Korruption im Weltsport - erstmals ISL-Bestechungsliste komplett veröffentlicht.Kurz vor dem Urteil der Fifa-Ethikkommission: Bewegung im Schmiergeldskandal um ehemalige Sportmarketingagentur. SPIEGEL ONLINE veröffentlicht weltweit exklusiv komplette Bestechungsliste der ISL.
Zwölf Jahre, rund 142 Millionen Schweizer Franken: Für mehr als ein Jahrzehnt sind Schmiergeldzahlungen der ehemaligen Marketingfirma ISL an Vertreter wichtiger Sportverbände dokumentiert. SPIEGEL ONLINE hat erstmals komplett die geheime Bestechungsliste veröffentlicht.
Es geht um insgesamt 216 Transaktionen an weltweite Stiftungen und Tarnfirmen, von denen die meisten selbst nach jahrelangen Ermittlungen der Schweizer Staatsanwaltschaft noch immer keinem Klarnamen zugeordnet werden können. Doch schillernde Namen sind darunter: So haben der langjährige Fifa-Präsident Joao Havelange (Brasilien) und sein ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Terra Texeira insgesamt mindestens 21,9 Millionen Schweizer Franken über eine gemeinsame Firma, eine Stiftung oder direkt von der ISL erhalten.
Der gerade aus der Fifa-Exekutive zurückgetretene Fußball-Boss Südamerikas Nicolas Leoz steht mit 1.075.625 Schweizer Franken in den Akten.
In Kürze wird der Münchner Richter Hans-Joachim Eckert sein mit Spannung erwartetes Urteil zum ISL-Schmiergeldskandal veröffentlichen. Ehemals wichtige Fifa-Bosse müssen fürchten, als Bestechungsempfänger enttarnt zu werden. Eckert wird unter anderem darüber entscheiden, ob Havelange seine Ehrenpräsidentschaft verliert - und ob sogar der amtierende Fifa-Präsident Joseph Blatter belangt wird.
Das Schmiergeldsystem der einstigen Sportmarketing-Agentur ISL war gigantisch, knapp 142 Millionen Schweizer Franken sind für den Zeitraum 1989 bis 2001 gerichtsfest bestätigt, der wahre Betrag dürfte weit größer sein. Der Verbleib von 110 Millionen Scheizer Franken ist weiter unklar.



