Die Berliner können nicht nur keine Flughäfen bauen, sondern auch bei einfachen Bahnhöfen hapert es. Der neue Hauptbahnhof hat jetzt Probleme mit dem Dach. Angeblich drohen aber keine Gefahren.
Am Berliner Hauptbahnhof gibt es ein neues Bauproblem, berichtet die Berliner Zeitung (Freitagausgabe). Eine der vier Lagerkonstruktionen, auf denen das Ost-West-Dach ruht, fiel bei einer Kontrolle auf. Das teilte ein Sprecher der Deutschen Bahn (DB) dem Blatt auf Anfrage mit. „Die Auffälligkeiten bestehen darin, dass sich einzelne Lagerteile gegeneinander verdreht haben“, sagte er.
Noch rätseln die Experten von DB Station & Service, wie es zu dem Problem kommen konnte. „Die Ursache für die Verdrehung steht noch nicht fest und wird untersucht“, so der Sprecher. In Absprache mit dem Eisenbahn-Bundesamt ließ die Bahn im wichtigsten Berliner Fernbahnhof Messtechnik installieren, die das markante Dach ins Visier nimmt. Zudem wurden zusätzliche Kontrollen angesetzt. Die Lagerkonstruktionen am Dach müssen bald korrigiert und instand gesetzt werden, hieß es. Eine Sprecherin der Aufsichtsbehörde bestätigte dies.
„Die Korrektur ist für den 20. bis 23. August betrieblich eingeplant“, sagte der Bahnsprecher. „Während dieser Zeit wird das Gleis 11 nicht zur Verfügung stehen.“ Belastungen für die Fahrgäste sollen auf ein Minimum reduziert werden, ließen sich aber nicht ganz ausschließen. So schlimm wie bei der Sanierung der Gleiskonstruktionen soll es nicht werden. Dafür muss der Fern- und Regionalverkehr im oberen Teil des Hauptbahnhofs 2015 für 86 Tage und der S-Bahn-Verkehr 2016 für 60 Tage eingestellt werden.
Damit das Image des Bahnhofs nun nicht weiter leidet, bemühte sich die Bahn um Schadensbegrenzung. Die Sicherheit sei nicht gefährdet, Risiken für die Standsicherheit der Dachkonstruktion seien „gegenwärtig nicht erkennbar“, hieß es. Doch erneut zeigt sich, dass die ambitionierte Gestaltung dieser Bahnanlage offensichtlich anfällig ist. Die Bundesingenieurkammer bezeichnete den Bau des Hauptbahnhofs einst als das „technisch anspruchsvollste Einzelprojekt“ in Berlin. Das Dach, das die drei Ost-West-Bahnsteige überspannt, gilt als eine besonders komplizierte Konstruktion. Keines der in Polen hergestellten Stahlteile, keines der 9 117 Glaselemente gleicht den anderen. So sorgen anstelle von Stützen bis zu 68 Millimeter dicke Stahlseile für Stabilität. Sie sind insgesamt 85 Kilometer lang.
Es ist nicht das erste Mal, dass der 2006 eröffnete Hauptbahnhof auffiel. 2007 fiel während eines Orkans ein Stahlriegel aus der Fassade. Im vergangenen Jahr kam heraus, dass die oberirdischen Gleiskonstruktionen der Belastung nicht standhalten und für 25 Millionen Euro saniert werden müssen.



