Die ganze Welt braucht Dollar, um Rohöl zu kaufen. Mit Euro, Pfund, Franken, Yuan, Yen oder Kanadischem Dollar bekommt man kein einziges Fass. Es muss unbedingt der Dollar sein. Warum eigentlich?
Von Meinrad Müller
Um dies zu verdeutlichen genügt ein kleiner Schwenker zu McDonalds. Gäbe es von heut auf morgen Hamburger nur noch gegen US-Dollar, was dann? Euro, Franken, Yen oder britische Pfund würden am Burgertresen abgelehnt. Dann müsstest du erst zur Bank, dein Geld umtauschen, Gebühren zahlen, nur um überhaupt einen BigMac bestellen zu dürfen. Verrückt? Ist aber so. Genau so läuft es seit über 50 Jahren. Nur nicht bei Burgern, sondern beim wichtigsten Rohstoff der Welt: Öl.
Henry Kissingers Trick funktioniert bis heute
Bis 1971 war der Dollar fest ans Gold gekoppelt. Für 35 Dollar bekam man eine Unze Gold. Heute: 5000 Dollar für eine Unze. Papiergeld gegen echten Wert war normal. Doch die USA brauchten und druckten immer mehr Geld, vor allem für den Vietnamkrieg. Gleichzeitig tauschten immer mehr Länder ihre Dollars gegen echtes Gold ein. Das Gold floss ab, die Tresore leerten sich.
US-Präsident Nixon kündigte die Goldbindung auf. Von einem Tag auf den anderen war der Dollar nur noch buntes Papier ohne echte Deckung. Für 35 Dollar gab es keine güldene Unze mehr. Die Weltwirtschaft hätte daraufhin sagen können: „Den grünen Scheinchen vertrauen wir nicht mehr.“ Doch genau das wurde verhindert.
1973: Außenminister Kissinger schnürt die Petrodollar-Zwangsjacke
Nach der Ölkrise 1971 trat Henry Kissinger auf den Plan. Er handelte mit Saudi-Arabien einen Deal aus, der bis heute nachwirkt. Die USA liefern militärischen Schutz, Waffen und politische Rückendeckung. Im Gegenzug verkauft Saudi-Arabien sein Öl ausschließlich nur noch gegen US-Dollar. Deshalb das Wort Petrodollar.
Wer ab 1973 Öl wollte, musste den Saudis Dollar geben, sonst gabs kein Öl. Saudi-Arabien, als größter Exporteur setzte die Regeln und alle anderen Ölexporteure schlossen sich mehr oder minder freiwillig. Iran, Irak, VAE, Libyen, Nigeria und weitere. Auch diese lieferten schrittweise nur noch gegen Dollars.
Von diesem Moment an war klar: Wer Energie braucht, braucht Dollar. Und wer Dollar braucht, hängt am Tropf der USA.
Lastwagen voller Dollars
Die Saudis verkauften ihr Öl und bekamen riesige Mengen Dollar. Ganze „Lastwagenladungen“ voll. Doch wohin damit? Mehr Autos, mehr Luxus, mehr Schmuck, irgendwann ist jeder Markt satt. Man kann nicht zehn Autos gleichzeitig fahren oder zehn Villen gleichzeitig bewohnen.
Also passierte das Entscheidende: Die Saudis suchten einen sicheren Parkplatz für ihr Geld. Sie kauften amerikanische Staatsanleihen. Das Geld floss zurück in die USA für anderes buntes Papier aus der Druckerpresse: US-Schuldscheine.
Der große Kreislauf
Die Welt braucht Öl. Für Öl braucht sie Dollar. Die USA drucken diese Dollar. Und die Öl-Länder geben die Dollars wieder zurück, indem sie amerikanische Schulden, sprich Staatspapiere kaufen. So können die USA Schulden machen, ohne dass das ganze System zusammenbricht. Die Nachfrage nach Dollar reißt nicht ab. Sie wird jeden Tag neu erzeugt, an jeder Tankstelle, in jedem Hafen, in jeder Raffinerie.
Wer aus diesem System ausbrechen will, kriegt eins auf die Mütze: Libyen, Venezuela, Iran. Sanktionen, politische Konflikte, wirtschaftliche Isolation folgen. Die Spielregeln sind brutal und klar und sie gelten bis heute.
Der Iran-Krieg als Dollar-Retter?
Der aktuelle Iran-Krieg hat eine interessante Nebenwirkung: Er rettet den Petrodollar vor dem Absturz. Iran ballert seit Wochen Drohnen und Raketen auf saudische Ölanlagen, Brände in Riyadh, Treffer auf Öl-Feldern. Die Golfstaaten bluten, Zivilisten sterben, Produktion stockt. Und genau das zwingt die Saudis zurück in die Arme der USA. Wer schießt die Kamikaze-Drohnen ab? US-Patriot-Systeme. Wer liefert F-35 Jagdflugzeuge, Trägergruppen und Schutz? Die Amis. Wer kriegt die Öl-Dollars als Gegenleistung? Wieder die USA. Kein saudischer Herrscher riskiert in so einer Lage den US-Schirm zu verlassen. Stattdessen: Panik-Umarmung mit Onkel Sam. Dollars fließen weiter zurück in US-Anleihen und Waffen.
Solange Teheran ballert, bleibt der Stecker beim Petrodollar drin. Der Krieg, den niemand wollte, hält das alte System am Leben. Ironie der Geschichte? Absicht? Oder genialer Zufall?
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p



