Berlin nach Blackout: Was passiert mit Wärmepumpen, wenn der Strom nicht nur kurz, sondern tagelang ausfällt? Wärmepumpen ohne Strom werden zur Lebensgefahr.
Von Meinrad Müller
Rund 30.000 Wohnungen sind ohne Strom. Kein Licht. Keine Heizung. Keine Sicherheitstechnik. Wer dem grünen Trend nachlief steht plötzlich im Dunkeln und in der Kälte. Doch das ist noch das geringere Übel. Wärmepumpen können zur konkreten Lebensgefahr werden. Erst jetzt, mitten im Frost, wird ein Problem sichtbar, das jahrelang ignoriert wurde.
Die Wärmepumpe war kein normales Heizgerät mehr. Man konnte Haltung zeigen.. Groß, sichtbar, alles andere als leise. Nachbarn beschweren sich reihenweise über das Brummen. Doch Kritik galt lange als Fortschrittsfeindlichkeit. Wer dazugehören wollte, stellte sich so ein Gerät vor die Tür.
Jetzt zeigt sich, was passiert, wenn Ideologie auf Physik trifft. Denn Wärmepumpen brauchen Strom. Viel Strom. Fällt er aus, steht das System still. Und genau dann beginnt die eigentlich noch größere Gefahr.
Der Wärmetauscher in der Wärmepumpe kann Risse bekommen
Im Inneren der Wärmepumpe sitzt ein unscheinbares Bauteil, das über alles entscheidet. Der Wärmetauscher. Technisch ist das oft nichts anderes als eine dünne Metallplatte. Auf der einen Seite Wasser. Auf der anderen Seite das Kältemittel, das sich erhitzt.
Wärmepumpen funktionieren im Prinzip wie ein Kühlschrank mit einem chemischen Kühlmittel, nur andersherum. Beim Kühlschrank werden die Gitter hinten warm, im Kühlschrank wird es innen kalt. Und diese Abwärme soll ganze Häuser heizen. Voraussetzung ist Strom. Fällt der Strom aus und herrscht Frost, beginnt das Wasser im Gerät zu gefrieren. Es dehnt sich aus.
Genau hier entstehen Spannungen. Die dünne Metallplatte kann bei Kälte Haarrisse bekommen. Keine Explosion. Kein Knall. Nur feine Materialschäden. Und genau durch diese Risse huschen Propanmoleküle. Als Kältemittel wird in vielen stark propagierten Anlagen Propan eingesetzt. Hoch explosiv. Geruchlos. Unsichtbar.
Der Sachverständige Andrej Habedank, der sich seit Jahren mit Gebäudeschäden und Versicherungsfällen befasst, beschreibt den Moment, in dem aus Technik Gefahr wird. Reißt der Wärmetauscher, gelangt Propan in den Warmwasserkreislauf des Hauses. Dort hat Gas aber nichts zu suchen.
Doch Gas sucht sich seinen Weg. Über Heizungsleitungen, Ventile, kleinste Undichtigkeiten. Wasser bleibt im Rohr. Gas nicht, es kann entweichen.
Schon wenige Gramm reichen aus, um in einem Raum eine explosionsfähige Mischung zu erzeugen. In einer Wärmepumpe befinden sich jedoch zwei bis drei Kilogramm dieses Gases. Ein Lichtschalter. Eine Kerze. Ein Funke. Eine Zigarette, dann macht es Bumm, eine Explosion die alles zerstört, auch Leben.
Altbau oder Neubau, die Physik macht keinen Unterschied.
Gern wird behauptet, gefährdet seien nur ältere Häuser. Das ist bequem. Und falsch.
Zwar sind Altbauten besonders anfällig, weil alte Heizkörper, Ventile und Rohrverbindungen für Warmwasser, aber nie für Gas gedacht waren. Doch auch Neubauten bieten keine Entwarnung. Selbst Fußbodenheizungen sind betroffen. Die Leitungen sind für Flüssigkeiten konstruiert, nicht für Gas.
Darauf weist der Sachverständige Habedank ausdrücklich hin. Gas entweicht dort, wo Dichtungen Wasser zurückhalten. Dichtigkeit für Wasser ist keine Dichtigkeit für Gas. Die Physik kennt kein Baujahr.
Warum wir erst jetzt darüber sprechen
Dass dieses Thema ausgerechnet jetzt diskutiert wird, ist kein Zufall. Erst der Stromausfall in Berlin macht sichtbar, was vorher verdrängt wurde. Ohne Strom fallen alle Schutzfunktionen aus. Genau dann zeigt sich, wie fragil das System ist. Tausende Wärmepumpen ticken.
Hinzu kommt ein politischer Konstruktionsfehler. Die höchste Förderung gab es für Anlagen mit Propangas. Nicht weil sie sicherer sind, sondern weil sie auf dem Papier klimafreundlicher erscheinen. Frostschutzmittel im Wasser der Wärmepumpe sind nicht verpflichtend. Oft fehlen sie.
Die Förderung galt dem Gerät, nicht dem Ernstfall.
So stehen sie nun in Vorgärten und Hinterhöfen. Brummend. Umstritten. Und erst jetzt, wo Berlin Südwest im Dunkeln sitzt, wird genauer hingesehen.
Robert Habeck ist weg, doch was er so vehement propagiert hat, fliegt uns nun um die Ohren.
Explosionsgefahr bei Wärmepumpen
https://www.youtube.com/watch?v=Hav11vfbTnk&t=9459s
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p



