Deutschland galt in Chile lange als Vorbild für Arbeit, Ordnung und Fleiß. Nun warnt ausgerechnet ein Senator mit deutschen Wurzeln davor, denselben Weg einzuschlagen. Seine Botschaft lautet: So wie Deutschland darf Chile nicht werden.
Von Meinrad Müller
Der chilenische Senator Miguel Becker sprach am 9. Juni 2026 in einer Senatskommission über Einwanderung. Vor Vertretern der Vereinten Nationen sagte er einen Satz, der in Deutschland schmerzen müsste:
„Ich habe Freunde, die in Deutschland leben. Sie sagen, Deutschland sei vorbei.“
Deutschland habe sich durch die Einwanderung verändert. Es sei nicht mehr jenes Land, das man früher gekannt habe. Das Deutschland der Arbeit, der Disziplin und des Fleißes sei verloren gegangen.
Diese Worte stammen nicht von einem Mann, der Deutschland ablehnt. Im Gegenteil. Becker ist mit Deutschland eng verbunden. Sein Großvater väterlicherseits hieß Oscar Becker. Seine Großmutter trug den Namen Auguste Bächler. Die Familie kam bereits 1852 nach Chile. Er selbst und seine Geschwister besuchten die Deutsche Schule in Temuco.
Das macht seine Worte so bitter. Hier spricht kein Deutschlandfeind. Hier spricht ein Nachfahre deutscher Einwanderer, der den Niedergang des früheren Vorbildes mit Bedauern betrachtet.
Vom Vorbild zum Warnschild
Über Generationen stand Deutschland in Chile für Verlässlichkeit, Ausbildung und Leistung. Deutsche Einwanderer bauten Betriebe auf, gründeten Schulen und schufen sich durch Arbeit eine neue Heimat. Nun steht ein Mann aus dieser Tradition im chilenischen Senat und warnt sein Land vor deutschen Verhältnissen.
Früher sagte man in Chile: Schaut nach Deutschland, dort kann man lernen, wie ein erfolgreiches Land funktioniert. Chile hat heute 20 Millionen Einwohner, vier Prozent berufen sich auf deutsche Vorfahren.
Heute lautet die Botschaft: Schaut nach Deutschland, damit Chile nicht denselben Fehler begeht.
Die Warnung fällt auf fruchtbaren Boden
Seine Worte treffen eine Stimmung, die Chile längst vorhanden ist. Über 60 Prozent fürchten auch in Chile unkontrollierte Einwanderung, steigende Kriminalität und einen Staat, der die Kontrolle verliert. Deutschland dient in dieser Debatte nicht mehr als Lösung. Es dient als abschreckendes Beispiel.
Das ist beschämend. Nicht weil ein chilenischer Senator uns kritisiert. Beschämend ist, dass Deutschland ihm die Argumente liefert. Besonders schwer wiegt deshalb Beckers Urteil. Es kommt nicht aus Hass, es kommt aus Enttäuschung.
Die Familie Becker brachte 1852 den guten Ruf Deutschlands nach Chile. Im Jahr 2026 muss ihr Nachfahre die Chilenen vor deutschen Verhältnissen warnen.
Härter kann der Verlust eines guten Rufes kaum sichtbar werden.
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p




