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Euro: Wie lange noch?

Das Vertrauen der Bürger in den Staat und vor allem den Euro und die Eurozone ist dramatisch erodiert. Zypern könnte einer der letzten Sargnägel für die Gemeinschaftswährung sein. Der Euro ist wirtschaftlich und politisch bereits gescheitert.

 

von Carsten Englert

Die Rettung Zyperns ist nun doch noch zustande gekommen. Und trotz der lauten Absage, die das zyprische Parlament dem ersten Rettungsplan entgegen geschleudert hatte – der ursprüngliche Plan wurde im Parlament mit genau Null Ja-Stimmen abgelehnt – kam er in leicht abgeänderter Form nun doch noch zustande. Diesmal sollen die Einlagen unter 100.000 Euro verschont bleiben. Dafür werden, wie es nun aussieht, die Einlagen darüber deutlich höher belastet als bislang angenommen. Manche Experten reden schon von bis zu 80 Prozent Enteignung! Wenn man liest, dass in der letzten Woche massive Kapitalabflüsse von der Insel – trotz eingefrorener Konten – zu verzeichnen waren, wundert das einen nicht mehr. Die Einigung ist also da, doch die Märkte und der Euro sind weiter verunsichert. Warum?


Nun, das liegt zum einen daran, dass Zypern zunächst mal nur gerettet ist. Es steht außer Frage, dass die zyprische Wirtschaft nun aufs äußerste erschüttert wird, erst recht, wenn sich die Befürchtung Bewahrheiten und das ganze Kapital abfließt, sobald die Kapitalverkehrsbeschränkungen wieder aufgehoben wurden. Es scheint klar, dass die Wirtschaft bis auf weiteres nicht mehr selbst tragfähig ist und damit auch nicht die Banken und die Staatskassen. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis die nächste Rettungstranche gebraucht wird.


Vielleicht liegt die „Kaufzurückhaltung“ aber auch daran, dass es dem einen oder anderen Anleger dämmert, was die Stunde geschlagen hat! Die Eurozone wackelt und das gewaltig! Aus zyprischen Regierungskreisen war zu vernehmen, dass die Regierung ernsthaft darüber nachgedacht hat, aus dem Euro auszutreten. Das ist auch den Rating-Agenturen nicht verborgen geblieben, die auch prompt das sogenannte Währungsrating für Zypern vom AAA auf Caa gesenkt haben.


Doch kommt es tatsächlich soweit, dass ein Land austritt, dürfte das einen Dominoeffekt auslösen, an dessen Ende viele der sehr schwer angeschlagenen Länder austreten könnten. Den Euro würde das sicher schwer erschüttern und deutlich zur Abwertung zwingen.


Ein weiterer Grund, der bei mir die Befürchtung, dass die Eurozone implodiert, befeuert, sind die zunehmenden Ressentiments der einzelnen Länder untereinander. Schuldzuweisungen und Verfluchungen, allen voran Deutschlands, sind an der Tagesordnung. Das könnte die zur Rettung dringen nötige Solidarität der Länder unterwandern. Besorgniserregend ist auch, dass in vielen Ländern, auch in Deutschland, Parteien Zulauf finden, die sich von Europa und dem Euro abwenden. Wirklich verwunderlich ist das nicht, vor allem in den Krisenländern. Die Krise hat Griechenland und Co die nackte Armut gebracht. In dieser Woche laufen im TV schon die Berichte, dass die Krankheiten und Selbstmorde auf Grunde des Spardiktats dort auf dem Vormarsch sind. Die sozialen Spannungen nehmen zu!


Ein weiterer Aspekt, der auf ein nahendes Ende der Eurozone hindeutet, ist die Tatsache, dass scheinbar nur unfähige Krisenmanager in den europäischen Politikreihen zu finden sind. Jüngstes Beispiel: Jeroen Dijsselbloem. Der Eurogruppenchef hat doch tatsächlich in einem Interview gesagt, dass es auch ein Modell für andere Krisenstaaten sein könnte, die Bankkunden zu enteignen! Herr Dijsselbloem, es ist natürlich richtig, die Marktwirtschaft wieder herzustellen. Dazu gehört, dass Gläubiger und Eigentümer mit herangezogen werden, wenn eine Bank in Schieflage ist.


Das ist richtig und wichtig, Herr Dijsselbloem. Aber: Die Kunden einer Bank, die dort einfach Geld auf Konten haben sind nicht Eigentümer und nicht Gläubiger, sie sind Kunden. Gläubiger sind oft andere Banken und die werden ja wie immer verschont und es wird auf dem Rücken der – in diesem Fall zugegebenermaßen nicht ganz armen – Bürger ausgetragen!


Also mit Verursachungsgerechtigkeit hat dieses Lösungsmodell noch lange nichts zu tun. Aber unabhängig von der Gerechtigkeitsfrage ist die Aussage des Herrn Dijsselbloem – oder wie ich ihn nur noch seit seinem Patzer nenne: Dussel-Bloem – ist diese Aussage strategisch extrem dumm gewesen!!


Das Vertrauen der Bürger in den Staat und vor allem den Euro und die Eurozone ist dramatisch geschrumpft dadurch. Wer will schon 80 Prozent seines Geldes verlieren? Vor allem in den anderen Krisenstaaten dürften die Menschen hellhörig geworden sein. Die cleveren und die Reichen werden in Italien, Spanien, Portugal und Griechenland schon jetzt anfangen, ihre Schäfchen ins trockene, sprich auf Schweizer, deutsche und britische Konten, zu bringen.


Diese Kapitalflucht wird sich natürlich auch negativ auf die Wirtschaft der Länder auswirken und die Schuldensituation der jeweiligen Staaten weiter eskalieren lassen. Und dann schlägt die Dussel-Bloem-Keule wieder zu: die Lage wird kritischer, doch nun gerät auch die Masse in Panik und hebt all ihr Geld ab und schafft es unters Kopfkissen oder ins Ausland. Der Super-GAU, der Bankenrun kommt. Somit hat Dijsselbloem der Eurozone einen extremen Bärendienst erwiesen und Fortschritte in der Bekämpfung in der Schuldenkrise erschwert.


Anleger sollten sich langsam aus dem Rekordjagd/Rallyemodus verabschieden. Den Börsen stehen sehr ungemütliche Zeiten bevor! Auch der Euro dürfte extrem unter Beschuss kommen, vor allem gegenüber dem US-Dollar, da vor allem die angelsächsischen Anleger allergisch auf die allgegenwärtige Enteignungsgefahr reagieren dürften. Es wird Zeit Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen! Die Bären strömen wieder auf das Parkett.

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