Wegen ausschweifender Luxus-Reisen: ThyssenKrupp-Vorstand Jürgen Claassen wird zurücktreten. Der Manager habe den Aufsichtsrat gebeten, ihn bis auf weiteres von seinen Aufgaben zu entbinden. Führende Tageszeitungen wurden von ThyssenKrupp auf zweifelhafte Luxustripps eingeladen.
Das schöne Leben eines Vorstands: First Class fliegen, in Fünfsternehotels übernachten und tagelange Safaris: Ein ThyssenKrupp-Vorstand unternimmt Luxusreisen mit Journalisten – dabei ist er für die Konzern-Richtlinien verantwortlich. Unter anderem sollen Journalisten von FAZ und ZDF (Washington Korrespondent Klaus-Peter Siegloch) auf Thyssen-Kosten schöne Tage erlebt haben.
Im Sommer flog der Vorstand mit einem Wirtschaftsredakteur der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" nach China. Zunächst mit dem Firmenjet von Düsseldorf nach München, dann weiter in der First Class der Lufthansa nach Peking. Der FAZ-Journalist war der einzige Begleiter.
Das Ganze hat nun auch einn Nachspiel bei der FAZ, die im Anschluss an die Lustreise einen gefälligen Artikel des in großen Schwierigkeiten steckenden Stahlkonzerns veröffentlichte: "Die andere Seite von Thyssen-Krupp".
Aber auch andere Medien kamen in den Genuss von Thyssenkrupps FirstClass Spendierlaune: Im März vergangenen Jahres flog Claassen nach Südafrika. Dieses Mal sind Reporter der "Süddeutschen Zeitung", des "Tagesspiegel", der "NRZ" und der "Rheinischen Post" mit von der Partie. Auf dem Programm: Luxussafaris und Lodgeleben. - "Die Reise hat die erwarteten Hintergrundinformationen über das Unternehmen erbracht", antwortet etwa "Tagesspiegel"-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff auf Anfrage von "Die Welt".
Doch auch privat nahm ThyssenKrupp-Vorstand Claassen es wohl nicht so genau: So ist er auch ohne Journalisten auf Dienstreise mit Urlaubscharakter gegangen. Detaillierten Reiseunterlagen zufolge, die der "Welt am Sonntag" vorliegen, hat Claassen im Oktober 2010 eine Geschäftsreise nach Miami und New York unternommen, die in weiten Teilen keinen dienstlichen Charakter hatte. In Miami gönnte er sich eine Luxus-Suite im Ritz Carlton, die offiziell 3000 Dollar die Nacht kostet. Familie und Verwandte waren ebenfalls dabei Auf der sechtägigen Reise soll es angeblich nur einen dienstlichen Termin gegeben haben.
Jetzt ermittelt offenbar demnächt die Staatsanwaltschaft.



