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Kanzlerduell ohne Kampf

Bei dem TV-Duell war die Harmoniesucht unüberhörbar. Denn als sich die Fragen um den Euro drehten, waren sich Steinbrück und Merkel einig. Dabei braucht die Europapolitik dringend eine Oppositionspartei.

 

Von Hans-Olaf Henkel

Für das „Duell Merkel vs. Steinbrück“ muss man der ARD dankbar sein. Die Moderatoren versuchten fleißig, den Kandidaten unterschiedliche Positionen zu Mindestlohn, Rente, Steuern usw. zu entlocken. Sie gaben sich auch nicht immer mit den Antworten zufrieden.

 

So zielte Anne Will mit einer präzisen Frage zu den Beamtenpensionen direkt auf Steinbrück, mit Fragen zum Gesundheitswesen auf Merkel. Nur seltsam, als es um das wichtigste Zukunftsthema, den Euro, ging, war die Harmoniesucht sowohl zwischen den Kanzlerkandidaten als auch der Moderatoren unübersehbar und unüberhörbar.

 

Beide Kandidaten eierten bei der Frage nach den möglichen Kosten, die durch die Eurorettungspakete auf die deutschen Steuerzahler zukommen, herum. Nachfragen? Fehlanzeige! Beide setzten den Euro mit Europa gleich. Keine Nachfrage der ModeratorInnen!

 

Als Merkel behauptete, die Deutschen würden dem Euro ihren Wohlstand zu verdanken haben, blieb auch der angriffslustige Steinbrück stumm.
Als Steinbrück deutsche Leistungen für Griechenland mit dem Beispiel des Marschall-Plans rechtfertigte (die inzwischen eines Mehrfachen des Marshall-Plans für Deutschland entsprechen), sagte Merkel nichts.

 

Die Europapolitik braucht eine Oppositionspartei

Als in der Nachklappsendung „Günther Jauch“ Frank-Walter Steinmeier behauptete, die Verletzung des Maastricht-Vertrages sei eine nötige Voraussetzung für die Agenda 2010 gewesen, protestierte auch keiner der Talk-Show-Gäste.


Mit dieser Diskussion zeigten Kandidaten, ModeratorInnen und ARD, wie bitter nötig die Euro- und Europapolitik eine Oppositionspartei braucht. Die letzte Frage, gestellt von Anne Will, war die nach dem Gewinner dieser Diskussion. Jörg Schönenborn, Euromantiker mit dem für die meisten Journalisten des Öffentlich Rechtlichen Fernsehens typischen Linksdrall, erklärte den Ausgang knapp für Steinbrück.

 

Das mag aufgrund der von ihm erhobenen Umfragen berechtigt sein, ist aber nur die halbe Wahrheit. Die ganze Wahrheit ist: Die Verlierer sind wir alle, denn das Fernsehen hat es wieder einmal versäumt, der Opposition zur Europolitik eine Stimme zu verschaffen. Das mag konsequent wirken, denn auch im Bundestag wird zum Thema „Euro“ seit Mai 2010 nicht mehr die Wahrheit gesagt.

 

Auch bei einem öffentlich-rechtlich organisierten TV-Monopol sollte es möglich sein, zu diesem Thema andere, als nur parteiübergreifende Staatsmeinungen zu hören.
Man stelle sich vor, beide Kandidaten hätten mit Bernd Lucke, dem Gründer der „Alternative für Deutschland“, zu den Themen „Euro“ und Europapolitik“ diskutieren müssen. Sie hätten wie begossene Pudel ausgesehen.

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