Ab 1. Januar 2027 kommt das neue Altersvorsorgedepot mit staatlicher Förderung. Der Arbeiter soll zum Aktionär gemacht werden. Monatlich 30 bis 50 Euro in Aktien und ETFs – und zack, wird die Rentenlücke in 20 Jahren gestopft.
Von Meinrad Müller
Die Riester-Rente war schon ein grandioser Flop. Milliarden verpulvert, Millionen Sparer enttäuscht, und am Ende kaum Rendite. Während Österreich seinen Rentnern deutlich mehr zahlt, bastelt man hierzulande weiter an immer neuen Experimenten auf Kosten der kleinen Leute. Mit Speck fängt man Mäuse und mit Förderbeträgen kleine Leute.
Das Risiko wandert direkt zum Bürger
Jetzt also das CDU/SPD-Altersvorsorgedepot: Der Staat zieht sich fein raus und verlagert damit das gesamte Kapitalmarktrisiko auf den Normalbürger. Über 80 Prozent der Deutschen haben keinerlei Erfahrung mit Aktien. Die meisten haben noch nie einen Depotstand gesehen, der plötzlich um 20 oder 30 Prozent einbricht.
Für erfahrene Zocker mag das kalkulierbar sein. Für den Durchschnitts-Sparer wird es zum Albtraum. Wenn die Kurse craschen, schauen sie panisch auf ihr schrumpfendes Guthaben, verkaufen im falschen Moment – und verlieren richtig Geld.
Wer trägt eigentlich die Verantwortung?
Die Depots werden von großen Kapitalverwaltungsgesellschaften gesteuert – professionell, standardisiert, sauber auf dem Papier. Doch die Fondsmanager riskieren keinen Cent ihres eigenen Geldes. Verluste? Die trägt allein der kleine Sparer. Verantwortung und Risiko liegen meilenweit auseinander.
Der entscheidende Killer: Ohne Vertrieb bleibt alles Theorie
Und jetzt kommt der Punkt, an dem das ganze schöne Modell krachend scheitern wird: Dieses Altersvorsorgedepot wird den Banken und Versicherern nicht aus den Händen gerissen. Solche Produkte waren noch nie Selbstläufer. Schon bei der Riester-Rente brauchte man Hunderttausende Vertriebsleute, die von Tür zu Tür oder im Bekanntenkreis getingelt sind, um Verträge zu verkaufen.
Jetzt aber sollen die Kosten der Anlage auf maximal 1 Prozent Kosten pro Jahr gedeckelt werden.
Konkret: Bei 50 Euro Monatsbeitrag bleibt für den Vermittler fast nichts übrig. Keine vernünftige Provision, die den Aufwand für Beratung, Fahrten, Werbung und die vielen „Ich überlege noch“-Gespräche rechtfertigt. Freie Vertriebler arbeiten auf eigenes Risiko, ohne Gehalt, ohne Lohnfortzahlung, ohne Sicherheitsnetz. Die brauchen spürbare Provision, sonst machen sie keinen Schritt vor die Tür.
Mit dem 1-Prozent-Deckel ist das vorbei. Die Beamten in Berlin haben wieder einmal eine Rechnung ohne den Wirt gemacht. Ohne motivierten Vertrieb keine Abschlüsse. Ohne Abschlüsse keine breite Masse. Am Ende steht wieder ein teures politisches Wunschprojekt, das toll klingt, aber im Alltag der Menschen kläglich verpufft.
Das Loch im Renteneimer bleibt. Die Politik stopft es nur mit neuen Worten und verlagert das Risiko auf genau die, die es am wenigsten tragen können – die normalen Arbeiter und Angestellten.
Statt das marode Umlagesystem ehrlich zu reformieren, wird der Bürger zum Spekulanten gemacht. Und wenn es schiefgeht, heißt es wieder: „Selber schuld.“
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p



