Im Live-Call Börse des MMNews-Clubs erklärt Michael Mross, wie aus Aktien Vermögen entstehen kann. Nicht durch Hektik, nicht durch Geheimtipps, sondern durch Methode, Gewichtung, Prüfung und Geduld.
Von Meinrad Müller
Acht Jahre Hightech extrem
Michael Mross stellte im Podcast Live-Call Börse (vom 9. Mai 2026) sein Wikifolio Hightech extrem vor. Seit März 2018 managt er dieses öffentlich sichtbare Musterdepot mit ruhiger Hand. Es ist kein klassischer Fonds, sondern ein Börsenzertifikat, eine Art ETF, in dem seine Strategie sichtbar wird. Für den Leser zählt vor allem das Innenleben: Derzeit 14 börsennotierte Unternehmen, klare Gewichtungen und laufende Prüfung.
Entwicklung seit 2018
Der Vergleich war der Paukenschlag. Mross zeigte die Charts live am Bildschirm. Sein Hightech extrem lag bei plus 390 Prozent (Stand 8.5.2026). Der DAX kam im selben Zeitraum auf etwa 99 Prozent, der S&P 500 auf 167 Prozent, der Nasdaq auf 314 Prozent. Damit schlug sein Wikifolio sogar die amerikanische Technologie-Königsklasse. Das ist kein Sparbuch mit Schleifchen, das ist eine Ansage mit Stahlhelm.
Keine Zockerei mit Giftzeug
Mross passt sichtbar auf, keine Kaufempfehlungen zu geben. Er erklärt keine schnelle Wette, sondern eine Methode. Sein Satz dazu sitzt: „Nicht Futures, keine Optionen, kein Giftzeug.“ Stattdessen setzt er auf große Unternehmen, starke Märkte und langfristige Entwicklung.
Das ist der erste Unterschied zum Börsenkasino. Mross sucht keine windigen Geheimtipps. Er setzt auf Unternehmen mit Marktmacht, Wachstum und technologischer Bedeutung. Dazu gehören in seinem Wikifolio Namen wie AMD, Amazon, Broadcom, Corning, Micron, Microsoft, Nvidia, Qualcomm, Sony und Teradyne.
Gewichtung statt Bauchgefühl
Mross führt sein Wikifolio nicht als Sammlung hübscher Börsennamen. Er arbeitet mit Gewichtungen. Das gesamte Depot steht für 100 Prozent. Jede Aktie bekommt darin einen bestimmten prozentualen Anteil. Kleine Prüfpositionen bleiben niedrig. Überzeugende Kernwerte erhalten mehr Gewicht.
Im Live Call nannte er Micron mit fast 20 Prozent, AMD mit gut 10 Prozent und Amazon mit knapp 5 Prozent. Das zeigt die Arbeitsweise. Nicht jede Aktie ist gleich wichtig und gewichtig. Nicht jede Idee bekommt denselben Platz. Mross steuert sein Depot nach Daten, Marktlage, Bewertung und Zukunftsaussichten. Wenn ein Unternehmen liefert, darf die Position wachsen. Wenn die ursprüngliche Erwartung nicht mehr stimmt, wird reduziert.
Gewinner dürfen groß werden
Der vielleicht wichtigste Satz des Live Calls lautet: „Wenn du bei 100 Prozent Gewinne mitnimmst, kannst du niemals einen 1000-Prozenter haben.“ Genau daran scheitern viele Kleinanleger. Sie freuen sich über den ersten Gewinn, verkaufen den Sieger und behalten danach die Langweiler, weil Hoffnung bekanntlich billiger ist als Einsicht.
Mross nennt Beispiele. AMD habe im Wikifolio über 4000 Prozent gebracht. Nvidia liege bei über 3600 Prozent. Micron bei über 1500 Prozent. Das sind keine kleinen Börsenhüpfer, das sind Vermögenssprünge. Der Punkt ist aber nicht, morgen blind dieselben Aktien zu kaufen. Der Punkt ist die Disziplin dahinter. Wer Gewinner zu früh köpft, braucht sich später nicht wundern, wenn der große Gewinn ohne ihn weiterläuft.
Lesen, prüfen, entscheiden
Mross macht etwas, was viele Anleger nur behaupten. Er liest Marktdaten, verfolgt Geschäftszahlen, schaut auf Bewertungen und vertieft sich in Geschäftsberichte. Er fragt nicht nur, ob ein Kurs gestiegen ist. Er fragt, ob die Firma die ursprüngliche Investmentgeschichte noch erfüllt. Und ob Konkurrenten lauern und ob ganze Branchen sich verändern.
Seine Regel ist einfach, aber schwer durchzuhalten: Verkauft wird nicht, weil die Börse wackelt. Verkauft wird, wenn das Unternehmen nicht mehr liefert. Bei Microsoft beschreibt er genau diesen Prüfprozess. Die Aktie war ein Gewinner, wird aber von ihm reduziert, weil andere Werte besser laufen und die KI neue Risiken für klassische Softwaremodelle schafft. Das ist keine Panik, sondern Portfolioarbeit.
Vermögen entsteht nicht durch Wegducken
Am Ende wird der Live Call politisch interessant. Mross spricht über Vermögensaufbau. Nicht als Spielerei für Reiche, sondern als Schutz gegen spätere Sorgen. Sein Satz lautet: „Es geht um Vermögensaufbau, damit du im Alltag keine Sorgen mehr hast.“
Das trifft den deutschen Sparer mitten im Sparbuch. Jahrzehntelang wurde ihm eingeredet, Sicherheit liege im Stillhalten. Doch Inflation, Steuern und schwache Renten fressen sich leise durch die Lebensleistung. Mross zeigt einen anderen Weg. Qualität kaufen, Unternehmen prüfen, Gewichtungen steuern, Schwankungen aushalten und Gewinner laufen lassen.
Die Botschaft des Live Call Börse lautet deshalb nicht: Kaufen Sie diese Aktie. Die Botschaft lautet: Lernen Sie, wie Vermögen entsteht. Nicht durch Gezappel. Nicht durch Angst. Nicht durch das schnelle Verkaufen des besten Pferdes. Sondern durch Analyse, Geduld und die Fähigkeit, große Gewinner nicht aus Nervosität an den Metzger zu geben.



