Aus Brüssel kommen bekanntlich nur gute Nachrichten. In Sachen Gemeinschaftswährung sieht der EU-Währungskommissar den Zerfall des Euro-Raums als "abgewendet".
EU-Währungskommissar Olli Rehn sieht die Gefahr eines Auseinanderbrechens der Währungsunion gebannt. Dennoch gebe es keinen Grund zu einem Nachlassen des Reformeifers, sagte er auf dem "Welt"-Wirtschaftsgipfel in Berlin. "Die Gefahr eines Euro-Zerfalls ist zwar abgewendet. Aber wir dürfen jetzt nicht in die Sorglosigkeit verfallen", sagte der finnische Vizepräsident der EU-Kommission.
Rehn warb für eine Fortsetzung des Reformkurses in den Krisenländern Europas: "Wachstum ist unsere wichtigste Sorge, und daher müssen wir die Strukturreformen fortsetzen". "Haushaltskonsolidierung ist nach wie vor notwendig, in sinnvollem, klugem Tempo." Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble lobte auf dem Spitzentreffen zwischen Politik und Wirtschaft, das auf Einladung der "Welt"-Gruppe in Berlin stattfand, die Reformanstrengungen in den Krisenländern und warb dafür, nicht nachzulassen.
"In Spanien und Italien passiert viel und auch in Griechenland geht es voran ", sagte Schäuble. Er mahnte strengere Regeln für die Finanzpolitik der EU-Mitglieder an: "Nötig ist ein strengeres Regelwerk", sagte Schäuble und brachte eine stärkere Rolle des Währungskommissars ins Spiel: "Es wäre überaus hilfreich, wenn wir in der Kommission jemanden hätten, der den Haushaltsentwurf eines Mitgliedsstaates zurückweisen kann, wenn er nicht den Regeln entspricht."
Sinn: Die Krise frisst sich schleichend immer tiefer in unsere Portemonnaies hinein
Aus Sicht des Chefs des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, ist die Kapitalflucht aus Südeuropa gestoppt. „Die Strategie von Mario Draghi wirkt. Wir haben eine Trendwende bei den Target-Salden,“ sagte Sinn Handelsblatt Online. Als Zeichen der Entspannung wertet er dies jedoch nicht. Die Europäische Zentralbank (EZB) habe den Anlegern den unbedingten Schutz mit dem Geld der Steuerzahler versprochen.
„Unter dem Geleitschutz der kollektiven Versicherung traut sich das Kapital wieder in die Südländer, wo es eigentlich nicht mehr hinwill,“ sagte Sinn. Zugleich warnte er vor den Belastungen der Euro-Rettung für den Steuerzahler. „Die Krise frisst sich schleichend immer tiefer in unsere Portemonnaies hinein und bleibt eingedämmt, solange wir dabei keinen Widerstand üben.“
Von der vordergründigen Entspannung beim Euro profitieren besonders die Banken. Deutsche Bank und Commerzbank konnten seit Jahresbeginn zulegen. Auch die meisten anderen europäischen Finanzinstitute zeigten sich mit steigenden Kursen, obwohl manche Pleite-Kandidaten aus dem Süden bei einigen Beobachtern schon längst abgeschrieben sind.