Gold und Silber unter Druck. Trotz ungelöster Probleme im Geldsystem geht der Preis nach unten. Wie ist das zu erklären? Michael Mross im Gespräch mit Ronnie Stöferle, Autor der legendären Studie "In Gold we trust". Investment in Edelmetalle: Risiko oder letzte Chance?
Die Goldbugs haben es dieser Tage nicht leicht. Silber geht ebenfalls in den Keller. Der Preis für Edelmetalle scheint derzeit nur einen Weg zu kennen: nach unten. Michael Mross sprach mit Ronnie Stöferle, Autor der legendären Goldstudie "In Gold we trust" und Geschäftsführer der Incrementum AG. Eine neue Folge der Studie erscheint am 27. Juni bei der "Erste Group". MMnews hatte schon jetzt Gelegenheit, mit dem Autor über die aktuellen Perspektiven bei Edelmetallen zu sprechen.
Langfristig fünfstellig
Stöferle geht davon aus, dass aktuell auch mit noch tieferen Kursen bei Gold und Silber gerechnet werden muss. Doch die kurzfristigen Schwankungen bei der Preisfindung sollten nicht darüber hinweg täuschen, dass Gold in einer Welt aus Papierwerten das Einzige ist, was bleibt, und von niemanden garantiert werden muss. Auch wenn die Kurse für Edelmetalle derzeit im Abwärtssog sind, werden sie langfristig dennoch steigen. Auch fünfstellige Preise für eine Unze Gold hält Stöferle langfristig realistisch. Insofern sind sinkende Kurse auch Einstiegskurse.
Von den kurzfristigen Schwankungen bei Edelmetallen sollte man sich nicht verwirren lassen. Diese würde in erster Linie durch die Papiermärkte verursacht. Auf dem physischen Markt jedoch herrscht nach wie vor rege bis starke Nachfrage. Es könne der Zeitpunkt kommen, an dem sich die Preise für physische Ware von den an der Börse abkoppeln. Am Ende zählt nur, was man wirklich in der Hand hat oder im eigenen Safe.
Die aktuelle Preisfindung bei Edelmetallen wird laut Stöferle auch von derzeitigen deflatorischen Tendenzen beeinflusst. Preissteigerungen in übersättigten Märkten sind kaum noch durchsetzbar. Auch andere Rohstoffe sind im Sinkflug. Doch am Ende werden die Notenbanken Vollgas geben, um Rezessionen zu verhindern. Das wird dann der Auslöser sein, durch Edelmetalle wieder steigen.
Notenbanken
Die Politik der Notenbanken - so Stöferele - gleicht einem Spiel mit dem Feuer, insbesondere die japanische Notenbank begeht derzeit eine Art Harakiri. Aber auch die Fed will letztlich weiter inflationieren. Hinzu kommt noch ein de facto Negativ-Zins. Die Geldmengen weltweit werden weiter erhöht. Das alles ist positiv für Gold. Nur weil das viele Geld bisher noch nicht im Wirtschaftskreislauf angekommen sei, spüren wir derzeit kaum Inflation. Doch diese ist auf lange Sicht unvermeidbar inklusive der Gefahr einer Hyperinflation und am Ende der Währungsreform.
Goldverbot?
Stöferle glabut nicht an ein Goldverbot, kann aber Restriktionen in Zukunft nicht ausschließen, sollte sich die Krise weiter zuspitzen. Ein echtes Goldverbot werde sich wohl praktisch nicht umsetzen lassen, wohl aber Handelsbeschränkungen und mögliche prohibitive Besteuerung.
Fazit
Auch wenn die Preise für Edelmetalle derzeit sinken, darf man diese Gefahr nicht außer Acht lassen und muss sich auf das kommende Ende des Geldsystems vorbereiten. Dabei spielt das Investment in Edelmetallen - neben anderen Vorkehrungen - eine wichtige Rolle. Stöferle wörtlich: "Ich kann mir auch einen Goldpreis von 10000$ / Unze vorstellen - die Frage ist bloß, ob wir uns das wirklich wünschen".
Interview: Ronnie Stöferle im Gespräch mit Michael Mross



