Bundesbank lässt deutsches Gold im Ausland lagern, weil dort angeblich keine Lagerkosten entstehen: "Die Fed in New York und die Banque de France bieten anderen Notenbanken die „kostenlose Lagerung von Goldbeständen an." - Fällt die Deutsche Bundesbank auf solche billige Tricks herein?
Angenommen, Ihr Nachbar bietet Ihnen die kostenlose Lagerung Ihrer Goldbarren an - würden Sie so ein Angebot dankbar annehmen? Oder würde der gesunde Menschenverstand eher davon abraten? - Aber genau das macht die Bundesbank: Sie vertraut den Nachbarn zwei Drittel ihrer Goldbestände an. Grund u.a.: kostenlose Lagerung.
Ein Schelm, der Böses dabei denkt? - Ist nicht gerade die kostenlose Lagerung ein Hinweis darauf, dass das deutsche Gold "anderweitig" eingesetzt, verkauft oder verliehen ist, womöglich die gleiche Position mehrmals, analog zum fraktionalen Bankensystem? (Bedeutet, dass Bankeinlagen bis zu 10 mal verliehen werden dürfen. Die Zinsen dafür sind dann natürlich sehr einträglich. Ein gutes Geschäft also für Banken und damit auch für die Fed? Warum sollte sie sonst die "kostenlose" Lagerung anbieten?)
Interview mit Carl-Ludwig Thiele, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, mit der Nachrichtenagentur DPA. Quelle: Bundesbank.
Wie viel deutsches Gold lagert in den USA, wie viel in Frankreich und wie viel in England?
Die Bundesbank hält einen Teil ihrer Goldbestände in eigenen Tresoren im Inland, weitere Bestände werden an wichtigen Goldhandelsplätzen bei den dort ansässigen Zentralbanken verwahrt. Im Einzelnen sind das:
- Deutsche Bundesbank, Frankfurt am Main: 1.036 Tonnen (= 31%)
- Federal Reserve Bank (Fed), New York: 1.536 Tonnen (= 45%)
- Bank of England, London: 450 Tonnen (= 13%)
- Banque de France, Paris: 374 Tonnen (= 11%)
Ist es nicht anachronistisch und teuer, Gold im Ausland aufzubewahren?
Die Fed in New York und die Banque de France bieten anderen Notenbanken die „kostenlose Lagerung von Goldbeständen an. Die Bank of England erhebt Lagergebühren in Höhe von rund 500.000 Euro jährlich. Auch die Lagerung in eigenen Tresoren der Bundesbank ist mit Kosten verbunden. Kostengesichtspunkte sind jedoch nicht allein ausschlaggebend für die Auswahl von Lagerstätten. Viel wichtiger sind die Verwendbarkeit des Goldes als Währungsreserve und die Sicherheit der Lagerung. Unsere Revision hat sich bei wiederholten Besuchen in New York, London und Paris davon überzeugt, dass die dortigen Sicherheitsvorkehrungen den gleichen hohen Ansprüchen genügen wie in Frankfurt.



