In einem aktuellen Marktkommentar reflektiert die Deutsche Bank "Ein Jahr Mindestkurs des Schweizer Franken zum Euro: Unorthodoxer Eingriff gegen heftige Kapitalflüsse". - Kann man marktwirtschaftliche Kräfte auf Dauer mit Psychologie besiegen?
von Peter Boehringer
Nach einem Hauch von Wahrheit (zu "Gold als Geld") ausgerechnet von Deutsche Bank Research Anfang September (das übrigens erstaunlicherweise? und entgegen DB-Usus noch immer nicht online gestellt ist!), ist heute beim DB-Research wieder Märchenstunde angesagt. Oder meinetwegen Karnevalsstunde nach dem Kölner Motto „Et hät noch immer jot jegange“. Die aktuelle DB-Analyse titelt:
Nach Ansicht des offenbar voll-keynesianistischen DB-Autors Thomas Meyer* ist alle Wirtschaft mal wieder „nur Psychologie“. Denn wie sonst könnten ernsthaft solche Sätze auftauchen:
„Der CHF-Mindestkurs ist ein unorthodoxer und ordnungspolitisch fragwürdiger Eingriff. Er ist daher auch eine interessante Parabel für die ebenfalls zunehmend unorthodoxe Krisenpolitik in der Eurozone. Der Mindestkurs der SNB ist ein Beispiel dafür, dass angesichts heftiger und sich selbst verstärkender Kapitalströme, unorthodoxe Maßnahmen durchaus angemessen und effektiv sein können. Bereits eine glaubwürdige Ankündigung kann deutlich zur Stabilisierung der Kapitalströme beitragen.“
Ja, die Bazooka muss gar nicht eingesetzt werden, wenn nur ihre Abschreckungswirkung groß genug ist? Kennen wir.
Wie war das noch damals mit dem London Gold Pool? Seine Abschreckungswirkung war „shock and awe“; die geballte Feuer-Kraft und Goldmasse aller großen Bazooka-Notenbanken. Und doch MUSSTE er jahrelang manipulativ tätig werden, um den damaligen künstlich fixierten Goldkurs von 35 $/oz nicht nach oben davoneilen zu lassen. Am Ende (1968/71) dann natürlich doch vergebens, die Manipulationsfront musste brechen.
Ähnlich die folgenreichen, manipulativ motivierten und durchaus preisrelevanten Goldshorts einer Barrick um 1999ff herum mit Milliardenschaden für die Aktionäre. Ähnlich die diversen Wechselkurseingriffe der Deutschen BuBa und auch damals schon der SNB in den 70ern und 80ern. Usw.
Man kann marktwirtschaftliche [= menschengewollte!] Kräfte auf Dauer nicht mit Psychologie besiegen. Nur mit brute force – und selbst dann nur temporär!
ANLASS für Meyers Optimismus war übrigens der „sensationelle“ Anstieg des EUR-CHF-Wechselkurses von der SNB-politisch vorgegebenen planwirtschaftlichen Untergrenze von 1,20 auf … 1,21 ! DAS alleine genügte Meyer, um schon wieder von einer Anhebung (!) des EUR-CHF-Zielkurses der SNB wunschzuträumen – und trotzig wie ein Kleinkind zu verkünden:
„Diese [meine] Einschätzung [Interventionsankündigung genügt; kein tatsächlicher Eingriff nötig] ändert sich auch nicht dadurch, dass die SNB ab dem Frühjahr dann doch erheblich intervenieren musste, um den Kurs zu halten, schließlich hatte sich im Frühjahr auch die Risikolage erneut deutlich verschärft.“
Ja, Wirtschaft ist nur Psychologie. In den Wirrköpfen der Psycho-Analysten ist das wohl tatsächlich so. Die SNB hält pro Kopf der schweizer Bevölkerung inzwischen mehr Fremdwährung als jeder andere Staat der Welt [wenn auch SNB-Chef Jordan klug genug ist, den EUR-Schrott heimlich in andere Assets und Währungen umzustauschen].
*) PS: Bitte verwechseln Sie den Autoren Thomas Meyer nicht mit dem ehemaligen Chefvolkswirt der DB, Thomas Mayer, der zwar zu seiner Amtszeit auch nicht die Wahrheit sagen durfte – aber denn doch nicht ganz so geschichtsvergessen war und der heute wahrhaftige Interviews gibt, die wie ein „Mea maxima culpa“ für seine Vernebelungszeit bei der DB klingen!



