Commerzbank-Chef Blessing verteidigt Kapitalerhöhung. / "Offshorleaks": Nichts spreche dagegen, dass Banken künftig mit den Finanzbehörden kooperieren und beispielsweise Finanzgeschäfte in Steueroasen melden.
Commerzbank-Chef Martin Blessing hat kurz vor der Hauptversammlung seines Insti- tuts die geplante Kapitalerhöhung verteidigt. „Nach der Rettung durch den Staat war es die Aufgabe des Vorstands, dieses Geld so schnell wie möglich zurückzuzahlen“, sagte Blessing. Mit dem Geld aus der Kapitalerhöhung soll der Rest der staatlichen stillen Einlage von einst 16,4 Milliarden Euro zurückgezahlt werden.
In den vergangenen vier Jahren hatte die Commerzbank mehrfach das Kapital erhöht, der Aktienkurs war stark gefallen. „Da sind jetzt nicht alle begeistert“, sagte Blessing in einem Gespräch mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Damit der Staat seine Aktienbeteiligung ohne Verlust verkaufen kann, müsste sich der Kurs verdreifachen.
Um das zu erreichen, will Blessing die Altlasten aus der gewerblichen Immobilien-, Staats- und Schiffsfinanzierung bis 2016 von 151 auf gut 90 Milliarden Euro senken. „Im Moment geht der Abbau schneller als geplant.“ Allerdings rechne er bei der Schiffsfinanzierung in diesem Jahr weiterhin mit einer hohen Risikovorsorge.
Blessing sprach sich dafür aus, dass künftig in Deutschland wie in der Schweiz die Hauptversammlung über das Gehalt der Vorstände abstimmt. „Im Sinne der Stärkung der Eigentümer wäre das nur konsequent“, sagte er. Sie könnten auch Höchstgrenzen festlegen. „Dass der Gesetzgeber das machen sollte, finde ich falsch.“ Die Pläne der EU, Banker-Boni zu begrenzen, begrüßte Blessing. Zu hohe variable Vergütungen führten zu Systemrisiken, die im Zweifel der Steuerzahler ausbügeln müsse.
Zu der aktuellen Diskussion um Steueroasen sagte Blessing, die Commerzbank richte sich nach allen regulatorischen und gesetzlichen Regeln und habe sich nach der Übernahme der Dresdner Bank von sehr vielen Aktivitäten im internationalen Geschäft mit vermögenden Privatkunden getrennt. „Deshalb bereitet mir das Thema auch keine schlaflosen Nächte.“ Nichts spreche dagegen, dass Banken künftig mit den Finanzbehörden kooperieren und beispielsweise Finanzgeschäfte in Steueroasen melden.



