Adidas-Chef Hainer: Uli Hoeneß soll auch nach möglicher Anklage Aufsichtsratschef beim FC Bayern bleiben. Wir sollten ihm eine zweite Chance geben.
Der Vorstandschef des Sportartikelkonzerns Adidas, Herbert Hainer, zugleich Vize-Aufsichtsratschef des FC Bayern München, hat sich für den Verbleib von Uli Hoeneß als Aufsichtsratschef des Rekordmeisters ausgesprochen. Hainer sagte in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin FOCUS: Auch falls Hoeneß wegen Steuerhinterziehung angeklagt werden sollte, solle er sein Amt weiter ausüben. „Ich bin der Meinung, dass es keinen Besseren für diese Position gibt.“
„Wir sollten aber alle erst mal abwarten, wie das Ermittlungsverfahren ausgeht. Uli Hoeneß hat durch seine Selbstanzeige sein Vergehen eingestanden und seine Steuern zurückbezahlt“, so Hainer zu FOCUS. Möglicherweise werde Hoeneß „strafbefreit“. Hainer zeigte sich nicht enttäuscht von Hoeneß. „Ich hätte die Steuergeschichte nicht unbedingt erwartet, weil er einer der sozialsten und zuverlässigsten Menschen ist, die ich kenne. Der Fall zeigt aber, dass wir alle nicht frei von Fehlern sind. Wir sollten Uli Hoeneß deshalb eine zweite Chance geben. Dass er eine Riesendummheit begangen hat, weiß er selbst.“
Hainer äußerte sich erstmals zu den Privatkreditgeschäften seines Vorgängers Robert Louis-Dreyfus. Der damalige Adidas-Chef hatte 2000 Bayern-Manager Hoeneß angeblich 20 Millionen Mark geliehen, mit denen dieser zockte. Einen Zusammenhang zwischen dem Privatkredit und der Beteiligung von Adidas an der FC Bayern AG ist nicht nachzuweisen. Anrüchig wirkt der Deal, weil Konkurrent Nike dem FC Bayern ein viel besseres Angebot unterbreitet hatte. „Ich kann ausschließen, dass es einen Zusammenhang gibt“, so Haider zu FOCUS. Adidas habe „intensiv in unseren Büchern nachgeforscht“ und festgestellt: „Wir haben uns nichts vorzuwerfen.“ Sein Vorgänger sei zu diesem Zeitpunkt schon schwer krank gewesen und habe nur auf dem Papier bis zum 8. März 2001 die Geschicke der Adidas AG geleitet. „Bereits am 1. Januar 2000 habe ich aber das operative Geschäft übernommen“, so Hainer. Louis-Dreyfus sei in die Verhandlungen nicht involviert worden. „Wir haben einmal zusammen in einer Vorstandssitzung über die Möglichkeit einer Beteiligung gesprochen“, so Hainer. „Uli und Robert waren jahrelang befreundet. Der eine Freund hat dem anderen Geld geliehen und wieder zurückbezahlt.“
Die Linkspartei hält es für inakzeptabel, dass Bayern-Präsident Uli Hoeneß offenbar im anstehenden Gerichtsverfahren wegen Steuerhinterziehung auf eine Bewährungsstrafe hoffen kann. "Es kann nicht sein, dass eine Kassiererin die einen Pfandbon mitnimmt, ihren Job verliert, und ein Multimillionär der den Staat um Millionen beklaut, wird mit Samthandschuhen angefasst. Das ist eine Zwei-Klassen-Justiz", sagte der Wirtschaftsexperte der Linksfraktion im Bundestag, Klaus Ernst, Handelsblatt Online. "Da kungelt der schwarze Münchner Filz und wäscht sich gegenseitig die Hände nach dem Motto Freikarten für Freibriefe."
Ernst sieht daher den Bundesgesetzgeber am Zug. Nötig sei eine "Null-Toleranz-Offensive" gegen Steuerflucht. Zum einen müsse im Strafgesetzbuch festgelegt werden, dass bei Hinterziehung von mehr als einer Million eine Gefängnisstrafe zwingend sei - "ohn! e Hintertürchen und Verjährungsfrist". Und zweitens müsse für Banken das Prinzip "Three Strikes and you are out" gelten. Wer drei mal bei der Beihilfe zur Steuerflucht erwischt werde, müsse die Banklizenz verlieren. "Drittens sollte das Finanzministerium alle diese dicken Fische im Internet auf einer Steuersünderliste veröffentlichen", so Ernst.
Hintergrund ist ein Bericht des "Spiegel", wonach Die Staatsanwaltschaft eine zweijährige Bewährungsstrafe für den Präsidenten des FC Bayern München beantragen wolle. Zudem solle Hoeneß eine Geldstrafe von 720 Tagessätzen zahlen.



