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Deutsche Bank: Bilanzkosmetik?

Die Frage, wie die Bank ein 130 Mrd. Dollar schweres Portfolio komplexer Derivate bewertete und ob letztlich Boni infolge überhöhter Bewertungen flossen, ist primär für die Aktionäre von Belang. Doch auch die Öffentlichkeit hat ein berechtigtes Interesse an mehr Informationen. 

 

Ein Kommentar von Bernd Neubacher, Börsen-Zeitung

Die gute Nachricht für die Deutsche Bank: Hinsichtlich ihrer Rolle im Libor-Skandal ist die Gesellschaft, seitdem eine Anhörung im Finanzausschuss des Bundestages die Parlamentarier Ende November ratlos zurückließ, fürs Erste aus den Schlagzeilen verschwunden. Die schlechte: Der Vorwurf der Fehlbewertung von Derivaten im Volumen von bis zu 12 Mrd. Dollar in den Jahren 2007, 2008 und 2009 drängt das Haus ebenso in die Defensive.

Für diese Annahme spricht die versierte Art, in welcher ein Ex-Risikoanalyst der Bank seine eigentlich alten Anschuldigungen neuerdings in die breite Öffentlichkeit trägt. Einem ersten Vorstoß in der britischen Presse folgten allein am Montag bundesweit gleich mehrere Zeitungsinterviews. Dafür spricht aber auch die defensive Haltung des Instituts, das seine Einlassungen offiziell auf ganze sechs Sätze beschränken möchte. Zur Libor-Anhörung hatte Co-Vorstandschef Anshu Jain Personal- und Compliance-Vorstand Stephan Leithner geschickt. Nun verweist man auf eine schon vor Tagen herausgegebene Stellungnahme, der zufolge alles seine Richtigkeit hatte. Damit wird es kaum getan sein.

Die Frage, wie die Bank ein 130 Mrd. Dollar schweres Portfolio komplexer Derivate bewertete und ob letztlich Boni infolge überhöhter Bewertungen flossen, ist primär für die Aktionäre von Belang. Doch auch die Öffentlichkeit hat ein berechtigtes Interesse an mehr Informationen. Denn wer mag schon garantieren, dass die Bank, die für 2008 einen Nettoverlust von knapp 4 Mrd. Euro ausgewiesen hatte, die Krise auch dann ohne Staatshilfe gemeistert hätte, wenn sie, wie insinuiert wird, bis zu 12 Mrd. Dollar hätte abschreiben müssen? Von der SEC und ihren Untersuchungen ist in Sachen Aufklärung nicht viel zu erwarten - die Verfahren der US-Wertpapieraufsicht schlafen entweder ein oder enden mit windelweichen Vergleichen im stillen Kämmerlein.

Die Anschuldigungen mögen perfide sein, da die Bank sie wegen der Komplexität der Materie nicht rasch aus der Welt schaffen kann. Von dieser Komplexität aber hat sie eine Weile nicht schlecht gelebt. Daher führt für die Bank nun kein Weg daran vorbei, die inkriminierten Wertansätze transparent(er) zu machen. Denn die Frage der Bewertung führt geradewegs ins Herz der Finanzkrise. Sie erklärt auch einen guten Teil des Vertrauensverlusts, den die Branche ja selbst so oft beklagt. Sofern die Bank es schafft, ihre Sicht der Dinge ebenso offensiv wie glaubwürdig zu vertreten, bietet sich ihr dabei eine große Chance. Die Köpfe der Bank reden gerne von Corporate Citizenship. Jetzt können sie dieses Prinzip praktizieren. (ots)

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