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Notenbanken lenken die Welt – wie lange noch?

Fondskongress-Stimmung (zu?) positiv. Währungskriege sorgen für steigende Aktienkurse. Neue Höchststände werden erwartet. Erkennbare Bubbles und mögliche Black Swans  werden ignoriert. Osteuropa wird (zu?) stiefmütterlich behandelt. Börsen in Südosteuropa boomen. Börse Sofia +37%.

 

von Andreas Männicke

Auf dem Fondskongress am 30/31. Januar in Mannheim gaben sich  die Top-Fondsmanager und Vermögensverwalter der Welt ein Stell Dich ein. Die Säle  waren - wieder einmal - in den meisten Fällen überfüllt, wobei hier überwiegend Finanzvermittler anwesend waren. Die Stimmung  war gut bis ausgelassen. Fast alle Fondsmanager und Vermögensverwalter erwarten – trotz aller bekannten Fehlentwicklungen – in diesem Jahr ein gutes Börsenjahr  und langfristig ohnehin. Dieser Konsens der Profis stimmt mich allerdings skeptisch.

In der Tat is es so, dass Anleihen auf einem historisch niedrigen Renditeniveau sind und dass es dort  kaum mehr Bewegungsspielraum nach unten gibt. Dies trifft mittlerweile sowohl für Staatsanleihen mit Renditen von 0,3% p.a. bei Bundesanleihen oder US-Staatsanleihen, also japanischen Verhältnissen, als auch für Unternehmensanleihen von Qualitätsaktien mit historisch niedrigen Renditen von 2-3% zu.  Auch dieser Zustand wird jetzt als normal wahrgenommen, ist aber nicht normal, sondern ein Bubble. Im letzten Jahr waren Unternehmensanleihen noch ein Thema, aber auch hier sind jetzt die Renditeniveaus von Qualitätsaktien so niedrig, dass die Dividendenrenditen  höher sind als die Renditen der Unternehmensanleihen. Auch hier deutet sich aber ein Bubble an und Bubbles enden oft in einem Crash. Dieser Bubble ist genauso klar erkennbar wie zuvor in 2008 der Immobilienbubble in den USA und damit auch der Hypothekenkreditbubble in den USA erkennbar war. Der Endpunkt des Immobilienbubbles war damals der Lehman Brothers Crash im Jahr 2008, den man als black swan bezeichnen kann.

Wie wird sich den Anleihen-Bubble und auch damit eingehend der Verschuldungs-Bubble auflösen? Möglich ist ein Schuldenschnitt, nur wann und wie? Im Falle eines Währungs-Crashs oder eines drohenden Staatsbankrotts der USA  kann es auch zur Wiedereinführung des Goldstandards durch die Notenbanken kommen. Viele Notenbanken wie die von China, Russland, Mexiko, Türkei u.a. stockten ihre Goldbestände kontinuierlich auf. China ist dabei der größte Aufkäufer der Notenbanken. China ist aber auch der größte Goldproduzent der Welt. Die größten Goldbestände besitzen die USA, die also von einem Schuldenschnitt bei gleichzeitiger Wiedereinführung des Bretton Woods-System, also goldgedeckter Währungen,  profitieren würden.

Der Grund in der positiven Stimmung und positiven Ausblicke auf dem Fondskongress in Mannheim  insbesondere für die globalen Aktienmärkte wird in der Notenbankpolitik gesehen. Auch hier wird anscheinend das Anormale und zum Teil Gesetzwidrige als normal angesehen, was trügerisch ist. Solange die großen Notenbanken der Welt, insbesondere aber die FED, die EZB, die englische und auch die japanische Notenbank Anleihen aufkaufen und Gelddrucken ohne dabei eine zu starke Inflation auszulösen, ist die Aktienwelt scheinbar in Ordnung, da dadurch die zunehmenden Verschuldungsprobleme zumindest temporär abgemildert werden. Man  konnte den Eindruck gewinnen, dass einige (nicht alle!)  Fondsmanager und Vermögensverwalter immer sorgloser werden.

Dabei hielt die Anfangsrede beim Fondskongress Mr. „Black Swan“ Nassim N. Taleb, der als Derivatehändler und Hedgefondsmanager Millionen  mit black swans, also unvorhersehbaren, gravierenden  Negativ-Ereignissen mit großen ökonomischen Auswirkungen,  verdient hat, indem er Bankaktien zur rechten Zeit geshortet hat. Wer das Buch von Taleb „The Black Swan“ (der schwarze Schwan)  noch nicht gelesen hat, dem empfehle ich es dringend zur Lektüre, auch allen Fondsmanagern und Vermögensverwaltern. Er warnt vor einer trügerischen  künstlichen durch Politiker und Notenbanker (=Bürokaten) herbeigeführten Stabilität wie damals bei  Greenspan, der keine starken Kursabschwung in den USA  durch eine Ausweitung der Geldmenge und sinkende Zinsen zulassen wollte. Er warnt auch vor der Gefahr der Konzentration und gegenseitigen Abhängigkeiten. Märkte müssen gewissen Schwankungen unterliegen und Stress muss sich entfalten können. Dies wird aber durch die Drogen der Notenbanken verhindert.  Robuste Systeme können sich Stresssituationen  anpassen, fragile Systeme nicht; sie zerbrechen früher oder später bei Stresssituationen.

