Weil VW-Zwickau lahmt wie ein alter Trabbi, sollen chinesische Autobauer das Werk retten. Sachsens SPD-Wirtschaftsminister Dirk Panter schlägt am 12.5.26 genau das vor.
Von Meinrad Müller
Der Meister VW kniet vor dem Schüler BYD
Sachsens will eine Kooperation zwischen VW und dem chinesischen Hersteller BYD für das Zwickauer Werk. „China ist eine Chance für Zwickau“, sagt er. Die Chinesen sollen nicht ausgelastete Produktionslinien nutzen und dort chinesische Autos bauen. Ob aber deutsche Löhne zu Billigautos passen, hat wohl noch niemand nachgerechnet. BYD verkaufte 2025 weltweit über 4,6 Millionen bezahlbare Autos.
1986 Honecker in Peking
Es sind Nachrichten wie diese, bei denen der Spott schon ab Werk eingebaut ist. Als der DDR die Puste ausging, reiste Erich Honecker 1986, erst vor vierzig Jahren, nach Peking. Schon damals suchte die DDR bei den Chinesen wirtschaftliche Hilfe. Vierzig Jahre später ruft der sächsische SPD-Minister sie erneut als Retter in der Not. Vorwärts immer, rückwärts nimmer bekommt jetzt eine ganz aktuelle Bedeutung.
Vom Käfer zur Halde
Zwickau war einmal das Prestigewerk von Volkswagen im Osten. Für rund 1,5 Milliarden Euro wurde es zur reinen Elektroauto-Fabrik umgebaut. Heute stehen rund 10.000 Jobs direkt im Werk auf dem Spiel, weitere 30.000 hängen indirekt daran. Es wird nur noch in zwei statt drei Schichten gearbeitet, bereits 1.200 Stellen wurden abgebaut.
Es ist wie ein Restaurant, das für Millionen gebaut wurde – aber nicht so kochen kann, dass die Gäste kommen. Jetzt holt man die Köche aus China. Medien sprechen von einem „eAuto-Disaster“, von Verkaufsflops und Einbrüchen von bis zu 96 Prozent in den USA. Die Modelle gelten als überteuert und softwaregeplagt.
Nachhilfe aus dem Reich der Mitte
Panter denkt pragmatisch. Lieber chinesische Autos aus Zwickau als leere Hallen mit VW-Logo. Für die Arbeiter vor Ort kann das die Rettung sein. Für Volkswagen ist es dennoch eine Demütigung. Milliarden wurden investiert, Zwickau zum Vorzeigeprojekt erklärt – und nun steht China als möglicher Lebensretter vor dem Tor. Genau deshalb wird es peinlich. Der Konzern, der den Käfer und den Golf erfand, braucht nun offenbar einen großen Bruder.
Für Zwickau zählt jetzt jeder erhaltene Arbeitsplatz. Ob mit VW-Logo oder BYD-Logo – Hauptsache, die Bänder laufen wieder. Der bittere Nachgeschmack bleibt trotzdem: Wer einst Käfer und Golf baute und „Er läuft und läuft und läuft“ versprach, sollte eigentlich keine Nachhilfe aus China brauchen.
Dass es trotzdem so weit gekommen ist, ist das eigentliche Volks-Versagen ab Werk. Und wer den Schaden hat, braucht bekanntlich für den Spott nicht zu sorgen. Der Mann am Fließband wird zum ungelenken Kommentarschreiber und schiebt nun Überstunden am Laptop (Made in China).
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