Während wir alle auf die Meerenge starren, brennen auf allen fünf Kontinenten genau die Anlagen, die aus Rohöl Diesel, Kerosin und Benzin machen. Zufall? Man kann auch einfach mitzählen.
Von Meinrad Müller
5 statt 140 Schiffe
Hormus kennen wir mittlerweile. Reuters meldete am 24. April, dass in den vorangegangenen 24 Stunden nur noch fünf Schiffe durch die Straße von Hormus fuhren. Vor dem Krieg waren es im Schnitt rund 140 pro Tag. Aber während die Nachrichtensender uns Tag und Nacht dieselbe Landkarte vor die Nase halten, fliegen weltweit auffällig viele Raffinerien in die Luft.
Weltweite Raffinerie-Brände in kurzer Zeit
Am 2. März brach in Esmeraldas in Ecuador ein Brand in der größten Raffinerie des Landes aus, der Betrieb wurde vorübergehend eingestellt.
Am 23. März erschütterte dann eine Explosion die Valero-Raffinerie in Port Arthur in Texas. Reuters berichtete später, dass dort wichtige Anlagenteile schwer beschädigt wurden.
Am 3. April brannte es in Mexikos Dos-Bocas-Raffinerie, und zwar bereits zum zweiten Mal binnen weniger Wochen.
Am 15. April traf ein schweres Feuer Australiens größte Raffinerie in Geelong, worauf Benzin, Diesel und Flugbenzin nur noch gedrosselt produziert wurden.
Und ebenfalls am 20. April brannte es in Pachpadra in Rajasthan/Indien, einen Tag vor der geplanten Einweihung der neuen Raffinerie durch Premier Modi.
Am 18. April kam es in der BP Cherry Point Raffinerie im US-Bundesstaat Washington zu einer Explosion, bei der drei Arbeiter verletzt wurden.
Am 20. April brach in Bukarest ein schwerer Brand im Kraftwerk CET Vest aus, bei dem große Mengen Isolieröl in Flammen aufgingen.
Alles nur pure Zufälle in kurzer Zeit
Wer darin nur eine lose Kette komischer Ereignisse sehen will, hat ein bemerkenswert entspanntes Verhältnis zu Häufungen. Es brennt ja nicht in Schuhfabriken oder Tapetenlagern. Es trifft immer wieder den Flaschenhals, an dem aus Rohöl der Stoff wird, ohne den Lastwagen stehen, Flugzeuge am Boden bleiben und Volkswirtschaften anfangen zu husten.
Der brave Zuschauer darf das weiterhin reinen Zufall nennen. Er sollte sich nur nicht wundern, wenn dieser Zufall auffällig zielgenau arbeitet.
Die Antwort werden wir am eigenen Leibe spüren: erst fallen die Flüge aus, dann die Bundesbahn, Heizungen, dann die Tankstellen und am Ende sogar die Panzer. Wenn wir dann wieder am Lagerfeuer unsere Jagdbeute grillen, dann wird endlich Friede sein.
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p