Die Notenbanken übernehmen jetzt zunehmend die Aufgaben der nicht belehrbaren Finanzpolitiker, die immer höhere Schulden aufbauen. Notenbanker (=Bürokarten) lenken damit ungewollt die Welt und sorgen für eine Scheinstabilität – auch an den Aktienmärkten. Dabei gibt es schon jetzt einige Notenbanker in den USA, die gegen ein QE3 waren und sind. Eine überraschende Kehrtwende in der Notenbankpolitik könnte schon wie ein black swan wirken und zu einem Aktien-Crash führen.

Nun beginnen einige Notenbanken in Abstimmung mit der Regierung auch einen Abwertungskrieg, um damit den Export zu fördern. Beachtet werden dabei aber auch nicht die Risiken und Nebenwirkungen wie eine importierte Inflation. Die Abwertungen, wie beim Yen, Pfund, Rand bringen die Aktienmärkte temporär künstlich nach oben, obwohl die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen  nicht zugenommen hat, sondern nur die Währung relativ an Wert verliert. Auch hier wird temporär eine Scheinstabilität kreiert, die mittelfristig aber zur zunehmenden Instabilität führt. So könnten mittelfristig protektionistische Ansätze den Welthandel zum Einbrechen bringen.

Für mich sind das alles nur Marktmanipulationen zur Systemrettung, an den ich nichts Gutes finden kann. Die englische Notenbank hat auch am meisten die Geldmenge ausgeweitet, was bisher aber nicht viel genutzt hat. Ohne olympische Spiele hätte es schon im letzten Jahr in England eine Rezession geben können. Einer der größten Übeltäter ist dabei die englische Notenbank, die schon 30% der englischen Staatsanleihen besitzt und dabei einen Gewinnabführungsvertrag mit der Regierung hat. Die Zinserträge kommen also wieder die Staatshaushalt zu gute.  Wenn England in diesem Jahr in eine Rezession gerät, werden alle Sparanstrengungen zunichte gemacht und das Haushaltsbilanzdefizit wird sich sogar ausweiten. Es droht dann wieder eine Downgrade bei den Anleihen. Das 4. Quartal lag übrigens schon im Minus.  Kein Wunder, dass die englischen Politiker lieber aus der EU austreten wollen, um ihr Inseldasein zu frönen. Der englische Primier Cameron begeht hier aber ein Eigentor, falls er sich mit seiner Volksabstimmung und dem geplanten EU Austritt  durchsetzen sollte.

Der nächste große Wackelkandidat in Europa ist Frankreich, ein hochverschuldetes Land, das auch in die Rezession gleiten kann, ein Land, wo die Wettbewerbsfähigkeit zwar immer mehr abnimmt, aber das im Euro-Korsett steckt und damit nicht wie England über Abwertungen eine Schein-Stabilität herbeiführen kann.. Da immer noch die meisten Außenhandelsumsätze mit Frankreich in Euro getätigt werden, würde auch Deutschland unter einer Rezession in Frankreich leiden. Auch Deutschland ist mittelfristig also als Exportweltmeister verwundbar, wenn Deutschland nicht rechtzeitig den Binnenmarkt stärkt.

Der Euro ist per se ein fragiles und eben nicht ein stabiles System, da  Feedback-Prozesse (Rückkoppelungen) über Abwertungen nicht möglich sind. Auch wird im Falle eines Black Swans (wie zum Beispiel dass Berlusconi  überraschend die Wahl im März in Italien gewinnt) etwas ausgelöst, dass die ganze Weltwirtschaft  über mögliche Dominoeffekte ins Wanken bringen kann. Auch Italien müsste  normalerweise schon längst aus dem Euro austreten und die eigene Währung wieder einführen, um massiv abzuwerten, kann dies aber nicht durch den Euro. Wenn das „Schreckgespenst“ Berlusconi überraschend wieder an die Macht kommt, kann es wegen der möglichen Dominoeffekte zu einem Black Swan kommen, was im Moment von den meisten Fondsmanagern  und Vermögensverwaltern so nicht gesehen bzw. ignoriert wird. Auch eine Patt-Situation bei der Wahl in Italien im März würde die Anleger schon  irritieren.

Ich halte es für notwendig und dringend geboten, dass sich alle Fondsmanager und Vermögensverwalter in diesem Jahr rechtzeitig über effiziente und sinnvolle Absicherungsinstrumente Gedanken machen. Hier ist professioneller Rat notwendiger denn je. Hier kommt auch den Finanzberatern und -vermittlern eine aktive Gestaltungsaufgabe  hinzu, indem sie sich  über etwaige Absicherungsmöglichkeiten von Fonds schlau machen. Hier gibt es immer zu wenig Professionalität und Know how.

Die Weltbörsen hatten einen guten Börsenstart im Januar. Der DAX stieg auf ein neues Fünf-Jahreshoch von über 7800 Indexpunkten und strebt nun die 8000-er-Marke an. Der Milliardenverlust bei der Deutschen Bank AG im 4. Quartal aufgrund des LIBOR-Skandals hinterließ noch keine Bremsspuren.  Der Dow Jones Industrial Index überschritt schon die 14.000-er Marke, was ein neues Fünfjahreshoch ist und nun werden neue Allzeit-Hochs angepeilt. In Osteuropa legten zuletzt vor allem die Börsen aus Südosteuropa eine bemerkenswerte Rallye hin und erwachten damit aus dem langjährigen „Dornröschenschlaf“. Die Börse aus Bulgarien stieg schon um 37%, aus Serbien um 17%, aus Kroatien um 13%, aus Rumänien um 13% und aus Litauen um 11%! Waren Sie dabei?

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