US-Finanzminister Scott Bessent ließ die Katze aus dem Sack. Es gibt künftig nur noch Freund oder Feind. Dazwischen ist nichts mehr. Die USA sind zurück als Sheriff auf dem großen Weltmarktplatz und der Colt hängt offen am Gürtel.
Von Meinrad Müller
Wer mitspielt und amerikanische Interessen achtet, darf weiter mitmachen. Wer subventioniert, Technologie klaut, Märkte dichtmacht oder tricksen will, bekommt es knüppelhart zu spüren.
Die Kuscheljahre sind vorbei. Endgültig. Das schöne Leben mit billigen Importen aus aller Welt und offenen Türen in Amerika ist Geschichte. Bessent nennt das „Economic Statecraft“. Auf gut Deutsch: Wirtschaft als scharfe Waffe. Statt blinder Offenheit gilt jetzt nur noch Gegenseitigkeit. Wer uns benachteiligt, fliegt aus dem US-Markt. Basta.
Deutsche Firmen und Anleger sollten sich jetzt lieber warm anziehen. Die Zügel werden kräftig angezogen. Und das bekommen wir hierzulande direkt zu spüren. Wir haben uns viel zu sehr auf das alte Globalisierungsdeal verlassen.
Was Bessent lieber verschweigt
Natürlich klingt bei ihm alles vernünftig und strategisch. Die Schattenseiten blendet er aus. Denn es wird teurer, deutlich teurer. Wenn die Amerikaner Lieferketten zurückholen und Zölle hochsetzen, zahlen am Ende die Verbraucher. Egal ob Auto, Handy, Medikamente oder Maschinen, vieles wird spürbar teurer. Das merkt jeder normale Bürger im Geldbeutel.
Handelskriege sind kein Kinderspiel. Wenn Europa oder China zurückschlagen, trifft es vor allem uns Deutsche. Die Autoindustrie, Chemie und Maschinenbauer leben stark vom Export in die USA und nach China. Da können schnell Aufträge wegbrechen und Werke in Bedrängnis geraten. Eine echte Gefahr für viele Arbeitsplätze.
Auch die USA riskieren eine Menge.
Alles wieder selbst in USA produzieren klingt toll. In der Praxis ist es teuer, dauert Jahre und geht oft schief. Milliarden an Subventionen und neue Bürokratie sind vorprogrammiert. Das spricht Bessent natürlich nicht an.
Europa droht zum Kollateralschaden zu werden. Wir sind weder richtiger Freund noch klarer Gegner. Die USA fordern mehr NATO-Geld, mehr Käufe von amerikanischem Gas und Waffen und einseitig offene Märkte. Sonst gibt’s auch für uns Druck. Besonders Deutschland mit seinem dicken Exportüberschuss steht im Visier. Wir haben uns jahrelang zu sehr auf Kosten der Amerikaner ausgeruht, sagt Bessent.
Die große Globalisierungs-Party ist vorbei. Amerika dreht den Hahn zu. Ab jetzt gelten nur noch ihre Regeln.
Deutsche Anleger sollten das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die goldenen Jahre mit riesigen Exportüberschüssen und billigen Importen gehen zu Ende. Wer seine Depots noch auf die alte Welt ausgerichtet hat, riskiert schmerzhafte Verluste. Schaut auf Unternehmen, die weniger vom Export nach Amerika und China abhängen.
Die Welt wird rauer. Amerika spielt nicht mehr den netten Onkel. Es spielt jetzt den harten Sheriff. Und wir stehen mitten auf dem globalen Marktplatz.
Meinrad Müller Blog: www.info333.de/p



