Luftwaffe: Ist das noch normal?

Nach dem Fast-Crash in Berlin Schönefeld: Es sollte gründlich untersucht werden, ob Sabotage wirklich ausgeschlossen werden kann. So viele „Zufälle“ wie bei der Luftwaffe sind auch bei älteren Maschinen nicht normal.

 

von DK

Wäre die deutsche Luftwaffe eine zivile Fluggesellschaft, hätte sie wegen Unzuverlässigkeit ihrer Flugzeuge vermutlich bereits Landeverbot in der EU und den USA bekommen. Am Donnerstag (16. April 2019) ereignete sich der bisher schwerste Zwischenfall, als ein (ziviles) Flugzeug der Luftwaffe kurz nach dem Start in Berlin-Schönefeld wieder umkehren und wegen Problemen notlanden musste. Dabei ging wohl einiges zu Bruch, da beide Flügel der als zuverlässig geltenden und frisch von der Wartung (!) kommenden Maschine Bodenberührung hatten.

Bei der Deutschen Presseagentur (dpa) wurden einige Pannen der letzten Zeit aufgelistet: „Die schwerste Panne betraf Kanzlerin Angela Merkel (CDU) Ende November, als sie mit dem Regierungsflieger ,Konrad Adenauer‘ auf dem Weg zum G20-Gipfel in Argentinien war. Ein defektes Bauteil – eine zentrale Schalteinheit der Bordelektronik – hatte gleich zwei Funksysteme lahmgelegt, die sich im Notfall gegenseitig ersetzen sollen.

Der in Berlin gestartete Flieger musste umkehren und wurde auf den Flughafen Köln/Bonn geleitet. Ende Februar saß Außenminister Heiko Maas (SPD) in Mali fest, im Januar war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Äthiopien betroffen, kurz davor Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) in Malawi.“

Verniedlichend ist die dpa-Darstellung der Situation im Merkel-Flieger. Es waren nicht „zwei Funksysteme“ ausgefallen, sondern richtig hätte es heißen müssen „die beiden Funksysteme“. Das Flugzeug war per Funk nicht mehr erreichbar (nur noch über ein Satellitentelefon konnte Kontakt mit der Außenwelt gehalten werden). Die dpa vergaß (zufällig?) den geplatzten Reifen eines Luftwaffen-Flugzeugs (ebenfalls ,Konrad Adenauer‘) bei der Landung in New York am 1. April 2019.

Versagt hatte das Anti-Skid-System des Flugzeugs (laut Spiegel online so was wie ABS beim Auto). Der an Bord befindliche Außenminister Maas kam zu spät zur UN-Vollversammlung. Das Flugzeug sei gerade aufwändig repariert worden (so jedenfalls spiegel online). Und dass der Entwicklungshilfeminister zudem noch in Namibia liegengeblieben war, kam bei dpa ebenfalls nicht vor.

Die zivilen Flugzeuge der Luftwaffe werden in den Werften der Fluggesellschaften regelmäßig gewartet. Wichtige Systeme sind grundsätzlich doppelt an Bord vorhanden. Vorfälle wie beim Merkel-Flug nach Südamerika hätte es nie geben dürfen. Zum Alter von Flugzeugen und Flugzeugflotten in der zivilen Luftfahrt berichtet der Tages-Anzeiger:

„Bei Swiss ist derzeit der kleine Airbus A319 der älteste Typ in der Flotte – das Durchschnittsalter liegt bei 19,1 Jahren, die Gesamtflotte bei Swiss (die Avro-Jets ausgenommen) ist im Schnitt 13,2 Jahre alt. Damit punktet die Schweizer Airline im internationalen Vergleich mit einer relativ jungen Flotte, ähnlich ist es bei Helvetic mit 12,8 Jahren, bei Lufthansa beträgt der Altersschnitt der Gesamtflotte 11,2 Jahre.

Auch die Swiss-Muttergesellschaft fliegt noch sechs Airbusse A320, die bereits vor der deutschen Vereinigung 1990 ausgeliefert wurden, das älteste Flugzeug ist die A320 mit der Kennung D-AIPA Buxtehude, geliefert am 16. Oktober 1989. «Wir sehen keinen direkten Zusammenhang zwischen Alter und Zuverlässigkeit», sagt Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow, «Betriebszeiten von 20 bis 30 Jahren sind wirtschaftlich sinnvoll.“

Es sollte gründlich untersucht werden, ob Sabotage wirklich ausgeschlossen werden kann. So viele „Zufälle“ wie bei der Luftwaffe sind auch bei älteren Maschinen nicht normal.

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