Die CDU hat ihre rund 350.000 Mitglieder per Mail aufgerufen, in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin Wahlkampf zu machen. Studenten sollen ihre Semesterferien opfern. Berufstätige sollen ihren Urlaub nehmen. Rentner dürfen ihre freie Zeit beisteuern.
Von Meinrad Müller
Die Parteigenossen riefen zur Mobilmachung
Im CDU-Hauptquartier brennt offenbar Licht bis tief in die Nacht. Die AfD liegt bundesweit vor CDU/CSU. In Sachsen-Anhalt beträgt der Abstand zur CDU sogar rund 20 Punkte. Die Lage ist also ernst, deshalb greift die Parteiführung zu einer bewährten Methode. Wer den Krieg am Planungstisch verloren hat, schickt neue Fußsoldaten an die Front.
Das Fußvolk soll Zeit und Nerven liefern und sich an Wahlkampfständen auch noch beschimpfen lassen. Das ist zu viel verlangt.
Konkreter Schlachtplan: für Merz die Suppe auslöffeln
Je drei Freiwillige aus einem Landesverband sollen nach Sachsen-Anhalt geschickt werden. Ein Führerschein der Klasse B wäre erwünscht, denn jemand muss den Wahlkampfbus fahren. Idealerweise bleiben die Helfer gleich zwei Wochen. Arbeitsurlaub im romantischen und tiefblauen Sachsen-Anhalt kann die Sinne und den Geist beleben. Auch 500 Jahre nach Martin Luther wirkt der rebellische Geist gegen die heutige christliche Obrigkeit. Ob in Wittenberg oder Magdeburg.
Moderne Landverschickung bevor die Blauen einreiten
Sie sollen Stände aufbauen, Veranstaltungen betreuen, Flugblätter verteilen und an Haustüren klingeln. Dort dürfen sie erklären, weshalb man ausgerechnet jene CDU wählen soll. Der Kanzler hat bei den Bürgern historische Tiefstwerte mit 13 % Zustimmung erreicht. Nicht mal Olaf Scholz sank so tief. Wie soll Herr Häberle aus Sigmaringen das in Magdeburg auf Hochdeutsch erklären?
Das dürfte selbst erfahrene Staubsaugervertreter überfordern.
Friedrich Merz versprach eine andere Migrationspolitik, eine andere Wirtschaftspolitik und eine andere Schuldenpolitik. Nach der Wahl wurden viele Versprechen entsorgt. Nun soll Frau Müller aus Castrop-Rauxel in Magdeburg erklären, warum das alles trotzdem großartig war.
Die Ohrfeigen bekommt die Basis
Wer in Sachsen-Anhalt Klingeln putzen geht, trifft nicht auf dankbare Untertanen, sondern an fast jeder zweiten Haustür auf einen AfD-Wähler. Der ganze Ärger über Migration, hohe Abgaben, wirtschaftlichen Niedergang und gebrochene Zusagen entlädt sich dann an der Haustür.
Besonders dreist ist die Sprache des Aufrufs. Jede helfende Hand sei wichtig, schreibt die Parteizentrale. Helfende Hände braucht gewöhnlich jemand, der in Not geraten ist. Die CDU ist jedoch nicht zufällig in ein Schlagloch gefahren. Ihre Führung hat den Wagen selbst hineingelenkt, Warnschilder überfahren und anschließend erklärt, die Fahrt verlaufe planmäßig.
Nun sollen die Mitglieder den Karren aus dem Dreck ziehen. Das ist eine Bankrotterklärung.
Eine Partei, die beim Bürger noch Vertrauen genießt, muss keine Rentner aus Bayern oder Nordrhein-Westfalen nach Sachsen-Anhalt verfrachten, damit diese dort an fremden Haustüren um Stimmen betteln.
Die Generäle haben die Schlacht verloren. Nun rufen sie nach Kanonenfutter. Die angemessene Antwort der 350.000 CDU-Mitglieder bestünde aus einem Wort: Pustekuchen.
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