel aus den EU-Strukturfonds für Infrastrukturprojekte zu erhalten, um die Rezession zu bekämpfen. „Die erste Priorität der neuen griechischen Regierung sollte der Aufbau einer breiten, exportorientierten und produktiven industriellen Basis sein, die für Wachstum sorgen und den Importüberschuss abbauen kann“, sagt Haliassos. Zudem brauche Griechenland einen Know-how-Transfer aus anderen Ländern, um Unternehmertum zu fördern und das Zusammenspiel von Forschung und Industrie zu verbessern. „Ohne solche Reformen hilft keine der beiden derzeit diskutierten Extrempositionen weiter – weder das Drängen auf weitere Sparmaßnahmen, noch eine weitere Finanzierung des alten Systems der Klientelpolitik, das Griechenland in die Krise geführt hat“, sagt Haliassos.

 

Sein Kollege Azariadis fürchtet trotz aller Anstrengungen, dass Griechenland die Währungsunion verlassen könnte. „Die griechische Regierung könnte irgendwann an einen Punkt kommen, an dem sie Gehälter und Pensionen ihrer Staatsbediensteten nicht mehr zahlen kann, ganz zu schweigen von den Verpflichtungen gegenüber den Gläubigern. Unter diesen Rahmenbedingungen ist es schwer vorstellbar, wie Griechenland seine Schulden innerhalb der Euro-Zone begleichen will, solange Gläubiger und internationale Partner nicht zu großen Entlastungen bereit sind.“

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