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Öl bei 70 Dollar, so billig wie vor dem Iran-Krieg

In den letzten Stunden überschlagen sich die Nachrichten. Die Zuversicht wächst, dass die vorläufige Vereinbarung von Trump hält und sich die Lage in der Straße von Hormus entspannt. Die Märkte reagieren darauf.

Von Meinrad Müller

Scharfer Preisverfall an den Rohstoffmärkten

Am 24. Juni 2026 notierte West Texas Intermediate, das wichtige amerikanische Rohöl, an der Warenterminbörse in New York bei rund 70 US-Dollar pro Barrel. Genauer lag der Preis bei 70,34 Dollar. Das war ein Rückgang von knapp vier Prozent am Tag. Brent-Rohöl lag bei 73,74 Dollar. Damit fiel Brent auf den niedrigsten Stand seit dem 27. Februar 2026, also seit vor Beginn des Iran-Krieges.

Die Preise sind in den vergangenen Tagen stark gefallen. Grund sind Fortschritte bei den Gesprächen zwischen den USA und Iran. Reuters berichtete mehrfach über deutliche Abschläge nach diesen Entwicklungen.

Die Märkte preisen eine Entspannung ein. Analysten sehen den Kriegsaufschlag aus den Monaten Februar bis Mai weitgehend abgebaut.

Der US-Iran-Deal und die Straße von Hormus

Mitte Juni 2026 unterzeichneten die USA und Iran eine Absichtserklärung. Sie sieht vor, innerhalb von höchstens 60 Tagen eine endgültige Regelung auszuhandeln. Bis dahin soll der gegenwärtige Zustand gehalten werden. Neue Sanktionen sollen nicht verhängt werden, Iran soll sein Atomprogramm in dieser Zeit nicht weiter ausbauen.

Ein Kernpunkt ist die schrittweise Wiederöffnung der Straße von Hormus für den Schiffsverkehr. Diese Meerenge ist für die Weltwirtschaft entscheidend. Durch sie läuft etwa ein Fünftel des weltweiten Verbrauchs an Öl und Ölprodukten.

US-Vizepräsident JD Vance und iranische Vertreter zeigten Fortschritte bei Gesprächen in der Schweiz. Iran bekam vorübergehende Erleichterungen beim Ölexport. Reuters zitierte iranische Aussagen zu Sanktionserleichterungen und zur Freigabe eingefrorener Vermögenswerte. Trotz einzelner Irritationen gilt die Vereinbarung derzeit als tragfähig.

Erhöhtes Angebot durch freie Tanker-Passage

Seit der Einigung haben wieder viele Tanker die Straße von Hormus passiert. Allein in den vergangenen 24 Stunden verließen nach US-Angaben rund 20 Millionen Barrel Öl die Straße von Hormus. Drei zuvor festliegende Tanker mit zusammen rund 5 Millionen Barrel Öl setzten sich ebenfalls wieder in Bewegung.

Daten von Kpler und anderen Schiffsortungsdiensten bestätigen einen spürbaren Anstieg der Lieferungen. Dieser zusätzliche Nachschub drückt die Preise nach unten. Gleichzeitig hat die US-Regierung iranische Ölexporte vorübergehend erleichtert. Das ist ein weiterer Faktor für die Entspannung an den Märkten.

Positive Reaktionen an den Finanzmärkten

Die sinkenden Energiepreise lösten an den Aktienmärkten eine klassische Erholungsbewegung aus. Niedrigere Rohstoffkosten dämpfen Inflationssorgen und erhöhen die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinssenkungen durch die US-Notenbank. Gleichzeitig leiden Energieunternehmen unter den geringeren Gewinnspannen.

Verbraucher könnten mittelfristig von günstigeren Benzinpreisen profitieren. Erste Tankstellenpreise zeigen bereits leichte Rückgänge. Experten warnen jedoch vor Unsicherheiten. Der Zeitraum von 60 Tagen ist begrenzt. Weitere Verhandlungen zu Atomfragen und Sanktionen stehen noch aus.

Hinweis zum Krieg und zu den Preisen

Der Konflikt begann Ende Februar 2026 mit amerikanisch-israelischen Angriffen auf Iran. Die Straße von Hormus wurde danach über Wochen zum Nadelöhr der Weltwirtschaft. Vor dem Krieg lag der Ölpreis bei rund 70 bis 72 Dollar. Während des Krieges schoss er zeitweise deutlich über 100 Dollar.

Jetzt ist er wieder ungefähr auf dem Niveau vor dem Krieg. Das erklärt, warum Leser den schnellen Rückgang anzweifeln könnten. Die Märkte reagieren aber stark auf die Aussicht auf mehr Angebot. Wenn wieder Tanker fahren, fällt an den Börsen sichtbar Druck vom Kessel. Beim Ölpreis zählt am Ende nicht die politische Theaterbeleuchtung, sondern die Frage, ob die Tanker durchkommen.

Meinrad Müller Blog: www.info333.de/p

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