In Deutschland fehlen 1,4 Millionen Wohnungen. 2025 wurden nur noch 206.586 fertiggestellt. Die Bauministerin verspricht den Bauturbo. Doch auf den Grundstücken stehen keine Bagger, sondern Bauherren und Architekten mit Aktenordnern. Bevor eine Wohnung entsteht, muss erst ein Behördenmarathon gewonnen werden.
Von Meinrad Müller
Schaffe, schaffe, Häusle bauen: So wird das nichts
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Bauunternehmer will rund 30 Wohnungen errichten. Er kauft das Grundstück, beauftragt den Architekten und nimmt einen Millionenkredit auf. Die Zinsen laufen. Die Behörde riskiert nichts. Sie verlangt den Nachweis, dass das Haus in die Umgebung passt. Dort stehen bereits Häuser gleicher Höhe. Die zählen aber nicht, sie seien Ausnahmen. In Deutschland kann ein Haus sichtbar da stehen und für die Bauverwaltung trotzdem unsichtbar sein. Neun Monate vergehen. 140.000 Euro sind schon weg. Auf dem Grundstück liegt noch kein Stein. Der Aktenordner ist bereits bezugsfertig.
Die Behörde bestellt – der Bauherr bezahlt
Nun verlangt das Amt Stellplätze. Platz ist keiner da, also soll eine Tiefgarage her. Der Unternehmer wollte keine, die Behörde will sie. Der Boden muss untersucht, das Grundwasser geprüft, die Zufahrt genehmigt werden. Ein Schallschutzgutachten soll beweisen, dass die amtlich verlangte Garage niemanden stört. Die Behörde bestellt. Der Bauherr bezahlt. Der Mieter zahlt später den Quadratmeterpreis.
Gutachten ohne Ende
Dann melden sich Wasserbehörde, Straßenverkehrsbehörde, Brandschutz, Statik und Kampfmittelprüfung. Eine Bombenauskunft aus dem Zweiten Weltkrieg reicht nicht – es muss sondiert werden. Auch Brandschutz und Statik müssen komplett bezahlt und geprüft vorliegen. Alles für ein Haus, das noch gar nicht gebaut werden darf.
29 Monate – und noch kein Stein bewegt
Nach 29 Monaten liegt immer noch kein Stein auf dem anderen. Die Akte wandert hin und her. Die Zinsen laufen weiter. Der Bauherr trägt jedes Risiko, die Beamten keines. Kein Sachbearbeiter verliert einen Euro, wenn die Genehmigung drei Jahre dauert. Der Bauherr riskiert sein Vermögen. Der Beamte riskiert höchstens eine Aktennotiz. Warum sollte ein Unternehmer unter diesen Bedingungen noch Lust haben zu bauen? Wer Bauherren so behandelt, darf sich nicht wundern, wenn sie ihr Geld woanders hintragen.
Der Staat will vorschreiben, aber nicht selbst bauen
Die Politik fordert bezahlbaren Wohnraum. Dann soll der Staat doch selbst bauen. Grundstücke hat er, Steuern nimmt er, Beamte hat er genug. Doch plötzlich wird es still. Selbst bauen heißt, Termine einzuhalten und für Fehler zu haften. Das ist anstrengender, als anderen Vorschriften zu schicken. Der Staat will die Wohnungen nicht selbst bauen. Er will anderen vorschreiben, wie sie ihr Geld zu riskieren haben.
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