Bundesbank-Vorstand beklagt Wissenslücken vieler Bürger bei Finanzthemen. Das Thema "Geldsystem" scheint der Zentralbank allerdings selbst ein Fremdwort zu sein.
Hochrangige Vertreter der Bundesbank sorgen sich zunehmend um das Finanzwissen der Deutschen. „Wenn jemand in Deutschland ein Auto kauft, ist er über alle Facetten informiert und kennt die Ausstattung genau“, sagte Joachim Nagel, für die Märkte zuständiger Vorstand bei der Deutschen Bundesbank, im Interview mit dem Handelsblatt (Mittwochausgabe). Wenn es hingegen darum gehe, wie beispielsweise das Ersparte angelegt werden soll, hätten viele Bürger große Wissenslücken.
Um dem entgegenzuwirken schlägt Nagel vor, die Themen Ökonomie und Finanzen besser in die Lehrpläne der Schulen zu integrieren als bisher. „Finanzmarktthemen sind ja selten so kompliziert, wie sie auf den ersten Blick erscheinen“, sagte er. Dass es in Deutschland trotz vieler Initiativen noch immer viele Mängel in der Finanzberatung gibt, nimmt Nagel zum Anlass, für eine bessere Ausbil! dung und entsprechende Qualifikationen der Finanzberater zu werben. „Was im Handwerk längst üblich ist, sollte auch in der Finanzindustrie Standard sein“, sagte er.
Eine dezidierte Meinung vertritt der Bundesbank-Vorstand auch zum Wertpapier-Handel, der zunehmend über Computer und über außerbörsliche Plattformen abgewickelt werde. Hier wünscht sich Nagel mehr Transparenz und Antworten auf die Fragen: Wo wird gehandelt? Wer sind die Händler? Was wird gehandelt? Diese Informationen seien für die Stabilität der Märkte insgesamt essentiell. „Die Transparenz muss an dieser Stelle über den geschäftspolitischen Interessen Einzelner stehen“, forderte Nagel.



