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J Hole: Versinkt das Finanzsystem im schwarzen Loch?

Jackson Hole: Gipfeltreffen der Superhelden. Helicopter-Ben und Staudamm-Man müssen ohne Super-Mario zu den Cowboys und Hirschen. Die Spezialfähigkeit des Chefs der US-Notenbank: Er kann Brände vom Hubschrauber aus löschen mit einer unendlichen Menge an Dollarscheinen.

 

von Carsten Englert

Das beschauliche Örtchen Jackson im Tal Jackson Hole hat einen Bekanntheitsgrad erreicht, der für einen Ort mit weniger als 9.000 Einwohnern ungewöhnlich ist. Dabei sind es nicht die Cowboy- Touristen und auch nicht die Wapiti-Hirsche, die für den Ruhm sorgen. Das kleine Tal in Wyoming ist auch in unregelmäßigen Abständen Bühne der Weltpolitik. Genauer gesagt, der Welt-Geldpolitik. Aber da verschwimmen die Grenzen ja sowieso immer mehr.

 

Heute ist es wieder soweit, die Zentralbanker der Welt treffen sich inmitten von Cowboys und Hirschen. Cowboys genießen in den USA einen fast schon heldenhaften Ruhm. So gesehen passt das Ambiente der Veranstaltung tatsächlich. Haben sich die Notenbanker der Welt doch längst zu Superhelden entwickelt. Da ist zum Beispiel Helicopter-Ben. Die Spezialfähigkeit des Chefs der US-Notenbank: Er kann Brände vom Hubschrauber aus löschen mit einer unendlichen Menge an Dollarscheinen. Oder Thomas Jordan, der Staudamm-Man. Wie ein Staudamm stemmt er sich gegen die Milliarden-Flut der asylsuchenden Euros in der Schweiz und verhindert somit mit seinen Superkräften den Untergang der Schweizer Wirtschaft. Oder Super-Mario. Unser lokaler Super-Held. Seine Superkräfte sind der große Beschützer des Euros. Er hat in einem ehernen Schwur bekräftigt, dass er alles tun werde, um den Euro zu retten.

 

Doch leider müssen die Superhelden in Jackson Hole ohne ihren Super-Mario auskommen. Dieser hat genug um die Ohren damit, seinen großen Worten auch Taten folgen zu lassen. Sein Schützling ist nämlich schwer angeschlagen. Also werden sich diesmal in Jackson Hole alle Augen auf Heilcopter-Ben richten. Hat er den Hubschrauber dabei? Wie viel Löschmittel hat er dabei? Und: Brennt es überhaupt?

 

Bereits die ganze Woche steht Jackson Hole im Mittelpunkt der Wirtschaftsberichterstattung. Der Hype um das Notenbankertreffen in Jackson Hole ist wieder mal ein Beweis dafür, dass das kapitalistische System nur noch am seidenen (Notenbank-)Faden hängt. Hoffen wir, dass nicht einer der Superhelden die Kontrolle über seine Fähigkeiten verliert und den Faden aus Versehen durchtrennt.

 

Soweit die humoristische Betrachtung des „Mega-Events“. Doch was bedeutet Jackson Hole konkret für die Märkte, vor allem den DAX? Nun, die Anstiege der letzten Wochen haben ganz klar vorweg genommen, dass bald ein neuer „Hubschrauberrundflug“ von Ben Bernanke ansteht und er das heiß ersehnte Quantitative Easing 3 verkündet, am besten gleich in Billionenhöhe! Doch wird es tatsächlich so kommen? Bei nüchterner Betrachtung muss man da erhebliche Zweifel anmelden.

 

Gut, die Wirtschaft in den USA kommt nicht in die Gänge. Auch in China und in Europa sowieso dümpelt die Konjunktur vor sich hin. Mancherorts gibt es auch schon hochoffiziell eine Rezession (beispielsweise Spanien, Italien und England). Doch die Weltwirtschaft ist noch weit entfernt vom Worst Case Szenario. Und genau das ist der Grund, warum Bernanke heute mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Hubschrauber im Hangar lassen wird und nicht einmal den Motor vorwärmen lässt. Denn viele Waffen im Kampf gegen die Krise hat Bernanke nicht mehr!

 

Es wäre daher fatal, bereits jetzt die letzte Kugel zu verfeuern, bevor das „Monster“ der Rezession ohne Fernglas zu erkennen ist. Und ich bin mir sicher, Bernanke ist sich dessen bewusst, dass er nur noch diese eine Kugel hat und wird sie daher auch erst einsetzen, wenn er dem „Monster“ in die Augen schauen kann. Damit der Schuss auch sicher sitzt!

 

Doch was bedeutet das für die Aktienmärkte? Nichts Gutes, so viel lässt sich schon mal festhalten. Denn auf dem aktuellen Niveau ist bereits sehr viel Optimismus eingepreist. Das hat gestern der leichte Kurseinbruch schon mal angedeutet. Händlerhaben den Kursrückgang damit erklärt, dass plötzlich Unsicherheit darüber herrschte, ob tatsächlich am Freitag Details zu QE3 veröffentlicht werden. Der Chart hat sich dadurch deutlich eingetrübt! Wie auf dem Chartbild eindeutig zu erkenne ist, besteht nun die ganz große Gefahr eines Doppel-Tops. Diese Formation dürfte einen massiven Einbruch nach sich ziehen, der durchaus auch bis an das 2011er-Tief bei knapp unter 5.000 Punkten führen könnte!

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