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1973 und 2026: Zwei völlig unterschiedliche Ölkrisen

Jeffrey Sachs, einer der erfahrensten Ökonomen der Welt, hat bei Tucker Carlson erklärt, warum eine weitere Eskalation im Iran-Konflikt weitaus gefährlicher wäre als die Ölkrisen der 1970er Jahre.

Von Meinrad Müller

Warum Saudi-Arabien 1973 das Öl als Waffe einsetzte

Am 6. Oktober 1973 griffen Ägypten und Syrien Israel im Jom-Kippur-Krieg an. Die USA unter Präsident Nixon reagierten mit massiver Militärhilfe und lieferten zehntausende Tonnen Waffen. Das empfanden die arabischen Staaten als offene Parteinahme. König Faisal von Saudi-Arabien verhängte daraufhin am 20. Oktober 1973 zusammen mit anderen arabischen Ölstaaten ein vollständiges Ölembargo gegen die USA und andere Israel-Unterstützer. Das war pure Wut über die amerikanische Unterstützung Israels.

Die Ölkrisen der 1970er – nur ein vorübergehender Lieferstopp

Der Ölpreis stieg von etwa 3 US-Dollar pro Barrel auf fast 12 US-Dollar – er vervierfachte sich innerhalb weniger Monate. Es kam zu einer gefährlichen Mischung aus Konjunkturabschwung und Preisexplosion: Die Wirtschaft schrumpfte, während die Inflation stark anstieg. In Deutschland gab es sonntägliche Fahrverbote, in den USA lange Schlangen an Tankstellen.

Keine Raffinerien zerbombt

Das Embargo dauerte von Oktober 1973 bis März 1974 – also nur etwa fünf Monate. Die Infrastruktur blieb vollständig intakt. Es gab keine Bomben auf Ölfelder, keine zerstörten Raffinerien und keine zerstörten Petrochemie-Anlagen. Nach dem Ende des Embargos floss das Öl rasch wieder. Die Anlagen waren unbeschädigt und konnten schnell wieder hochgefahren werden. Deshalb war der Schock schmerzhaft, aber reparabel.

Warum eine Eskalation 2026 viel schlimmer wäre

Genau hier liegt der riesige Unterschied, warnt Sachs. Bei einer Eskalation im Golf würde es nicht bei einer Blockade bleiben. Die USA und Israel würden iranische Ziele bombardieren, Iran würde mit Raketen auf die Öl-Infrastruktur der Golfstaaten zurückschlagen.

Das Ergebnis wäre physische Zerstörung von Raffinerien, Gasfeldern, Düngemittelfabriken und Meerwasserentsalzungsanlagen. Selbst ein Ausfall von nur 20 Prozent der Weltölversorgung würde die Preise dauerhaft explodieren lassen. Hinzu käme ein globaler Schock bei Lebensmitteln, weil die Region einen großen Teil der weltweiten Düngemittel liefert.

Die bittere Lehre: Diplomatie statt Eskalation

Die Krise 1973/74 war reparabel. Eine Eskalation 2026 wäre ein systemischer Schlag gegen die Grundlagen der Weltwirtschaft – mit jahrelangen Folgen für Energie, Nahrung und politische Stabilität. Sachs fordert deshalb dringend einen diplomatischen Ausweg.

Wer die Geschichte der 1970er kennt, sollte verstehen: Öl als Waffe ist alt. Aber Öl-Infrastruktur in Schutt und Asche zu legen, wäre eine neue Dimension der Selbstzerstörung.

Das komplette Interview (Englisch), zwei Stunden

https://www.youtube.com/watch?v=sFow6dOMfgQ

Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p

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